Vom Fundament eines Gesellschaftstanzes
Die ersten beiden Teile dieser Reihe haben eine Diskussion ausgelöst. Das ist nicht überraschend. Überraschend ist eher, wie sie geführt wird.
Ein/ige Leser haben/hat die dort formulierten Argumente entweder nicht nachvollzogen oder in einer Weise ausgelegt, die mit dem tatsächlichen Inhalt wenig zu tun hat. Es wurden Positionen kritisiert, die ich nicht vertreten habe, und Aussagen zurückgewiesen, die so nie getroffen wurden.
Das betrifft selbstverständlich nicht die gesamte Leserschaft. Aber es tauchen in den Reaktionen wiederholt Schein- oder Strohmann-Argumente auf: Man widerlegt eine zugespitzte Version des Textes – nicht den Text selbst.
Hinzu kommt eine weitere Unschärfe: Moderne Tango-Kompositionen, Tango Nuevo im engeren Sinn und neu eingespielte Versionen traditioneller Orchester werden häufig in einen Topf geworfen. Dadurch verschwimmen entscheidende Unterschiede. Wer nicht sauber zwischen kompositorischer Struktur, klanglicher Modernisierung und stilistischer Neuinterpretation unterscheidet, diskutiert über etwas anderes, als tatsächlich zur Debatte steht.
Noch grundsätzlicher wird es, wenn außer Acht gelassen wird, was einen Gesellschaftstanz überhaupt trägt. Ein Tanz, der sich sozial verbreitet, braucht bestimmte musikalische Eigenschaften: rhythmische Klarheit, formale Erkennbarkeit, wiederkehrende Spannungsbögen. Diese Fragen standen bereits in den ersten beiden Teilen im Mittelpunkt.
Wenn diese Voraussetzungen jedoch bestritten oder als nebensächlich abgetan werden, dann geht es nicht mehr um Detailfragen des Repertoires. Dann liegen unterschiedliche Auffassungen darüber vor, wie Tango als Gesellschaftstanz überhaupt funktioniert.
Genau an diesem Punkt möchte ich im dritten Teil ansetzen.