Gedanken über Tango Unterricht | 7. Teil

Teil 7: Das gekreuzte Schrittsystem – el sistema cruzado

Ein sehr komplexes Thema beschreibe ich in diesem Beitrag. Es gibt kaum Bewegungsabläufe, die schriftlich so schwer zu formulieren sind wie z.B. ‚alteraciones‘ oder Richtungs- und Bezugssysteme im gekreuzten Schrittsystem. Deshalb nimmt dieses Thema hier auch so viel Raum ein, weil ich selbst fast ausschließlich in diesem System tanze – aus vielerlei Gründen […]

Gedanken über Tango Unterricht | 6.Teil

Teil 6: Figuren, Sequenzen und die Improvisation

Was braucht man auf einer gefüllten Tanzpiste, um von Beginn an, also als Tango-Anfänger, improvisieren zu können?

Im Tango Rioplatense sind Figuren weit mehr als bloße Schrittfolgen – sie sind Werkzeuge der Kommunikation, der Musikalität und der Orientierung. Auf der Tanzfläche einer Milonga helfen sie, sich im Raum zu bewegen, mit anderen Paaren zu koexistieren und die Musik im Moment zu interpretieren. Ganz anders auf der Bühne: Im Tango Escenario werden Figuren choreografiert, dramatisiert und stilisiert – sie dienen nicht dem sozialen Miteinander, sondern der visuellen Wirkung, der Spannung und dem erzählerischen Ausdruck.

Doch auch auf der Tanzfläche entstehen oft kleine Sequenzen: vertraute Kombinationen, die aus dem Repertoire abrufbar sind und dennoch variabel bleiben. In diesem Beitrag geht es darum, wie Figuren im Tango funktionieren und wie sich aus ihnen sowohl strukturierte Abläufe als auch improvisierte Momente entwickeln können.

Gedanken über Tango Unterricht | 5. Teil

Teil 5: Die ‚base‘ oder ‚paso basico‘ im parallelen Schrittsystem

In diesem Kapitel möchte ich über die „base“ schreiben, weil ich von Kommentatoren darauf angesprochen wurde und ich dieses leidige Thema mal in Bezug zum Tango Unterricht beleuchten möchte. 

Ich bezieh mich dabei auf Gespräche und Unterricht bei der Generation der 50-60er Jahre wie Edurado Arquimbau, Antonio Todaro und Pepito Avellaneda, die diesen als Grundstock der Tango Ausbildung betrachteten und diesen „paso basico“ auch tanzten. 

Gedanken über Tangounterricht | 4. Teil

Teil 4: Das Gehen – Fortbewegung oder musikalischer Dialog? oder
Wie das Gehen zum Tanz wird

Es gibt, glaube ich, nichts, was mich beim Tango lernen – und unterrichten – so sehr beschäftigt hat wie das „Gehen“.
Soll doch die Grundbewegung beim Tangotanzen aus dem scheinbar Einfachsten bestehen.
Einfach? Nein. Denn wenn man den Sinn des „Gehens“ nicht versteht, wird daraus genau das, was man auf deutschen Tango-Pisten leider allzu oft beobachten kann: langweiliges Herumlatschen – ohne jeglichen tänzerischen Esprit.
Und das liegt wohl an der Deutung des Wortes „Gehen“.
Ich wage in diesem Blogartikel eine kleine Analyse. Mancher Leser mag sich fragen, ob einige Punkte nicht zu banal und selbstverständlich erscheinen. Sind sie aber nicht!

Gedanken über Tango Unterricht | 3. Teil

Teil 3: Über Achsen im Tango, insbesondere im ‚ocho‘

Seitdem ich Tango tanze, habe ich bei vielen Tangotänzer:innen beim Wort „Achse“ viele seltsame Vorstellungen darüber herausgehört. Zum Beispiel „Ich habe meine Achse verloren.“ Wobei wohl einfach nur das verlorene Gleichgewicht gemeint war.
Oft wird nur von der Achse – wie „von einer Achse“ – gesprochen, dabei ist vielen nicht bewusst, welche Achse bei der jeweiligen Bewegung relevant ist.
Richtig gelesen:
Es gibt mehrere Achsen, die für uns Tänzer:innen relevant sind. Grund genug, das Thema einmal differenziert und verständlich aufzubereiten.

Gedanken über Tangounterricht | 2. Teil

Teil 2: Der Kontakt, die Umarmung und die Kunst der Führung

Im zweiten Teil meiner „Gedanken über Tangounterricht“ geht es um zwei zentrale Themen:
In beiden geht es um den Kontakt im Paar – erst um den körperlichen – die Umarmung, und dann  um den mentalen Kontakt, der über die Umarmung „spricht“. Beides ist auch auschlaggebend, wie sich das Paar gemeinsam  bewegt.

Ein weiteres Thema, das ich anschneide, ist die sogenannte „Führung“ – oder neutraler: die „Impulsgebung“. Ein komplexes Feld, das, je nachdem, wie man es betrachtet, gleich eine Lawine an „Abers“ und „Ja, aber doch so!“-Kommentaren auslösen kann. Aber gut, Tango wäre nicht Tango, wenn alles eindeutig wäre.

Die Umarmung – Attitüde oder Wunsch nach Nähe? (Teil 2)

Einleitung: Vor einigen Jahren habe ich mich mit der Frage beschäftigt, ob die enge Tango-Umarmung – el abrazo – eher Pose und Attitüde oder Ausdruck eines echten Nähebedürfnisses ist. Damals fiel es mir schwer, mich eindeutig festzulegen. Ich hatte noch einen 2.Teil über dieses Thema versprochen, den ich jetzt nachhole. Inzwischen sind etliche Tandas vergangen, ich habe so einige Umarmungen erlebt, Unterricht gegeben und Diskussionen verfolgt. Heute, mit mehr Erfahrung und Reflexion, möchte ich diese Frage erneut aufgreifen und klarer […]

Tango bewerten …und wozu?

