War doch nicht so gemeint
Update am 1. Juli 2026
Da kommt noch was: Ein Nachwort
Satire scheint immer dann besonders wichtig zu werden, wenn eine Pointe daneben gegangen ist. Vorher war es ein frecher Gedanke. Nachher war es natürlich Ironie.
War doch nicht so gemeint
Update am 1. Juli 2026
Satire scheint immer dann besonders wichtig zu werden, wenn eine Pointe daneben gegangen ist. Vorher war es ein frecher Gedanke. Nachher war es natürlich Ironie.
Von einem, der auszog die Tango-Welt zu missionieren
Ich bekam vor ein paar Tagen einen Artikel gewidmet: „Lieber Klaus Wendel,“ … na, von wem wohl?
Seit Wochen lässt er kaum einen Artikel aus, ohne mich zu erwähnen oder mich zu zitieren. Aber er meint mich als Vertreter einer Tango-Welt, dem er den Kampf angesagt hat. Dabei stehe ich dieser Tango-Szene sehr ambivalent gegenüber, denn die Szene besteht ja nicht nur aus einer Person. Das scheint jemand immer wieder zu vergessen.
Auseinandersetzungen zwischen uns sind ja schon täglich… und ewig grüßt das Murmeltier.
Manchmal hat man den Eindruck, dieser gewisse Blogger beschreibt nicht die Tangoszene, sondern ein gefährdetes Biotop, in dem hinter jeder Ecke eine Bedrohung lauert.
Über verbales Dozieren und Alternativen
Für manche Zeitgenossen scheint Tango-Unterricht im Wesentlichen aus Vormachen und Nachmachen zu bestehen. Der Lehrer zeigt etwas, die Schüler machen es nach, und am besten wird dabei möglichst wenig geredet. Verbale Korrekturen gelten dann schnell als Eingriff in die tänzerische Freiheit, als pädagogische Bevormundung oder als Störung eines Prozesses, den man angeblich nur fühlen müsse.
Da stellt sich allerdings die Frage, warum solche Menschen überhaupt Unterricht nehmen oder genommen haben. Wenn Unterricht nur aus Zuschauen und Nachmachen bestehen soll, hätte man sich auch gleich durch YouTube-Tutorials arbeiten können. Da gibt es schließlich genug Material. Und man kann sich anschließend wunderbar darüber aufregen, ohne den Kontext des Videos, die Unterrichtssituation oder die eigentliche Aufgabe verstanden zu haben.
Gedanken zu Neo, Non, Elektro und musikalischem Tanzen
Vor ein paar Tagen hatte ich ein längeres Gespräch mit einem Tango-Freund über Neo-, Non- und Elektro-Tango. Und wieder einmal merkte ich dabei, wie schnell man in dieser Diskussion zu grob wird. Man wirft dann alles in einen Topf, rührt kräftig um und am Ende heißt es: „Die da tanzen eben nicht richtig Tango.“ So einfach ist es aber nicht.
Gut Ding will Weile haben
Vor einigen Tagen bekam ich einen englischsprachigen Text zugeschickt, verbunden mit der Bitte, dazu einmal Stellung zu nehmen. Es ging um die Frage, wie lange es eigentlich dauert, argentinischen Tango zu lernen.
Den Originaltext stelle ich weiter unten in einen Aufklapp-Container. Öffentlich, damit jeder nachlesen kann, worauf ich mich beziehe. Allerdings ahne ich schon jetzt: Die wenigsten werden sich die Mühe machen, diesen Text vollständig zu lesen oder gar zu übersetzen. Deshalb fasse ich die wesentlichen Gedanken daraus kurz zusammen und gehe dann auf den Punkt ein, der mir in diesem Text deutlich zu kurz kommt. […]
Über das Lernen durch Systeme – verkopft oder nur Gefühl?
