Tango Voice – Was von einem Manifest übrig blieb

Tango Voice – Was von einem Manifest übrig blieb

Über Tango, Weltbilder und das Ende der Debatte

Manchmal lohnt es sich, zehn Jahre zurückzublicken. Nicht, weil man alte Rechnungen begleichen möchte, sondern weil man plötzlich erkennt, dass manche Debatten gar nicht alt geworden sind.

Ausgelöst wurde mein erneutes Interesse durch einen aktuellen Hinweis auf den amerikanischen Blog Tango Voice. Vor zehn Jahren sorgte dessen sogenanntes Tango Manifest für lebhafte Diskussionen – nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Damals übersetzte ein gewisser Blogger längere Passagen und machte den Blog hierzulande überhaupt erst einem größeren Publikum bekannt. Besonders der Blogger Yokoito setzte sich ausführlich und mit viel Ironie mit den dort vertretenen Positionen auseinander.

Ich habe die damalige Diskussion jetzt noch einmal gelesen. Dabei fiel mir etwas Überraschendes auf. Heute interessiert mich kaum noch, ob Tango Voice bei einzelnen Sachfragen recht oder unrecht hatte. Auch die Frage, ob der Blog jemals tatsächlich für die nordamerikanische Tangoszene sprach, erscheint rückblickend eher zweitrangig.

Viel interessanter ist etwas anderes: Die Debatte ist ein kleines Lehrstück darüber, wie Weltbilder entstehen. Wie aus persönlichen Vorlieben allgemeingültige Wahrheiten werden. Wie aus Geschmack plötzlich Moral wird. Und wie Kritik nicht mehr beantwortet, sondern erklärt wird.

Uruguay – das Land der Gitarren

Uruguay – das Land der Gitarren

Eine Entdeckung im Taxi

Meine Begeisterung für Alfredo Zitarrosa begann vor ungefähr dreißig Jahren in einem Taxi in Buenos Aires. Der Fahrer spielte seine Musik. Ich weiß heute nicht mehr, welches Lied es war und ob es noch von einer Kassette oder bereits von einer CD kam. Aber ich erinnere mich an diese tiefe Stimme und vor allem an den glasklaren Klang der Gitarren. Ich fragte den Taxifahrer, wer da sang, ließ mir den Namen noch einmal genau sagen und ging kurz darauf zu Musimundo. Dort kaufte ich mir gleich eine ganze Sammlung mit Aufnahmen von Alfredo Zitarrosa. So einfach können musikalische Bildungswege manchmal sein. Man benötigt dazu weder einen Workshop noch eine Einführung durch einen selbsternannten Fachmann. Manchmal genügt ein Taxifahrer mit einem guten Musikgeschmack.

Das Märchen vom geldgierigen Tango-Veranstalter/Lehrer

Das Märchen vom geldgierigen Tango-Veranstalter/Lehrer

Oder: Woher stammt eigentlich die Idee, dass beim Tango jede Dienstleistung verschenkt werden soll?

Es hält sich in der Tangowelt ein erstaunlich zähes Märchen: der Veranstalter sei geldgierig, der Lehrer ein Abkassierer, der Organisator im Grunde ein Profiteur, der die „Leidenschaft anderer“ finanziell ausnutzt. Diese Sätze kommen meistens von Menschen, die noch nie auch nur eine Sekunde lang auf der anderen Seite standen. Denn wer einmal erlebt hat, was es bedeutet, eine Milonga, einen Ball, einen Workshop oder auch nur einen regelmäßigen Unterricht zu organisieren, weiß sehr genau: Tango ist kein Selbstläufer und schon gar keine Wohlfahrt. Es ist Arbeit, Verantwortung, Zeitaufwand, Material, Risiko und Organisation – und zwar weit mehr, als man von außen ahnt.

Gedanken über Tango-Unterricht (und das Bloggen) | 30.Teil 

Gedanken über Tango-Unterricht (und das Bloggen) | 30.Teil 

Ein kleines Resümee • eine Rückschau und Reflexion Das ist nun der 30. Teil der Reihe „Gedanken über Tango-Unterricht“ – eigentlich waren es mehr, weil manche Themen mehrere Teile hatten. Zeit also, mal ein kleines Resümee zu ziehen. Ehrlich gesagt, haben mich manchmal die Diskussionen mit anderen Bloggern oft mehr Energie gekostet als die inhaltliche Arbeit an Tango-Themen selbst. Die vorübergehende „Beheimatung“ einiger Kommentatoren, die bei Gerhard Riedl geblockt wurden und dann bei mir schrieben, hat zwar ordentlich Traffic gebracht […]

Gedanken über Tango Unterricht | 27. Teil A

Gedanken über Tango Unterricht | 27. Teil A

Teil 27A) Geschichtliche Entwicklung der Tango-Szene in Deutschland – Warum mehrere Lager enstanden

Bevor ich im Teil 27 B nochmal zum Thema „Improvisation im Tango-Unterricht“ komme, muss ich geschichtlich etwas ausholen, um das in Deutschland vorhandene Missverständnis zwischen „freiem Tanz und Tango-Improvisation“ im historischen Kontext verständlich zu machen.

Ich habe bereits zweimal zum Thema Tango-Improvisation geschrieben, daher gehe ich hier auf bestimmte Aspekte hier nicht erneut ein, sondern auf die Entstehung Tango-Szene in Deutschland seit den 80er Jahren und die Frage: Warum gibt es unterschiedliche Auffassungen über Tanz und daraus resultierende Tango-Lager?

Ich möchte aber in  diesem Beitrag nur auf die Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg eingehen, und nicht auf die 20er Jahre, in denen sich der Tanz auch schon mal von starren Regeln und Vorgaben emanzipierte. 

Piazzollas Musik als Tanzmusik?

Piazzollas Musik als Tanzmusik?

Diesen Beitrag habe ich am 11. Dezember 2018 auf dem Blog „Mylonga“ von Thomas Kroeter geschrieben (http://kroestango.de/aktuelles/tanz-den-piazzolla/), nachdem ausgiebig über die Tanzbarkeit der Musik von Astor Piazzolla diskutiert wurde. Wohlgemerkt: jede Musik von ihm und nicht nur manche Titel. What makes me moving? Piazzola tanzbar? Seit den 60er Jahren, seit Astor Piazzolla seine ersten Versuche machte, seinen Tango Nuevo zu etablieren, wurde diskutiert, ob er damit die Grenzen des Tangos überschreiten würde, weil man in frage stellte, ob Piazzollas Tangos […]

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