Von Quadrille, Walzer und Polka bis Tango, Swing und Salsa
Es könnte in den letzten zwanzig Jahren – und teilweise bis heute – der Eindruck entstanden sein, dass die Ronda eine synthetische Erfindung besonders sadistischer Regel-Fanatiker sei, eingeführt mit dem einzigen Zweck, Freestylern das freie Tanzen zu vermiesen.
Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die Tango-Szene zu Beginn des Tango-Revivals in den 1990er Jahren eine recht bunte Truppe war. Viele der damaligen Tänzerinnen und Tänzer nahmen es mit gesellschaftlichen Gepflogenheiten auf der Tanzfläche nicht allzu genau. Die wenigsten waren geübte Tänzer auf vollen Tanzpisten.
Aber selbst unter Turnier-Standardtänzern war diese Form der Tanzflächenorganisation in Deutschland lange Zeit nicht besonders bewusst. Ganz anders sah das auf offenen Turnieren in England aus. Dort gehörte eine Kultur der gegenseitigen Rücksichtnahme auf der Tanzfläche schon lange viel stärker zum Selbstverständnis. Das verweist auf einen Punkt, der im Tango gern vergessen wird: Die Organisation einer Tanzfläche ist kein Tango-Spezialfall, sondern ein Grundproblem aller Gesellschaftspaartänze, sobald mehrere Paare gleichzeitig denselben Raum benutzen.
Sobald viele Paare gleichzeitig tanzen, entsteht zwangsläufig eine Art Verkehrssystem. Die Frage ist dann nicht mehr, obes Regeln gibt, sondern welche Art von Regeln sich aus dem jeweiligen Tanz ergeben. Und genau da wird es historisch interessant. Denn nicht alle Paartänze haben dieses Problem auf dieselbe Weise gelöst.