Wenn ein weiterer Tango-Blog verstummt

Wenn ein weiterer Tango-Blog verstummt

Über das Ende einer kleinen Debattenkultur – und die Frage, ob es irgendwann auch für mich reicht


Es gab einmal eine Zeit, da war das Bloggen im Tango durchaus eine eigene kleine Welt. Man schrieb nicht nur Veranstaltungshinweise, kündigte Workshops an oder stellte das nächste Tangowochenende vor. Man vertrat Positionen, widersprach einander, berichtete von Erfahrungen, stritt über Musik, Unterricht, Tanzstile, Milongas, Traditionen und Veränderungen in der Szene. Manchmal war das klug, manchmal ärgerlich, manchmal überzogen. Aber immerhin wurde geschrieben.

Davon ist nicht mehr viel übrig.

Ein sehr persönlicher Brief an Gerhard Riedl

Herr Riedl, ich schreibe Ihnen diesen Brief nicht, weil ich noch irgendeine Hoffnung hätte, Sie in einer Sachfrage zu überzeugen. Diese Hoffnung habe ich längst aufgegeben. Dafür haben wir dieselben Diskussionen zu oft geführt, dieselben Argumente ausgetauscht und dieselben Schleifen gedreht. Ich schreibe ihn, weil mir inzwischen etwas anderes klar geworden ist: Unser eigentliches Problem sind gar nicht unsere unterschiedlichen Vorstellungen vom Tango. Darüber könnte man wunderbar streiten. Unser Problem ist Ihre Art, diesen Streit zu führen. Wahrscheinlich hätten wir […]

Gedanken über Tango Unterricht | 62. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 62. Teil

>Improvisation im Tango beginnt mit Ordnung


Warum Anfänger klare Anleitungen brauchen – und Freiheit im Tango erst dann entsteht, wenn man etwas hat, worüber man entscheiden kann
Aus Anlass eines Blogs, der freies Lernen durch bloßes Ausprobieren propagiert, möchte ich dieses Märchen ein letztes Mal widerlegen. Nicht, weil ich grundsätzlich etwas gegen freies Lernen hätte. Im Gegenteil: Ich würde mich freuen – ja, wirklich freuen –, wenn dieses Konzept beim Tango zuverlässig funktionieren würde.

Nur warte ich bis heute auf belastbare Belege dafür. Eine kühne Behauptung wird schließlich nicht dadurch wahr, dass man sie oft genug wiederholt. Behaupten kann jeder, was ihm gerade einfällt. Interessant wird es erst dort, wo jemand zeigen kann, dass ein solcher Ansatz Anfänger tatsächlich zu einem funktionierenden gemeinsamen Tanz führt.

Vielleicht übt er ja mit euch!

Vielleicht übt er ja mit euch!

Einen besonders absurden Vorschlag machte Gerhard Riedl wieder einmal in seiner Reihe „Was Ihnen Ihr Tangolehrer leider nicht erzählt“. Diese Artikelserie ist bekanntlich der Versuch, der gesamten Tango-Schülerschaft – oder denen, die es noch werden wollen – zu erklären, was sie im Unterricht besser nicht glauben sollten, wo sie ihren Lehrern widersprechen müssen und warum sie die Tangoschule eigentlich am besten gleich verlassen. Denn dort lernt man ja ohnehin nichts. Die Tanzlehrer sind vermutlich hauptsächlich geldgierige Ausbeuter, haben am Unterrichten […]

Gedanken über Tango Unterricht | 61. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 61. Teil

Der Schritt ist die Entscheidung

Warum sieht Tangogehen bei guten Tänzern so einfach aus?

Das Gehen im Tango wird oft als eine der schwierigsten Bewegungen überhaupt empfunden. Man übt und feilt jahrelang daran, und trotzdem sieht es manchmal noch ganz anders aus als bei wirklich guten Tänzerinnen und Tänzern. Bei ihnen scheint jeder Schritt genau dort zu landen, wo er hingehört. Da rutscht nichts nach, da wird nicht herumgeschlurft, und trotzdem wirkt die Bewegung weder steif noch angestrengt. Der Gang sieht federnd und kompakt aus, leicht und zugleich geerdet, kontrolliert und trotzdem locker und lässig.

