Führung – das umstrittene Wort im Tango
Kaum ein Wort im Tango ist so belastet wie „Führung“. Manche hören darin sofort Befehl, Dominanz oder Unterordnung. Andere benutzen das Wort völlig unbefangen, weil sie damit schlicht meinen: Einer gibt eine Bewegungsinformation, der andere nimmt sie auf und antwortet darauf.
Ich halte es für falsch, das Wort einfach abzuschaffen. Denn im Tango muss die gemeinsame Bewegung organisiert werden. Zwei Menschen bewegen sich eng miteinander verbunden in einem Raum, in dem auch andere Paare tanzen. Es gibt Musik, Richtung, Tempo, Abstand, Hindernisse, unterschiedliche Körper, unterschiedliche Erfahrung und unterschiedliche Reaktionszeiten.
Wer so tut, als könne das alles völlig ohne Führung funktionieren, verkauft eine romantische Illusion.
Tango ist kein Solotanz. Aber er ist auch kein freies Herumlaufen zu zweit, bei dem jeder jederzeit macht, was ihm gerade einfällt. Auf einer Tanzfläche braucht es Spielregeln. Einer muss die Richtung im Raum organisieren. Einer muss wahrnehmen, ob vor dem Paar Platz ist, ob ein anderes Paar ausweicht, ob eine Pause sinnvoll ist oder ob man besser wartet.
Das ist keine Frage von Herrschaft. Das ist eine Frage von Organisation.