Studie beweist: 80 % der Tango-Tänzer tanzen ohne Musik

Studie beweist: 80 % der Tango-Tänzer tanzen ohne Musik

Es ist ein Ergebnis, das zunächst irritiert – und dann, je länger man darüber nachdenkt, eine gewisse innere Logik entwickelt. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des „Instituts für angewandte Bewegungswahrnehmung“ (IABW) kommt zu dem Schluss, dass ein Großteil der Tango-Tänzer Musik nicht in dem Maße verarbeitet, wie es gemeinhin angenommen wird. Die Studie basiert auf der Auswertung von Videoaufnahmen aus Milongas in Europa und Buenos Aires sowie auf experimentellen Settings, bei denen Tänzern unbemerkt Musikstrukturen verändert oder vollständig entfernt wurden. Das […]

Zwischen Vielfalt und Reduktion

Zwischen Vielfalt und Reduktion

Eine Frage des Anspruchs im Tango

Ausgangspunkt dieses Beitrags war ein Gespräch mit einem Kollegen, der wie ich seit vielen Jahren unterrichtet. Es ging zunächst um Lehrkonzepte, um die Frage, wie man heute Anfänger sinnvoll aufbaut, was sich verbessert hat und wo die Probleme liegen. Und relativ schnell standen wir an einem Punkt, der zunächst unscheinbar wirkt, aber weitreichende Konsequenzen hat: Die Konzepte sind besser geworden, das Niveau nicht unbedingt. Oder genauer gesagt: Es hat sich nicht in der Breite in dem Maße entwickelt, wie man es erwarten könnte.

Je länger wir darüber sprachen, desto deutlicher wurde, dass die Frage nach „besser“ oder „schlechter“ eigentlich zu kurz greift. Denn was sich verändert hat, ist weniger das Niveau als die Zielrichtung. Der Tango hat sich nicht einfach entwickelt, sondern ausdifferenziert – und zwar in zwei Richtungen, die sich nur bedingt miteinander vereinbaren lassen.
Übereinstimmend konnten wir aber feststellen, dass im Bereich der räumlichen Begrenzung einer Ronda zu wenig in Richtung tänzerischer und musikalischer Vielfalt im Unterricht getan wird.

Über Satiriker und solche, die es gern wären

Über Satiriker und solche, die es gern wären

Ist satirische Souveränität echte Stärke – oder nur gut gespielte Unangreifbarkeit?

Wir werden durch die Medien permanent mit Comedians und selbsternannten Satirikern konfrontiert. Für manche sind Formate wie extra 3, die heute-show oder ähnliche Sendungen längst zu einer Art wöchentlicher Grundversorgung geworden – eine Mischung aus Information und emotionaler Entlastung, die den Nachrichtenfrust wenigstens für einen Moment erträglicher macht.

Andere wiederum nutzen das Etikett „Satire“, um sich regelmäßig und öffentlich ihren Frust von der Seele zu reden – zugespitzt, pointiert, oft mit dem Anspruch auf besondere geistige Schärfe. Je nach Perspektive gelten sie dann als „genial“ oder schlicht als „arrogant“. Sicher ist: Nicht wenige verfolgen dabei sehr konkrete Interessen – Aufmerksamkeit, Einfluss, nicht zuletzt auch Geld.

Wie sich Paartänze auf der Tanzfläche organisierten

Wie sich Paartänze auf der Tanzfläche organisierten

Von Quadrille, Walzer und Polka bis Tango, Swing und Salsa

Es könnte in den letzten zwanzig Jahren – und teilweise bis heute – der Eindruck entstanden sein, dass die Ronda eine synthetische Erfindung besonders sadistischer Regel-Fanatiker sei, eingeführt mit dem einzigen Zweck, Freestylern das freie Tanzen zu vermiesen.

Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die Tango-Szene zu Beginn des Tango-Revivals in den 1990er Jahren eine recht bunte Truppe war. Viele der damaligen Tänzerinnen und Tänzer nahmen es mit gesellschaftlichen Gepflogenheiten auf der Tanzfläche nicht allzu genau. Die wenigsten waren geübte Tänzer auf vollen Tanzpisten.