Eigentlich müsste man dem Gehen deshalb im Training viel mehr Aufmerksamkeit schenken. Schließlich ist der modellierte Gang eines der wichtigsten musikalischen Ausdruckswerkzeuge, die wir beim Tango haben. Unsere Hände sind im Paartanz weitgehend mit anderen Aufgaben beschäftigt, also müssen Füße, Beine und Körper ausdrücken, was wir in der Musik hören. Trotzdem wird gerade das Gehen außerhalb des Unterrichts erstaunlich wenig geübt.

Dabei kennt fast jeder den Satz:
Wer gut geht, tanzt gut Tango.

Eine Einladung, die keine ist

Eine Einladung, die keine ist

Gerhard Riedl hat auf meine Reflexion inzwischen mit einem eigenen Beitrag reagiert: „An meine Kritiker von einst“. Darin erklärt er unter anderem, ich würde „neues Material gegen seine Person“ sammeln, und fordert frühere Kritiker auf, doch endlich einmal etwas zu seinem Buch und zu seinen damaligen Lesungen zu schreiben. (Dass er das wirklich ernst meinen könnte, ist fast zu befürchten, obwohl von seinen einstigen Buchkritikern wohl nur ich übrig geblieben bin. Die anderen werden einen Teufel tun und dieses Buch […]

Der Gerhard-Blog-Bewohner – eine Reflexion

Der Gerhard-Blog-Bewohner – eine Reflexion

Mir ist in den letzten Tagen wieder mal etwas aufgefallen, das mir nicht besonders gefällt: Ich habe mich ausgerechnet in dem Blog häuslich eingerichtet, dessen ständige Wiederholungen ich seit Monaten kritisiere. Natürlich nicht buchstäblich. Aber gedanklich. Ich kenne inzwischen die üblichen Themen, Argumentationsmuster, Spitzen und Nachträge. Und bei fast jedem neuen Text meldet sich derselbe Reflex: Das kannst du so nicht stehen lassen. Das musst du richtigstellen. Das musst du den Leuten zeigen. Nur: Was eigentlich noch? Ich habe meine […]

Lesetip: Übungen zur Stärkung der Füße für Tango

Lesetip: Übungen zur Stärkung der Füße für Tango

Ich habe bei Feedspot einen interessanten Beitrag gefunden, den ich hier empfehlen möchte. Es geht darum, was starke, reaktionsfähige Füße beim Tanzen bewirken. Nämlich … weichere Pivots bessere Balance stabileres Gehen weniger Spannung im restlichen Körper Wie es dort schön heißt: „Im Tango beginnt alles am Boden.“ Leider habe ich den Namen des Autors nicht herausfinden können. Der Beitrag stammt aber von der Münchner Tangoschule „TANGO FLOW“.

Was ist eigentlich aus einem „Tango-Report“ geworden?

Was ist eigentlich aus einem „Tango-Report“ geworden?

– oder war er überhaupt jemals besser? 

Wenn man sich „Gerhard Riedls Tango-Report“ – so heißt der Blog schließlich – einmal genauer anschaut und fragt, was aus diesem ursprünglich tangobezogenen Blog geworden ist, könnte man ihn inzwischen fast in „Gerhard Riedls Klaus-Wendel-Report“ umbenennen. Und ausgerechnet da würde das Wort „Report“ plötzlich wieder einen Sinn ergeben.

Ich frage mich ernsthaft, wie sich ein Tango-Blog – oder besser: sein Autor – derart negativ verengen kann. Wo sind die interessanten eigenen Tango-Themen geblieben? Wo sind Recherchen, bei denen man wirklich einmal etwas Neues über Musik, Geschichte, Tanz oder die heutige internationale Szene erfährt?

Oder andere Frage: Hat es einen besseren Blog von Gerhard Riedl überhaupt jemals gegeben? Kreisen nicht eigentlich seit Jahren seine Beiträge immer wieder um die selben Themen? 

