Teil 2: Die heutige Lage
Im ersten Teil ging es um die frühen Jahre. Um die Zeit, in der Tango Nuevo und später Neo-Tango wie ein Befreiungsschlag wirkten. Raus aus der engen Umarmung, raus aus den alten Regeln, raus aus dem ewigen D’Arienzo-Di Sarli-Pugliese-Dreieck. Mehr Achsen, mehr Raum, mehr Möglichkeiten. So jedenfalls lautete das Versprechen.
Heute sieht die Sache anders aus.
Aus dem früheren Aufbruch ist längst eine eigene kleine Welt geworden: Neolongas, Neo-Marathons, Electro-Tango, Visuals, offene Rollen, lockere Codes und ein sehr dehnbarer Freiheitsbegriff. Das muss man nicht verteufeln. Aber man sollte auch nicht so tun, als sei alles, was sich frei anfühlt, automatisch schon künstlerisch interessant.
Denn der alte Irrtum ist geblieben: Manche verwechseln Freiheit mit Beliebigkeit. Und genau da wird es spannend.