Aber selbst unter Turnier-Standardtänzern war diese Form der Tanzflächenorganisation in Deutschland lange Zeit nicht besonders bewusst. Ganz anders sah das auf offenen Turnieren in England aus. Dort gehörte eine Kultur der gegenseitigen Rücksichtnahme auf der Tanzfläche schon lange viel stärker zum Selbstverständnis. Das verweist auf einen Punkt, der im Tango gern vergessen wird: Die Organisation einer Tanzfläche ist kein Tango-Spezialfall, sondern ein Grundproblem aller Gesellschaftspaartänze, sobald mehrere Paare gleichzeitig denselben Raum benutzen.

Sobald viele Paare gleichzeitig tanzen, entsteht zwangsläufig eine Art Verkehrssystem. Die Frage ist dann nicht mehr, obes Regeln gibt, sondern welche Art von Regeln sich aus dem jeweiligen Tanz ergeben. Und genau da wird es historisch interessant. Denn nicht alle Paartänze haben dieses Problem auf dieselbe Weise gelöst.

Welches Tango-Format ist das beste? Die falsche Frage.

Welches Tango-Format ist das beste? Die falsche Frage.

Ein Gastbeitrag von Christian Beyreuther


Festival? Milonga? Marathon? Encuentro? Nuevo-Event? Tango Queer?

Diese Frage taucht immer wieder auf: Welches Tango-Format ist eigentlich das beste? Viele suchen darauf eine klare Antwort. Doch die Wahrheit ist einfacher – und vielleicht auch ernüchternd.

Es gibt kein bestes Format. Es gibt nur das Format, das zu dir passt.

Oder anders gesagt:
Nicht das Format entscheidet über einen guten Tangoabend – sondern die Menschen auf der Tanzfläche.

Gedanken über Tango Musik | 5. Teil

Gedanken über Tango Musik | 5. Teil

Musik im Unterricht – Funktion vor Geschmack
Musik-Links korrigiert!

Ich habe bereits im Beitrag „Gedanken über Tango-Unterricht | 37. Teil – Musikalität vor Repertoire-Vielfalt“ darüber geschrieben, warum Musikalität im Unterricht systematisch zu kurz kommt.

Hier möchte ich noch einmal ausdrücklich auf die Musik im Unterricht eingehen.

Um es vorwegzunehmen: Beim Thema Musik fliegen schnell die Kugeln.
Deshalb gleich zu Beginn: Das hier Geschriebene ist meine Meinung, meine Erfahrung aus vier Jahrzehnten Unterricht und DJ-Praxis – kein Almanach, kein Kanon, kein Lehrbuch darüber, wie Unterrichtsmusik „zu sein hätte“.

Gedanken über Tango Musik | 4. Teil

Gedanken über Tango Musik | 4. Teil

Fortschritt, Raum und die Erzählung vom verhinderten Niveau | nachträglich bearbeitet

Die Behauptung vom „unerwünschten Weiterkommen“

In einer jüngsten Replik wurde erneut die These formuliert, im Tango sei Weiterkommen unerwünscht. Schwierige Musik werde gemieden, weil man Anfänger nicht verschrecken wolle. Die Ronda wirke wie ein disziplinierendes Korsett. Der Unterricht produziere „ewige Anfänger“, die trotz jahrelanger Kurse kaum Fortschritte machten. Anspruchsvollere musikalische Konzepte würden nicht angeboten, um das allgemeine Niveau nicht zu gefährden.

Diese Diagnose klingt zunächst wie eine soziologische Analyse der Szene. Tatsächlich beruht sie auf einer bestimmten Vorstellung davon, was Fortschritt im Tango überhaupt bedeutet. Und genau diese Vorstellung muss man genauer betrachten, bevor man von struktureller Niveau-Deckelung spricht.

