Musikalität im Tango – warum Menschen Musik so unterschiedlich hören
Mein vorerst letzter Beitrag vor einer dringend nötigen Blog-Pause. Das Thema liegt mir am Herzen, seitdem ich Tango tanze. Aber bitte verzeiht mir vor dem eigentlichen Text meine kleine Abrechnung mit einem Blogger, die ich mir nicht verkneifen kann.
Über Kleidung in Milongas
oder Freiheit und Ästhetik Da ich nun ein heikles Thema ansprechen werde, ist es mir schon in dieser Einleitung wichtig zu betonen, dass ich hier eine Meinung vertrete und keinen Tango-Kleidungs-Knigge schreiben möchte. Jede und jeder Tango-Tänzer zieht sich ohnehin so an, wie es ihm selbst gefällt, anderen gefällt oder wie man meint, dass es anderen gefallen könnte. Ich habe im Laufe der Jahre schon die skurrilsten Modevorschläge gesehen: vom Survival-Look bei Männern, bei dem der Gürtel mit allerlei Werkzeugen […]
Gedanken über Tango Unterricht | 50.Teil
Zwischen Ausprobieren und Zielvorgabe: Warum Tango-Unterricht mehr braucht als bloße Selbsterfahrung
Ein alter Streit über Methodik
Über Tango-Unterricht, genauer gesagt über seine Methodik, wird immer wieder gestritten. Soll der Unterrichtsstoff eher durch Probieren und Experimentieren vermittelt werden, also nach dem Prinzip „Try and Error“? Oder durch klare Zielvorgaben nach dem Prinzip „vor- und nachmachen“? Schon diese Gegenüberstellung ist allerdings schief. Denn in Wahrheit geht es gar nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein sinnvolles Sowohl-als-auch. Als Kombination ist beides vermutlich am wirksamsten.
Ich kenne diese Diskussion nicht nur theoretisch. Ich habe einen alten Tango-Freund, der stark nach dem ersten Prinzip arbeitet, weil er als ausgebildeter Alexander-Technik-Lehrer aus der Bewegungsschulung kommt. Dort spielen Wahrnehmung, Erfahrung und das eigene Erforschen von Bewegung naturgemäß eine große Rolle. Das ist nachvollziehbar und keineswegs falsch. Denn niemand lernt Bewegung wirklich, indem er bloß äußere Formen kopiert. Was nicht im eigenen Körper angekommen ist, bleibt Nachahmung.
Wenn aus Kritik Gejaule wird (mit Nachtrag)
(Ich habe noch einen Nachtrag unter diesem Artikel hinzugefügt) Auf meinen Artikel über ein Tanzvideo zu Piazzollas „Ave Maria“ ist inzwischen eine Replik erschienen. Wobei dafür das Wort „Replik“ fast schon zu beschönigend ist. Denn wer eine Replik erwartet, also eine Antwort auf Argumente, der findet dort vor allem eins: Empörung, Beleidigtsein und das übliche Theater, das immer dann aufgeführt wird, wenn jemand eine Sache nicht sauber widerlegen kann und deshalb lieber den Kritiker moralisch entsorgt.Was hatte ich also geschrieben?Es […]
Wenn Bewegung sich von der Musik abkoppelt
Über musikalische Interpretation im Tango – zwischen Anspruch und Trugschluss
Neulich bin ich über ein Video gestolpert, das beweisen sollte, dass man zu Astor Piazzolla problemlos tanzen kann. Nicht als Beispiel, sondern als Argument.
Und genau dieses Argument geht für mich nicht auf.
Dass ich es hier mit einem Amateur-Paar zu tun habe, ist offensichtlich. Und das ist auch völlig in Ordnung. Wer sich öffentlich zeigt, darf das – und muss nicht perfekt sein. Aber es handelt sich hier um eine Demonstration und auf einer normalen Tanzfläche ist so etwas kaum möglich. Insofern kritisiere ich hier eine Darbietung von Tango, bei der man auch höhere Maßstäbe ansetzen sollte als bei einem Tanz in einer Milonga.
Ich sage es trotzdem direkt: Das überzeugt mich weder musikalisch noch technisch.
Das Smartphone als Krücke – oder warum wir uns das Lernen selbst kaputtfilmen
Man kennt das Bild: Ein Konzert, eine Show, ein besonderer Moment – und statt Gesichter sieht man eine Wand aus hochgereckten Smartphones. Das Ereignis wird nicht mehr erlebt, sondern dokumentiert. Nicht für jetzt, sondern für später. Oder genauer: für ein „später“, das in der Regel nie eintritt. Besonders absurd wird das bei Reisegruppen, die Sehenswürdigkeiten fast ausschließlich durch ihre Displays betrachten. Sie stehen vor etwas Einzigartigem – und sehen es nicht. Sie produzieren Material für die Zukunft, während sie die […]
Über Erotik im Tango
Warum die Szene sich vor einem offensichtlichen Thema drückt
In letzter Zeit wird in verschiedenen Foren wieder verstärkt über ein Thema diskutiert, das in der Tango-Szene lange eher vermieden wurde: Nähe, Übergriffigkeit – und eben auch Erotik im Tango.
Auffällig ist dabei eine Schieflage. Über Übergriffigkeit wird sofort und zu Recht gesprochen, sobald Grenzen verletzt werden. Über die andere Seite – die sinnliche, vielleicht auch erotische Dimension dieses Tanzes – dagegen herrscht auffällige Zurückhaltung. Als müsste man sich dafür rechtfertigen oder sie gleich ganz leugnen.
Dabei ist der Ausgangspunkt banal: Tango wird in enger Umarmung getanzt. Zwei Menschen teilen für mehrere Minuten einen Raum, der im normalen sozialen Umgang so nicht existiert. Diese Nähe ist nicht neutral. Sie ist körperlich, sie ist spürbar, und sie ist intensiv.
Und genau hier beginnt der Widerspruch.
Studie beweist: 80 % der Tango-Tänzer tanzen ohne Musik
Es ist ein Ergebnis, das zunächst irritiert – und dann, je länger man darüber nachdenkt, eine gewisse innere Logik entwickelt. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des „Instituts für angewandte Bewegungswahrnehmung“ (IABW) kommt zu dem Schluss, dass ein Großteil der Tango-Tänzer Musik nicht in dem Maße verarbeitet, wie es gemeinhin angenommen wird. Die Studie basiert auf der Auswertung von Videoaufnahmen aus Milongas in Europa und Buenos Aires sowie auf experimentellen Settings, bei denen Tänzern unbemerkt Musikstrukturen verändert oder vollständig entfernt wurden. Das […]