Lernwiderstände beim motorischen Lernen

Warum so viele Tangotänzer in ihrer Entwicklung stagnieren


Gedanken über Tango Unterricht | 71. Teil


In meinem letzten Beitrag habe ich die Frage aufgeworfen, warum so viele Tangotänzerinnen und Tangotänzer trotz jahrelanger Erfahrung in ihrer tänzerischen Entwicklung stagnieren.

Darüber ließe sich ausgiebig diskutieren. Schwieriger scheint es allerdings zu sein, eine plausible Erklärung dafür zu finden. Wer die Ursachen vorschnell auf Faulheit oder mangelnde Begabung zurückführt, macht es sich meiner Meinung nach zu einfach und übersieht möglicherweise die eigentlichen Schwierigkeiten des Lernens.

Ich möchte deshalb versuchen, dieser Frage etwas genauer nachzugehen. Meine Überlegungen beruhen auf meinen Erfahrungen aus der Unterrichtspraxis und auf umfangreicher Lektüre zur Lernforschung, mit der ich mich immer wieder beschäftigt habe.

Stillstand trotz Erfahrung?

Warum scheinen manche Tangotänzer/innen trotz jahrelanger Erfahrung nicht mehr dazuzulernen?


Gedanken über Tango Unterricht | 70. Teil


Vor Kurzem unterhielt ich mich mit einem Tangofreund über die Entwicklung von Tangotänzern. Er erzählte mir, dass er nach einer mehrjährigen Tangopause in die Zürcher Tangoszene zurückgekehrt sei. Dabei habe er eine merkwürdige Beobachtung gemacht: Viele Tänzer, die er noch von früher kannte, tanzten offenbar immer noch genauso wie damals. Es sei ihm vorgekommen, als wäre die Zeit stehengeblieben. Aber ist das wirklich so? Hört man nach einer gewissen Tango-Routine auf dazuzulernen?

Eduardo Arquimbau wird 90 – Ein Leben für den Tango

Eine persönliche Würdigung eines außergewöhnlichen Tänzers, Choreografen und Lehrers, der mein Verständnis vom Tango Argentino entscheidend geprägt hat.


Ein Videogruß aus Buenos Aires

Vor einigen Tagen bekam ich von Annette Meisl, einer guten Freundin, über WhatsApp einen Videogruß von Eduardo Arquimbau. Annette nahm vor kurzem bei ihm Tango-Unterricht. Er tanzt und unterrichtet also immer noch.
Ich habe mich darüber ganz besonders gefreut. Eduardo wird am 28. November 2026 neunzig Jahre alt. Wir kennen uns inzwischen seit fast vierzig Jahren, und wenn ich darüber nachdenke, welche Menschen mein Verständnis vom Tango Argentino am stärksten beeinflusst haben, dann gehört Eduardo ganz sicher zu den wichtigsten.

Dritter Teil: Improvisation im Unterricht – Die musikalische Organisation

Gedanken über Tango-Unterricht | Teil 68 | 3/3


Und jetzt kommt die Musik hinzu.

In den ersten beiden Teilen habe ich beschrieben, wie Improvisation bereits im Anfängerunterricht beginnen kann. Zunächst ging es um die Bewegungsmöglichkeiten innerhalb des Paares, anschließend um die räumliche Orientierung, die Triangulation und die Navigation auf einer Milonga.

Nun fehlt noch das Wichtigste: die Musik.

Warum so viele Männer beim Tango auf der Strecke bleiben

Gedanken über Tango Unterricht | 69. Teil


Ich erlebe in meinem Tango-Unterricht immer wieder Paare, die nach vielen Jahren des Zusammenlebens endlich einmal wieder etwas gemeinsam unternehmen möchten. Vielleicht sind die Kinder inzwischen groß genug, um allein zu Hause zu bleiben, ohne gleich die Bude zu ramponieren. Vielleicht ist auch einfach der Wunsch entstanden, aus der alltäglichen Routine auszubrechen, wieder etwas gemeinsam zu erleben und sich dabei auch körperlich näherzukommen.

Die Initiative geht meistens von den Frauen aus.