Gedanken über Tango Musik | 3. Teil

Gedanken über Tango Musik | 3. Teil

Vom Fundament eines Gesellschaftstanzes

Die ersten beiden Teile dieser Reihe haben eine Diskussion ausgelöst. Das ist nicht überraschend. Überraschend ist eher, wie sie geführt wird.

Ein/ige Leser haben/hat die dort formulierten Argumente entweder nicht nachvollzogen oder in einer Weise ausgelegt, die mit dem tatsächlichen Inhalt wenig zu tun hat. Es wurden Positionen kritisiert, die ich nicht vertreten habe, und Aussagen zurückgewiesen, die so nie getroffen wurden.

Das betrifft selbstverständlich nicht die gesamte Leserschaft. Aber es tauchen in den Reaktionen wiederholt Schein- oder Strohmann-Argumente auf: Man widerlegt eine zugespitzte Version des Textes – nicht den Text selbst.

Hinzu kommt eine weitere Unschärfe: Moderne Tango-Kompositionen, Tango Nuevo im engeren Sinn und neu eingespielte Versionen traditioneller Orchester werden häufig in einen Topf geworfen. Dadurch verschwimmen entscheidende Unterschiede. Wer nicht sauber zwischen kompositorischer Struktur, klanglicher Modernisierung und stilistischer Neuinterpretation unterscheidet, diskutiert über etwas anderes, als tatsächlich zur Debatte steht.

Noch grundsätzlicher wird es, wenn außer Acht gelassen wird, was einen Gesellschaftstanz überhaupt trägt. Ein Tanz, der sich sozial verbreitet, braucht bestimmte musikalische Eigenschaften: rhythmische Klarheit, formale Erkennbarkeit, wiederkehrende Spannungsbögen. Diese Fragen standen bereits in den ersten beiden Teilen im Mittelpunkt.

Wenn diese Voraussetzungen jedoch bestritten oder als nebensächlich abgetan werden, dann geht es nicht mehr um Detailfragen des Repertoires. Dann liegen unterschiedliche Auffassungen darüber vor, wie Tango als Gesellschaftstanz überhaupt funktioniert.

Genau an diesem Punkt möchte ich im dritten Teil ansetzen.

Japan und sein Umgang mit fremder, traditioneller Kultur

Japan und sein Umgang mit fremder, traditioneller Kultur

„Alt? Dann schaffen wir Beethoven gleich mit ab.“

Vor ein paar Tagen rief mich eine junge Frau an, die gerne Tango lernen wollte. Einen Beginnerkurs konnte ich ihr nicht anbieten, also kamen wir ins Gespräch. Nicht über Termine, sondern über Bewegung. Über Stand. Über das, was einen Körper stabil macht.

Sie erzählte mir, sie trainiere eine japanische Kampfkunst. Ihr Lehrer – selbst Tangotänzer – habe ihr geraten, Tango zu lernen, um ihre „Beinarbeit“ zu verbessern.

Das hat mich nicht überrascht. Ich erinnerte mich an ein spielerisches Ringen vor Jahren mit einem Freund, fortgeschritten im Wing Tsun. Ich blieb erstaunlich stabil auf den Beinen. Sein Kommentar: „Du hast einen sehr guten Stand.“ (Heute allerdings, nach einer Achillessehnenruptur und OP, wohl nicht mehr so sehr.)

Offenbar gibt es zwischen Tango und Kampfkunst eine gemeinsame Grundlage: Balance, Erdung, Struktur. Form ist nicht Einschränkung, sondern Voraussetzung.

Im weiteren Verlauf erwähnte ich die besondere Rolle Japans in der Geschichte des Tango – und wusste plötzlich, dass ich darüber längst hätte schreiben sollen.

