Tango, Neo-Tango und welche Freiheit?

Tango, Neo-Tango und welche Freiheit?

Teil 3: Ein schönes Video und ein großes Wort

Auf der Suche nach Quellen für diesen Beitrag habe ich auf YouTube ein Video entdeckt, das den abschließenden Showtanz nach einem Neo-Tango-Wochenende in Bremen zeigt. Die Kursteilnehmer stehen um die Tanzfläche und filmen das Lehrerpaar. Eine typische Situation: Man hat ein Wochenende lang an Bewegungen gearbeitet und sieht am Ende zwei Menschen, bei denen all das leicht, flüssig und selbstverständlich aussieht.[…]

Mimimimi…

Mimimimi…

Es ist schon ein hartes Los, Publizist zu sein. Man schreibt jahrelang über andere, kommentiert, seziert, deutet, spottet und erklärt der Tango-Welt, was sie falsch macht. Und dann geschieht das Unfassbare: Jemand liest mit. Schlimmer noch: Jemand antwortet. Noch schlimmer: Jemand richtet dafür sogar eine eigene Rubrik ein. Da kann man schon einmal von negativer „Dauer-Beobachtung“ sprechen. Oder einfacher: Mimimimi…Vor nicht allzu langer Zeit schrieb ich bereits darüber, dass offenbar noch jemand anderes auf meinem Blog wohnt. Der Zustand hält […]

Uruguay – das Land der Gitarren

Uruguay – das Land der Gitarren

Eine Entdeckung im Taxi

Meine Begeisterung für Alfredo Zitarrosa begann vor ungefähr dreißig Jahren in einem Taxi in Buenos Aires. Der Fahrer spielte seine Musik. Ich weiß heute nicht mehr, welches Lied es war und ob es noch von einer Kassette oder bereits von einer CD kam. Aber ich erinnere mich an diese tiefe Stimme und vor allem an den glasklaren Klang der Gitarren. Ich fragte den Taxifahrer, wer da sang, ließ mir den Namen noch einmal genau sagen und ging kurz darauf zu Musimundo. Dort kaufte ich mir gleich eine ganze Sammlung mit Aufnahmen von Alfredo Zitarrosa. So einfach können musikalische Bildungswege manchmal sein. Man benötigt dazu weder einen Workshop noch eine Einführung durch einen selbsternannten Fachmann. Manchmal genügt ein Taxifahrer mit einem guten Musikgeschmack.

Jetzt wird sogar das Lachen gegendert

Jetzt wird sogar das Lachen gegendert

Ein gewisser Blogger hat einen Trailer gesehen, ein paar Pressetexte gelesen und weiß nun: Der Staat will uns das Lachen verbieten. Früher gab es Otto, Harald Schmidt und Rudi Carrell. Heute gibt es Filmförderung, ZDF und Frauen, die sich erdreisten, im Nachhinein zu sagen, dass manches damals vielleicht doch nicht so lustig war.

mit Nachtrag

Lebensplanung unter Vorbehalt

Lebensplanung unter Vorbehalt

Manche Menschen planen ihr Leben nach großen Ereignissen. Hochzeit, Kinder, Hausbau, Ruhestand. Andere warten auf eine gegengezeichnete Unterlassungserklärung. Jeder setzt eben seine Prioritäten selbst. Gerhard Riedl schreibt an den gegnerischen Anwalt: „Es würde meine Lebensplanung deutlich erleichtern, wenn ich erfahren könnte, ob mit einer Zusendung der o.g. Erklärung noch in diesem Jahr zu rechnen ist.“ Dieser Satz berührt. Man sieht den Mann förmlich am Küchentisch sitzen, vor sich den Kalender, daneben einen Bleistift und die große unbeantwortete Frage: Kann ich […]

Wenn aus Selbstverständlichkeiten Workshops werden

Wenn aus Selbstverständlichkeiten Workshops werden

Zunächst einmal muss man fair bleiben: Wer bei einem Workshop nicht dabei war, weiß nicht, was dort wirklich gemacht wurde. Man kennt vielleicht eine Ankündigung, einen Werbetext, einen nachträglichen Blogbeitrag oder ein paar Fotos. Daraus lässt sich kein seriöses Urteil über die praktische Arbeit ableiten. Vielleicht gab es gute Übungen, präzise Korrekturen und einen echten Nutzen für die Teilnehmenden. Vielleicht war der Workshop sogar hervorragend. Man weiß es nicht. Und genau darum geht es hier: nicht um die tatsächliche Qualität […]

Wenn Wissen und Erfahrung plötzlich elitär werden

Wenn Wissen und Erfahrung plötzlich elitär werden

Was bedeutet eigentlich Wissen? Bevor man darüber spricht, ob sich jemand im Tango für besonders kompetent, überlegen oder gar „elitär“ hält, müsste man zunächst eine grundsätzlichere Frage stellen: Was ist Wissen überhaupt? Wissen ist mehr als eine feste Meinung. Es ist auch mehr als eine Ansammlung von Informationen, Zitaten und persönlichen Erlebnissen. Wissen entsteht durch Lernen, Erfahrung, Beobachtung, Vergleich und Überprüfung. Es zeigt sich darin, dass jemand Zusammenhänge erkennt, begründete Urteile fällen kann und zugleich weiß, wo die Grenzen des […]

Was macht eigentlich eine Umarmung mit uns?

Was macht eigentlich eine Umarmung mit uns?