Zweiter Teil: Improvisation im Unterricht – die räumliche Organisation

Gedanken über Tango Unterricht | Teil 68 | 2/3 • 3. Teil folgt am Ende der Woche


Natürlich ist die Improvisation nur ein Teil dessen, was beim Erlernen des Tangos wichtig ist. Zunächst erfüllt sie einen ganz praktischen Zweck: die Navigation auf der Tanzfläche. Wie bewege ich mich gemeinsam mit meinem Partner durch den Raum? Wie reagiere ich auf andere Paare, auf begrenzten Platz und auf Situationen, die sich ständig verändern?

In einer Beschreibung des Tanzes betrifft das zunächst die Form der Bewegung. Zur Bewegungsschulung gehört aber auch der Modus, also die Art und Weise, wie eine Bewegung ausgeführt wird. Damit sind wir im umfangreichen Bereich der Somatik, einem der wichtigsten Aspekte des Tango-Unterrichts.

Warum Improvisation im Unterricht beginnt und auf der Milonga funktionieren muss

Gedanken über Tango Unterricht | Teil: 68 | 1/3


Was sollen unsere Schüler eigentlich lernen?

Vor einiger Zeit habe ich einen Artikel mit dem Titel „Warum mich guter Tango immer mehr langweilt“ geschrieben. Darin ging es um die zunehmende Gleichförmigkeit vieler tänzerischer Darbietungen, die ich heute auf Instagram und anderen Plattformen sehe. Trotz beeindruckender technischer Fähigkeiten schiebe ich solche Videos inzwischen häufig schon nach wenigen Sekunden weiter. Ich kenne die Bewegungen, erkenne die Muster und kann oft schon ahnen, was als Nächstes kommt.

In den letzten beiden Kapiteln dieses Artikels habe ich mich mit der Frage beschäftigt, was diese Entwicklung für den Tango-Unterricht bedeutet. Denn wenn sich die Vorstellungen von gutem Tango zunehmend an Bühnenauftritten, Wettbewerben und technisch hoch entwickelten Tänzern orientieren, bleibt das nicht ohne Folgen für diejenigen, die Tango lernen möchten.

Wenn der eigene Tango zum Maßstab wird

Vorbemerkung Auch wenn sich das Folgende vielleicht so liest, als würde ich mich nun zum Psychologen aufschwingen: Das bin ich nicht. Ich kann aber Beobachtungen einordnen, die mir in vielen Gesprächen und im Umgang mit Menschen in der Tangoszene immer wieder begegnet sind. Man kann auch als Laie mit etwas Menschenkenntnis – oder mit dem, was man selbst dafür hält – ein paar Beobachtungen festhalten, ohne daraus gleich Diagnosen zu machen. Die Beurteilung überlasse ich anderen. Jeder kann das, was […]

Der erfundene Original-Tango

Wenn die Kopie das Original bewacht


Es gibt ein inzwischen ziemlich aufgeladenes Wort für einen Vorgang, bei dem Menschen Elemente einer fremden Kultur übernehmen, sie in einen neuen Zusammenhang stellen und irgendwann sogar darüber bestimmen wollen, was an dieser Kultur richtig, falsch, ursprünglich oder authentisch sei. Ich werde dieses Wort hier tunlichst nicht benutzen. Nicht, weil ich den Gedanken dahinter für unsinnig hielte, sondern weil vermutlich schon das Wort reichen würde, um die folgende Diskussion zuverlässig in die falsche Richtung und schlimmstenfalls in einen Shitstorm zu schicken.

Gedanken über Tango-Unterricht | 67. Teil

Über Prácticas und die Kunst des Übens


Eigentlich sollte guter Tango-Unterricht irgendwann so ähnlich ablaufen wie eine ideale Práctica. Nicht deshalb, weil der Lehrer nichts mehr vorbereitet oder sich aus dem Unterricht verabschiedet, sondern weil die Schüler zunehmend selbst anfangen sollten, ihren Tanz zu beobachten, Fragen zu stellen und Probleme zu erkennen. Gefragt ist also eine Schülerschaft, die nicht nur wissen möchte, was als Nächstes kommt, sondern die ihren eigenen Tanz reflektieren und verbessern will. Und die bereit ist, ein Problem nicht als Makel zu verstehen, sondern als Herausforderung.