In eigener Sache und Sonstiges

In eigener Sache und Sonstiges

Zuerst einmal wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein gutes, erfolgreiches – und vor allem friedliches – neues Jahr! Meine Reihe „Gedanken über Tango-Unterricht“ werde ich demnächst fortsetzen. Allerdings nicht mehr in so engem Takt: Das Thema ist weit, aber nicht unendlich, und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man nichts mehr ergänzt, sondern nur noch wiederholt.Auch meine Beiträge zur Tango-Szene und zu allgemeinen Entwicklungen werde ich etwas reduzieren – schlicht deshalb, weil ich nicht mehr so oft unterwegs […]

Gedanken über Tango-Unterricht (und das Bloggen) | 30.Teil 

Gedanken über Tango-Unterricht (und das Bloggen) | 30.Teil 

Ein kleines Resümee • eine Rückschau und Reflexion Das ist nun der 30. Teil der Reihe „Gedanken über Tango-Unterricht“ – eigentlich waren es mehr, weil manche Themen mehrere Teile hatten. Zeit also, mal ein kleines Resümee zu ziehen. Ehrlich gesagt, haben mich manchmal die Diskussionen mit anderen Bloggern oft mehr Energie gekostet als die inhaltliche Arbeit an Tango-Themen selbst. Die vorübergehende „Beheimatung“ einiger Kommentatoren, die bei Gerhard Riedl geblockt wurden und dann bei mir schrieben, hat zwar ordentlich Traffic gebracht […]

Monokultur in der öffentlichen Tanzwelt

Monokultur in der öffentlichen Tanzwelt

In der Tango-Szene prallt man erstaunlich oft auf eine merkwürdige Abwehrhaltung gegenüber anderen Tänzen – und auf dieses Bedürfnis, dem eigenen Tango-Dasein ein kleines Elite-Abzeichen anzupappen. Das Muster ist alt: Der eigene Stil wird hochgehoben, der Rest abgewertet. Und das passiert nicht nur im Tango. Auch in Salsa-, Swing- oder Caribic-Szenen herrscht eine ähnliche Allergie gegen alles, was nicht ins eigene Klangbild passt.

Früher konnte ein normaler Tänzer mehrere Tänze – heute beherrschen die meisten nur noch ihren einen Stil und vielleicht ein paar nahe Verwandte wie Tango-Vals, Milonga oder Chachachá. Die Ablehnung anderer Musikrichtungen hat dabei oft denselben Grund: Man versteht die Bewegung nicht, also versteht man den Spaß nicht. Und was man nicht versteht, wird gerne als „nicht meins“ abgestempelt.

Kurios ist, dass die Tango-Szene ausgerechnet die Chacarera ohne Murren akzeptiert – vermutlich, weil man in Buenos Aires gemerkt hat, dass viele Südamerikaner ein Grundrepertoire an verschiedenen Tänzen haben und man das deshalb als „zum Tango gehörig“ durchwinkt.

Was ist Tanz? Und was macht den Tango zum Tango?

Was ist Tanz? Und was macht den Tango zum Tango?

Man urteilt schnell. Ein Blick auf ein Tango-Video – und schon fällt das Urteil: „Das ist kein Tango!“ Oder, ebenso entschieden: „Genau das ist es!“ Doch woran messen wir das? An der Form, an der Mode, an bestimmten Schritten? Vielleicht lohnt sich ein genauerer Blick: Was ist eigentlich Tanz? Und wann darf sich der Tango Tango nennen? Diesen Fragen möchte ich in einem zweiteiligen Text nachgehen – jenseits von Stilrichtungen und Schrittfolgen, näher am Kern der Bewegung: Teil 1: Was […]

Das Konzept eines Tanzes

Das Konzept eines Tanzes

 oder – Worum geht’s eigentlich? Tango ist ein Tanz, den niemand je ganz begreifen wird. Aber vielleicht liegt gerade darin seine Tiefe – und der Reiz, ihm ein Leben lang nachzuspüren. Ich selbst tanze und unterrichte seit Jahrzehnten und entdecke dennoch immer wieder neue Facetten. Tango lernen bleibt ein lebenslanger Prozess. Seit der Entstehung des Tangos gibt es bestimmte Grundbewegungsformen, die sich wie ein roter Faden durch seine gesamte Entwicklung ziehen. Sie waren in jeder Epoche zu erkennen – in […]

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