Zwischen Ausprobieren und Zielvorgabe: Warum Tango-Unterricht mehr braucht als bloße Selbsterfahrung
Ein alter Streit über Methodik
Über Tango-Unterricht, genauer gesagt über seine Methodik, wird immer wieder gestritten. Soll der Unterrichtsstoff eher durch Probieren und Experimentieren vermittelt werden, also nach dem Prinzip „Try and Error“? Oder durch klare Zielvorgaben nach dem Prinzip „vor- und nachmachen“? Schon diese Gegenüberstellung ist allerdings schief. Denn in Wahrheit geht es gar nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein sinnvolles Sowohl-als-auch. Als Kombination ist beides vermutlich am wirksamsten.
Ich kenne diese Diskussion nicht nur theoretisch. Ich habe einen alten Tango-Freund, der stark nach dem ersten Prinzip arbeitet, weil er als ausgebildeter Alexander-Technik-Lehrer aus der Bewegungsschulung kommt. Dort spielen Wahrnehmung, Erfahrung und das eigene Erforschen von Bewegung naturgemäß eine große Rolle. Das ist nachvollziehbar und keineswegs falsch. Denn niemand lernt Bewegung wirklich, indem er bloß äußere Formen kopiert. Was nicht im eigenen Körper angekommen ist, bleibt Nachahmung.