Aus der Bloggerwelt: Gerhard Riedl und die Zulassungsstelle für Tango-Blogger
Ein neuer Blogger unter Beobachtung
Es gibt erfreuliche Nachrichten aus der Tango-Bloggerwelt. Ein neuer Autor ist aufgetaucht, und Gerhard Riedl hat bereits dessen Eignung für das öffentliche Schreiben begutachtet.
Der Kandidat heißt Pekka Tasala, ist gebürtiger Schweizer mit finnischen Wurzeln und lebt in Münster. Er tanzt seit 25 Jahren Tango, hat international unterrichtet, sich wissenschaftlich mit der Musikalität des Tangos beschäftigt und arbeitet als Osteopath. Seit Juli veröffentlicht er sein Blog „Tangopekka“, in dem inzwischen knapp zwanzig Artikel erschienen sind.
Am 13. Oktober hat Riedl nun eine Besprechung veröffentlicht. Sie liest sich stellenweise wie das Protokoll einer Eignungsprüfung. Der Kandidat zeigt erfreuliche Anlagen, muss aber offenbar noch an seiner Entwicklung arbeiten. Riedl stellt vorsorglich fest: „Gut, schauen wir mal, wie es in zwei Jahren aussieht …“
Die Probezeit läuft also.
Wenn Gerhard Riedl zum Deutschprüfer wird
Besonders erfreulich ist, dass Pekka inzwischen auch die sprachliche Eignungsprüfung bestanden hat. Riedl bescheinigt ihm: „Pekka Tasala kann sich auch auf Deutsch sehr gut ausdrücken und ansprechende Artikel schreiben.“
Da darf man erleichtert sein. Ein gebürtiger Schweizer, der in mehreren Ländern unterrichtet und bereits vor 23 Jahren eine wissenschaftliche Arbeit auf Spanisch verfasst hat, bekommt nun auch von Gerhard Riedl bestätigt, dass er verständliches Deutsch schreiben kann. Das dürfte Pekka einige Sorgen nehmen.
Allerdings gibt es noch Verbesserungsbedarf. Pekka verfüge über Humor, den er „mutig ausbauen sollte“. Außerdem seien Tango-Blogartikel keine Seminar- oder Bachelor-Arbeiten, warnt Riedl. Wer gründlich recherchiert und seine Überlegungen mit Daten untermauert, läuft schließlich Gefahr, seine Leser mit Substanz zu belästigen. Es ist immer wieder beeindruckend, wie wenig sich Riedl bei seiner Meinungsbildung von Fachwissen beeinflussen lässt.
Wenn der Prüfer selbst Nachhilfe braucht
Bei aller großzügigen Begutachtung gibt es allerdings eine kleine Schwierigkeit: Manchmal sollte der Prüfer zunächst verstehen, was der Prüfling geschrieben hat.
Pekka beschäftigt sich in seinem Artikel „Tango nach dem Boom: Eine Spurensuche“ mit dem Tango Nuevo als tänzerischem Forschungsansatz, insbesondere mit den Arbeiten von Gustavo Naveira und Fabián Salas. Riedl hält dennoch eine fachliche Korrektur für angebracht:
„Gut, als Musik gab es den schon seit den 1950er Jahren – vielleicht meint er auch den Neotango.“
Ach du meine Güte! Da schreibt Pekka über Bewegungsstrukturen, Biomechanik und Improvisation, und unser Tango-Blogger-Oberprüfer vermutet eine musikalische Stilrichtung. Natürlich gibt es den Begriff Tango Nuevo auch in der Musikgeschichte, insbesondere im Zusammenhang mit Piazzolla. Aber hier geht es um den Tanz. Das steht sogar im Text.
Vielleicht sollte man bei der Zulassungsprüfung für Tango-Blogger auch einen kleinen Test im sinnentnehmenden Lesen vorsehen. Und zwar zuerst für die Prüfungskommission.
Der eigene Blog als Ausnahmeerscheinung
Riedl referiert Pekkas Überlegungen zur Entwicklung der Tangoszene recht ausführlich und erklärt schließlich, sie entsprächen im Wesentlichen seinem eigenen Blickwinkel. Eine erfreuliche Nachricht! Pekka ist also nicht nur zu interessanten Erkenntnissen gelangt, sondern hat dabei auch noch Auffassungen entwickelt, die Gerhard Riedl bereits besitzt.