Der wahre Tango?

– schon wieder?


Tom Tabaczyński hat mich mit einem neuen Kommentar auf Helges Blog zu einem neuen Beitrag verführt. Ich habe während meiner gesamten Tango-Zeit immer wieder mit Leuten zu tun gehabt, die aufgrund ihrer ganz eigenen Sicht auf diesen Tanz behaupteten, den „wahren“ Tango erkennen zu können. Meistens meinen sie damit allerdings genau den Tango, den sie selbst für den besten halten – und erstaunlicherweise ist das fast immer der Tango, der ihnen persönlich am besten gefällt.

Gedanken über Tango Unterricht | 66. Teil

Was Tango-Schüler lernen müssten, aber oft nicht lernen


Tango zu unterrichten ist eine merkwürdige Sache. Man erklärt, zeigt, korrigiert, wiederholt und freut sich natürlich, wenn die Schüler am Ende einer Stunde etwas können, was eineinhalb Stunden vorher noch nicht funktioniert hat. Manchmal zeigt man die behandelte Bewegung zum Abschluss noch einmal selbst, vielleicht etwas flüssiger, vielleicht auch etwas schöner. Natürlich genießt man dabei auch ein wenig das eigene Können. Warum auch nicht? Man hat schließlich lange dafür gearbeitet.

Nur ist das eigentlich nicht der entscheidende Maßstab für guten Unterricht.

Viel interessanter ist die Frage, was die Schüler nach einiger Zeit tatsächlich mitnehmen. Was davon können sie später selbstständig benutzen? Was hilft ihnen auf einer normalen Milonga? Was bleibt übrig, wenn kein Lehrer mehr danebensteht, keine Übungsfolge vorgegeben wird und niemand sagt, welcher Schritt als Nächstes kommen soll?

Genau darum soll es diesmal gehen.

Nicht um schlechten Unterricht und auch nicht um schlechte Lehrer. Es geht um Dinge, die selbst in gut gemeintem, engagiertem Unterricht leicht untergehen können, obwohl sie für das spätere Tanzen ziemlich entscheidend sind. Einige davon sind mir über viele Jahre immer wieder begegnet.

Warum mich guter Tango zunehmend langweilt

Wie sich Tango zwischen Hochleistung, Ästhetik und gesellschaftlicher Praxis verändert


Ich merke seit einiger Zeit, dass ich immer weniger Lust habe, guten oder sagen wir: oberen Mittelklasse-Tänzern auf Videos zuzuschauen. Das klingt zunächst merkwürdig, denn das technische Niveau im Tango war vermutlich noch nie so hoch wie heute. Gerade die besten Paare bewegen sich ausgezeichnet, sind hervorragend ausgebildet, musikalisch versiert und verfügen über ein Bewegungsrepertoire, von dem frühere Generationen nur träumen konnten. Trotzdem langweilt es mich zunehmend, ihnen zuzusehen. Oft wende ich mich sogar genervt ab. 

Kizomba – Tango light?

Von Kizomba bis zur Mundial: Was macht Tango eigentlich zu Tango?


Ich habe mir in letzter Zeit einige Videos von wirklich guten Kizomba-Paaren angesehen und war überrascht, wie viele Bewegungen mir aus dem Tango ausgesprochen vertraut vorkamen. Da sieht man Kreuzschritte, Drehbewegungen, Gewichtsverlagerungen und sogar Bewegungsformen, die durchaus an Volcadas oder Colgadas erinnern. Auch manche einfachen Schrittverbindungen unterscheiden sich räumlich kaum von etwas, das ebenso gut in einem Tango auftauchen könnte.
Je länger ich darüber nachdachte, desto interessanter wurde aber eine ganz andere Frage: Wenn sich die Bewegungsformen verschiedener Paartänze teilweise so ähnlich sind, woran erkennen wir dann überhaupt, welchen Tanz wir gerade sehen?

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung