Tango Discovery® – eine geniale Idee, die sich selbst im Weg stand
Wenn heute von Tango Nuevo die Rede ist, denken viele an offene Umarmung, große Bewegungen, Colgadas, Volcadas und an einen Tanzstil, der irgendwann ziemlich spektakulär wurde. Das trifft zwar einen Teil seiner späteren Erscheinungsform, aber nicht das, was mich daran ursprünglich interessiert hat. Der entscheidende Schritt geschah schon in den 1990er-Jahren, als Gustavo Naveira und Fabián Salas begannen, Tango systematisch zu untersuchen. Nicht mehr nur: Welche Figuren gibt es und wie werden sie getanzt? Sondern: Welche strukturellen Möglichkeiten stecken eigentlich hinter diesen Figuren? Salas beschrieb später selbst diese Suche nach einer grundlegenden Struktur und nach den Wahlmöglichkeiten, die sich daraus ergeben. Chicho Frúmboli kam zu dieser Entwicklung hinzu und wurde einer ihrer wichtigsten tänzerischen Vertreter.
Das klingt heute vielleicht selbstverständlich. Damals war es das überhaupt nicht. Tango wurde überwiegend über Bewegungen und Figuren weitergegeben, die bereits existierten. Natürlich hatten gute Tänzer schon immer improvisiert, verändert und neue Lösungen gefunden, aber die Frage, ob sich die Gesamtheit dieser Möglichkeiten systematisch untersuchen lässt, war etwas anderes. Genau darin lag der Keim dessen, was später Tango Nuevo genannt wurde. Das Neue war für mich zunächst gar kein neuer Stil, sondern eine neue Art, über Tango nachzudenken.