Besonders hübsch ist ein weiterer Einwurf. Als Pekka feststellt, dass über den Tango in den vergangenen Jahren weniger geschrieben worden sei, weil es weniger neue Entwicklungen gegeben habe, bemerkt Riedl: „Okay, mein Blog mal ausgenommen …“
Natürlich! Wer hätte angenommen, dass ausgerechnet Gerhard Riedls publizistisches Schaffen von einer solchen Entwicklung betroffen sein könnte? Es gehört schon eine gewisse Begabung dazu, einen fremden Artikel zu besprechen und dabei ganz beiläufig die eigene Bedeutung in Erinnerung zu rufen.
Das vorläufige Prüfungszeugnis
Am Ende gelangt Riedl zu seinem Urteil: „Genug Können jedenfalls ist vorhanden, dass aus dem neuen Blog etwas werden könnte – Fleiß und Durchhaltevermögen vorausgesetzt.“
Da fällt einem doch ein Stein vom Herzen. Pekka darf also hoffen. Sprachliche Ausdrucksfähigkeit vorhanden, erste Ansätze von Humor nachgewiesen, schriftstellerisches Potenzial erkennbar. Nun fehlen offenbar nur noch Fleiß und Durchhaltevermögen.
Ich stehe mit Pekka seit einiger Zeit in regelmäßigem Austausch und schätze seine fachliche Neugier, seine Erfahrungen und seine Beschäftigung mit Körperarbeit, Bewegungsorganisation und Musikalität. Sein Blog ist für mich eine Bereicherung. Umso bemerkenswerter finde ich, mit welcher Selbstverständlichkeit Riedl einen international erfahrenen Tangolehrer wie einen vielversprechenden Nachwuchskandidaten behandelt.
Den krönenden Abschluss seiner Rezension bildet der Satz: „Ich werde ihn weiter beobachten.“
Das klingt beinahe nach einer amtlichen Mitteilung. Der Kandidat ist vorläufig zugelassen, die Akte bleibt geöffnet, und nach Ablauf der zweijährigen Probezeit wird möglicherweise eine erneute Begutachtung stattfinden.
Wer prüft eigentlich den Prüfer?
Natürlich darf Gerhard Riedl andere Blogs kritisieren. Das tue ich schließlich auch. Allerdings hat er sich nach eigener Aussage zunächst einen einzigen Artikel genauer durchgelesen. Das genügt ihm offenbar, um Empfehlungen zur schriftstellerischen Entwicklung auszusprechen und das Zukunftspotenzial eines ganzen Blogs zu bewerten. Dazu muss man schon ein bemerkenswertes Vertrauen in die eigene Urteilskraft besitzen.
Langjähriges Bloggen verleiht weder automatisch Sachkenntnis noch eine Aufsichtsfunktion über andere Autoren. Auch durch jahrzehntelanges Schreiben entsteht kein Amt. Die Tango-Bloggerwelt braucht keine Zulassungsstelle und keinen Oberblogger, der anderen Autoren bescheinigt, ob aus ihnen möglicherweise einmal etwas werden könnte.
Gerhard Riedl darf Pekkas Entwicklung selbstverständlich weiterhin verfolgen. Vielleicht lernt er dabei sogar etwas.
Und falls er tatsächlich einmal eine Prüfstelle für Tango-Blogger eröffnen sollte, hätte ich einen Vorschlag für die Prüfungsordnung:
„Die Befähigung zum Bloggen wird durch langjährige Ausübung nicht automatisch nachgewiesen.“
Das sollte allerdings auch für den Prüfer selbst gelten.
Die besprochenen Beiträge
Gerhard Riedl: „TANGOPEKKA – EIN NEUER BLOG AUS MÜNSTER“, 13. Oktober 2026
https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/10/tangopekka-ein-neuer-blog-aus-munster.html
Pekka Tasala: „Tango nach dem Boom: Eine Spurensuche“
https://www.tangoinmuenster.de/tangopekka/warum-tanzt-niemand-mehr-tango
Tangopekka – Pekka Tasalas Blog
https://www.tangoinmuenster.de/tangopekka