Während wir musikalisch noch von den 1940er-Jahren leben, hat sich der Tanz längst weiterentwickelt.
Mit der Época de Oro bezeichnet man gewöhnlich die große Zeit des Tango zwischen etwa Mitte der 1930er- und Mitte der 1950er-Jahre. Es war die Epoche der großen Orchester, Sänger, Komponisten und Arrangeure, aber ebenso eine Zeit, in der Tango gesellschaftlich tief verankert war. Tanzlokale, Rundfunk, Schallplattenproduktion und ein großes Publikum bildeten ein zusammenhängendes kulturelles System.
Die Musik entstand für die Gegenwart der damaligen Tänzer. Neue Stücke, neue Arrangements und unverwechselbare Orchesterstile konkurrierten miteinander. Buenos Aires war nicht nur das Zentrum des Tanzes, sondern zugleich ein Ort permanenter musikalischer Produktion.
Wenn heute von einer Época de Oro II gesprochen würde, könnte damit daher keine Wiederholung dieser Verhältnisse gemeint sein. Die Voraussetzungen haben sich grundlegend verändert.