Manchmal stolpere ich im Internet über Beiträge, bei denen ich zunächst denke: Ach komm, das ist wieder eines dieser Videos, die mit ein bisschen Wissenschaft möglichst viel Aufmerksamkeit erzeugen wollen. So ging es mir auch diesmal. Ein Video behauptet, eine zwanzig Sekunden lange Umarmung könne den Herzschlag verlangsamen, den Blutdruck senken und den Körper innerhalb kürzester Zeit aus dem Stressmodus holen. Das klingt zunächst ziemlich spektakulär, vielleicht sogar ein wenig nach populärwissenschaftlicher Übertreibung. Ich habe mir das Video trotzdem angesehen. […]

Verstehen wir den Tango eigentlich?

Verstehen wir den Tango eigentlich?

Wir Tango-Tänzerinnen und Tango-Tänzer hier in Deutschland und in den umliegenden Ländern wachsen nicht mit dem Tango auf. Jedenfalls nicht so, wie Menschen in Buenos Aires mit ihm aufwachsen können. Wir bringen unsere eigenen Kulturen mit. Unsere regionalen Bewegungs-Codes. Unsere Vorstellungen von Nähe. Unsere Erfahrungen mit Körperkontakt. Unsere Hemmungen. Unsere Art, miteinander umzugehen. Auch unsere Vorstellungen davon, was zwischen Männern und Frauen möglich, angenehm, peinlich oder selbstverständlich ist. Und dann kommt dieser Tanz. Ein Tanz aus einer anderen Kultur. Entstanden […]

Tango, Neo-Tango und die Freiheit, die immer noch keine ist

Tango, Neo-Tango und die Freiheit, die immer noch keine ist

Teil 2: Die heutige Lage

Im ersten Teil ging es um die frühen Jahre. Um die Zeit, in der Tango Nuevo und später Neo-Tango wie ein Befreiungsschlag wirkten. Raus aus der engen Umarmung, raus aus den alten Regeln, raus aus dem ewigen D’Arienzo-Di Sarli-Pugliese-Dreieck. Mehr Achsen, mehr Raum, mehr Möglichkeiten. So jedenfalls lautete das Versprechen.

Heute sieht die Sache anders aus.

Aus dem früheren Aufbruch ist längst eine eigene kleine Welt geworden: Neolongas, Neo-Marathons, Electro-Tango, Visuals, offene Rollen, lockere Codes und ein sehr dehnbarer Freiheitsbegriff. Das muss man nicht verteufeln. Aber man sollte auch nicht so tun, als sei alles, was sich frei anfühlt, automatisch schon künstlerisch interessant.

Denn der alte Irrtum ist geblieben: Manche verwechseln Freiheit mit Beliebigkeit. Und genau da wird es spannend.

Gedanken über Tango Unterricht | 58. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 58. Teil

Tango-Workshops und das große Vergessen

Tango-Workshops haben ihren Reiz.

Man fährt hin, weil man neue Impulse sucht. Weil man sich im eigenen Figuren-Biotop ein wenig langweilt. Weil man sehen will, was andere Lehrer machen. Weil man hofft, dass da etwas dabei ist, was den eigenen Tango wieder ein Stück weiterbringt. Und manchmal passiert genau das.

Ein guter Workshop kann Spaß machen. Man sieht gute Tänzer, manchmal sogar sehr gute. Man bekommt Vorbilder, die beflügeln. Man lernt neue Leute kennen. Man merkt, dass andere mit ähnlichen Problemen kämpfen: Balance, Führung, Timing, Musik, Orientierung. Das ist tröstlich.

Ein Workshop ist eben nicht nur Unterricht. Er ist auch ein Ereignis. Ein Ausflug. Eine kleine Frischluftzufuhr für den eigenen Tango-Alltag.

Also nein: Ich halte Workshops nicht grundsätzlich für Unsinn.
Aber man sollte wissen, was sie leisten können – und was nicht.

Wenn der Gegner im Archiv wohnt

Wenn der Gegner im Archiv wohnt

Mit Nachwort… siehe unten! Es gibt Kritik. Es gibt Gegenkritik. Es gibt Polemik. Alles geschenkt. Wer öffentlich schreibt, muss damit leben, dass andere öffentlich antworten. Das gilt für mich genauso wie für Herrn Riedl. Ich habe oft genug über ihn geschrieben, er schreibt oft genug über mich. So weit, so normal. Schön ist das nicht immer, aber es gehört zur Bloggerwelt. Nur irgendwann kippt die Sache. Dann geht es nicht mehr nur um einen Artikel, eine Meinung, eine These oder […]

Tango, Neo-Tango und die Freiheit, die manchmal keine war

Tango, Neo-Tango und die Freiheit, die manchmal keine war

Teil 1: Wie die Beliebigkeit auf die Piste kam

Vor ein paar Tagen bin ich Gespräch gebeten worden, meine Anfangszeit als Tango-Lehrer in Deutschland Ender 80er und Anfang der 90er Jahre zu beschreiben. Das hat mich veranlasst mal einen Artikel darüber schreiben.

Ich möchte einmal erklären, wie es sehr wahrscheinlich dazu kam, dass sich so viele Menschen vom Neo-Tango angezogen fühlten. Vieles davon habe ich selbst erlebt und beobachtet. Es ist also keine Theorie vom Schreibtisch, sondern eine Erinnerung an eine Zeit, in der sich in der europäischen Tangoszene einiges sortierte — oder eben nicht sortierte.

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