Der Anlass zu diesem Beitrag ist ein Kommentar von Carsten Buchholz, den ich nicht als Angriff verstanden habe, sondern als interessante Gegenposition. Carsten schreibt, dass ihm Ordnungen und Systematiken im Tango nicht helfen. Er habe auf der Tanzfläche Menschen beobachtet, die sich ganz offensichtlich an Dinge klammerten, die ihnen jemand beigebracht habe, statt einfach zu tanzen.
Das ist ein Punkt, den ich gut nachvollziehen kann. Wer einmal erlebt hat, wie Menschen auf der Tanzfläche innerlich ihre Schrittzettel abarbeiten, während die Musik längst ganz woanders ist, weiß, was gemeint ist. Da wird nicht getanzt, da wird verwaltet, sortiert, gezählt, erinnert und kontrolliert. Manchmal sieht man förmlich, wie das Denken im Weg steht.
Carsten setzt dagegen mehr auf Emotion, Körpererfahrung, Spüren und interaktive Kommunikation, möglichst mit wenig Regeln und wenig Anweisungen. Auch das kann ich verstehen. Nur glaube ich nicht, dass damit die Sache erledigt ist. Denn aus der berechtigten Kritik an einem überfrachteten Unterricht folgt nicht, dass Systeme im Tango grundsätzlich falsch wären. Das wäre mir zu einfach.
Manchmal heißt es, große Tänze entstünden vor allem dann, wenn zwei Menschen zufällig auf derselben Wellenlänge liegen. Daran ist etwas Wahres: Ein guter Tanz entsteht nie durch einen allein. Falsch wird es aber, wenn daraus folgt, man müsse gar nicht viel können, sondern nur auf den richtigen Menschen zur richtigen Musik treffen. So bequem ist Tango nicht. Die vielgerühmte „Wellenlänge“ braucht eine gemeinsame Sprache: Wahrnehmung, Erfahrung, Musikalität, Rücksicht und körperliche Klarheit. Und sie braucht eine Umarmung, in der der andere […]
Ein Thema, das mich garantiert nicht interessiert, sind Autos. Ich kann Automarken meistens nur unterscheiden, wenn vorne ein sehr großes Zeichen draufklebt. Und wenn mir jemand begeistert Motorendaten vorträgt, schaltet mein Gehirn ungefähr so schnell ab wie ein Navi im Funkloch. Das letze Mal, dass mich Autos interessierten war in meiner Jugend – besser gesagt – in meiner spätpubertären Randale-Zeit. Oder als wir in der Kindheit beim „Auto-Quartett“ Leistungsdaten verglichen: Das bescheuertste Spiel überhaupt, dass aber heutzutage bei manchen Männern […]
Führung – das umstrittene Wort im Tango
Kaum ein Wort im Tango ist so belastet wie „Führung“. Manche hören darin sofort Befehl, Dominanz oder Unterordnung. Andere benutzen das Wort völlig unbefangen, weil sie damit schlicht meinen: Einer gibt eine Bewegungsinformation, der andere nimmt sie auf und antwortet darauf.
Ich halte es für falsch, das Wort einfach abzuschaffen. Denn im Tango muss die gemeinsame Bewegung organisiert werden. Zwei Menschen bewegen sich eng miteinander verbunden in einem Raum, in dem auch andere Paare tanzen. Es gibt Musik, Richtung, Tempo, Abstand, Hindernisse, unterschiedliche Körper, unterschiedliche Erfahrung und unterschiedliche Reaktionszeiten.
Wer so tut, als könne das alles völlig ohne Führung funktionieren, verkauft eine romantische Illusion.
Tango ist kein Solotanz. Aber er ist auch kein freies Herumlaufen zu zweit, bei dem jeder jederzeit macht, was ihm gerade einfällt. Auf einer Tanzfläche braucht es Spielregeln. Einer muss die Richtung im Raum organisieren. Einer muss wahrnehmen, ob vor dem Paar Platz ist, ob ein anderes Paar ausweicht, ob eine Pause sinnvoll ist oder ob man besser wartet.
Das ist keine Frage von Herrschaft. Das ist eine Frage von Organisation.
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