Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, wie viel Energie man damit vergeuden kann, sich mit Menschen, Texten und Debatten zu beschäftigen, die einen ärgern. Man liest, widerspricht, erklärt und verteidigt sich – und am Ende bleibt vor allem Erschöpfung. Gleichzeitig habe ich die Musik wiederentdeckt. Nicht nur den Tango, sondern vor allem die Oper und die klassische Musik: Liszt, Tschaikowski, Grieg, Dvořák, Beethoven. Musik, die eine andere Welt öffnet, eine Welt der Konzentration, der Empfindung, der Größe und manchmal auch des Trostes.
Gerade in einer Zeit, in der Krieg, Machtgier und Zerstörung wieder so viel Raum einnehmen, wirkt diese Musik wie eine Gegenbewegung. Nicht, weil Musik Kriege verhindern könnte. Sie macht Menschen auch nicht automatisch besser, schließlich gingen selbst Diktatoren in die Oper. Aber sie erinnert daran, wozu Menschen ebenfalls fähig sind: zu Schönheit, Zusammenarbeit, Disziplin, Fantasie und etwas, das weit über den Augenblick hinausreicht.
Jeder Tyrann kann eine Stadt zerstören. Keiner von ihnen könnte eine Beethoven-Sinfonie schreiben.