Ich bin bei den letzten Artikeln auf eine grundlegendes Thema gestoßen, dass ich immer schon behandeln wollte: Die Bewertung von Tangopaaren oder Was macht einen guten Tango aus? Warum wird ein und der selbe Tanz von Zuschauern so unterschiedlich betrachtet. Ist das eigene Erfahrungsfeld dafür entscheidend? Steht es uns zu, Paare zu bewerten, wenn wir doch nicht erahnen können, wie er sich für das jeweilige Paar anfühlt? Geht hier Spaß vor Ästhetik? Muss ein Tango in der Milonga elegant, aber […]

Herzlich Willkommen bei TANGOcompas.co

Liebe Freunde des Tango, seit Anfang März 2021 habe ich nun meinen eigenen Tango-Blog: Tangocompas.co  Da ich in diversen anderenBlogs bereits einige Artikel veröffentlicht hatte, die auf Zustimmung stießen, wurde mir geraten, doch selbst meine Texte zu veröffentlichen.  Das will ich nun hier umsetzen.  Das spanische Wort ‚compas‘ hat neben seiner normalen Bedeutung als „Kompass“ auch als Wort für das tango-typische Metrum, der dem getanzten Tango diesen typischen Swing verleiht, eine zweite Auslegung. In diesem Sinne versuche ich hier viele […]

Tango oder Fußball?

Seit meiner Kindheit hadere ich mit dem Fußball, weil ich schon als Kind lungenkrank und kurzatmig und deshalb auch gesundheitlich nicht aktiv fussballtauglich war. Ich wollte, aber durfte nicht Fussball spielen. Tango tanzen hingegen konnte ich einige Jahre später schon. Heute beobachte ich eine zunehmende Kommerzialisierung in beiden Metiers. Das erste durch Fußball bedingte Kinderleid waren für mich kurzfristig abgesagte Fernsehsendungen, die irgendeinem Länderspiel zum Opfer fielen. Welt- und Europameisterschaften hatten aber in meiner Jugend etwas magisches, denn die Straßen waren leergefegt, […]

Chacarera

Über Tanzkultur. Identität und Argentinische Folklore Selbst habe ich im Rahmen eines Festivals mal einen Chacarera-Workshop gegeben, weil es wohl in der Gegend keinen anderen Unterrichtenden gab und danach verlangt wurde. Ich fühlte mich aber trotzdem nicht berufen. Ich bin ein schlechter Chacarera-Tänzer, ich kann den meisten gespielten Musikstücken auch nicht viel abgewinnen.  Ich liebe dagegen Argentinische Zamba, Chamamé und Malambo,(s.u.) aber nur als Hörer und Zuschauer. Chacarera ist im Gegensatz zum Tango ein Volkstanz, genauer gesagt ein Folkloretanz, kein […]

Epoca de Oro

…da gibts noch keinen Ersatz!  Aber… Der Begriff „Tango – Epoca de Oro – EdO“ besteht als Etikette für die goldene Epoche des Tangos und gleichzeitig als Qualitätstandard, der aber auch  gute Tanzbarkeit garantieren soll. Dieses Kriterium ist aber leider auf diese Zeit begrenzt, also gilt in den Milongas in Europa nicht vor dieser Zeit, zum Beispiel für Tangos der 30er. Warum eigenlich?  Wir sollten mal die allgemeinen Vorurteile auch anhand der damaligen Bedingungen überprüfen. Außerdem ist eine Erneuerung des […]

Bäume und Wälder

Bei einem kritischen Beitrag über „Encuentros? Nicht schon wieder!“ bekam ich unterschiedliche Kritiken und Kommentare ab. Positive und negative. Auch aus der Encuentro-Szene kamen zum Teil positive, sachliche Kommentare – meist Emails – (warum diese allerdings nicht öffentlich als Kommentar gesendet wurden, wage ich nicht zu begründen), als auch sehr negative – zum Teil höhnische Gelächter-Smileys in Facebook-Postings. Diese finde ich besonders perfide, weil sie noch nicht einmal inhaltlich eine Spur von Verständnis zeigen.  Selbst klar kommunizierte Aussagen, dass ich […]

Encuentros? Nicht schon wieder!

Mit dem Thema „Encuentros“ werde ich sicherlich erstmal thematisch in der Ecke der Vorgestrigen geortet, weil meinem Artikel schon etliche Diskussionen darüber vorangingen und sich viele fragen werden, was Klaus Wendel dazu noch beisteuern möchte, wenn dieser noch dazu bekanntlich kein Freund dieser Events ist; denn es ist doch schon alles besprochen und oft durchgekaut worden. Vieles ja, aber noch nicht alles.  Etwas möchte ich gleich zu Anfang klarstellen: Ich möchte hier keinen verurteilen oder angreifen, weil er/sie Encuentros, Marathons […]

Piazzollas Musik als Tanzmusik?

Diesen Beitrag habe ich am 11. Dezember 2018 auf dem Blog „Mylonga“ von Thomas Kroeter geschrieben (http://kroestango.de/aktuelles/tanz-den-piazzolla/), nachdem ausgiebig über die Tanzbarkeit der Musik von Astor Piazzolla diskutiert wurde. Wohlgemerkt: jede Musik von ihm und nicht nur manche Titel. What makes me moving? Piazzola tanzbar? Seit den 60er Jahren, seit Astor Piazzolla seine ersten Versuche machte, seinen Tango Nuevo zu etablieren, wurde diskutiert, ob er damit die Grenzen des Tangos überschreiten würde, weil man in frage stellte, ob Piazzollas Tangos […]

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