Wie weit kann sich Tango überhaupt entwickeln?

Wie weit kann sich Tango überhaupt entwickeln?

Warum der soziale Tango vielleicht nicht stagniert, sondern nur anders wächst, als man es von außen sieht

Ich hatte in meinem Beitrag über eine mögliche zweite Época de Oro geschrieben, dass sich der Tango tänzerisch weiterentwickelt habe. Das stimmt auch, aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr muss man unterscheiden, wo diese Entwicklung eigentlich stattfindet und was wir unter Weiterentwicklung überhaupt verstehen. Sichtbar ist sie vor allem in der Profi-Szene, auf Bühnen und bei Wettbewerben. Dort sieht man eine technische Qualität, Bewegungsvielfalt und Körperbeherrschung, die weit über das hinausgeht, was vor einigen Jahrzehnten üblich war.

Auf normalen Milongas sieht man davon erstaunlich wenig. Genau da beginnt aber das Problem. Vielleicht erwarten wir von einem Gesellschaftstanz eine Form von Entwicklung, die unter seinen realen Bedingungen gar nicht dauerhaft möglich ist. Und vielleicht übersehen wir gleichzeitig eine andere Entwicklung, die längst stattfindet, weil sie weniger spektakulär und von außen kaum sichtbar ist.

Eine persönliche Abrechnung

Prolog Wer fremde Aussagen wiederholt verdreht, persönliche Herabsetzungen an die Stelle von Argumenten setzt, unliebsame Kommentare zurückhält und sich zugleich selbst zum Schiedsrichter über die Debatte erklärt, schafft keinen Raum für einen offenen Austausch. Er erzeugt vielmehr ein Klima, in dem Spott, Lagerbildung und persönliche Angriffe belohnt werden. Das kann auch auf die Leserschaft eine toxische Wirkung entfalten. Leser werden nicht dazu eingeladen, unterschiedliche Argumente abzuwägen, sondern erhalten vorgefertigte Freund-Feind-Bilder. Zustimmung wird gefeiert, Widerspruch lächerlich gemacht oder gar nicht erst […]

Im Archiv des Klaus-Wendel-Experten

Im Archiv des Klaus-Wendel-Experten

Inzwischen hat sich eine neue Bloggersparte entwickelt: die Klaus-Wendel-Forschung. Ihr bislang führender Vertreter ist ein gewisser Blogger, Ihr wisst schon… Er bezeichnet sich inzwischen selbst als „Klaus-Wendel-Experten“. Das ist ausnahmsweise keine Übertreibung. Er zählt meine Artikel, verfolgt meine Nachträge, kontrolliert Änderungen, sucht alte Formulierungen heraus und weiß offenbar ziemlich genau, wann welcher Satz wo gestanden hat. Normale Leser lesen einen Beitrag und gehen anschließend wieder ihrem Leben nach. Riedl bleibt. Er wohnt inzwischen beinahe in meinem Blog. Vermutlich hat er […]

Über Musikgeschmack lässt sich nicht herrschen

Über Musikgeschmack lässt sich nicht herrschen

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, wie viel Energie man damit vergeuden kann, sich mit Menschen, Texten und Debatten zu beschäftigen, die einen ärgern. Man liest, widerspricht, erklärt und verteidigt sich – und am Ende bleibt vor allem Erschöpfung. Gleichzeitig habe ich die Musik wiederentdeckt. Nicht nur den Tango, sondern vor allem die Oper und die klassische Musik: Liszt, Tschaikowski, Grieg, Dvořák, Beethoven. Musik, die eine andere Welt öffnet, eine Welt der Konzentration, der Empfindung, der Größe und manchmal auch des Trostes.

Gerade in einer Zeit, in der Krieg, Machtgier und Zerstörung wieder so viel Raum einnehmen, wirkt diese Musik wie eine Gegenbewegung. Nicht, weil Musik Kriege verhindern könnte. Sie macht Menschen auch nicht automatisch besser, schließlich gingen selbst Diktatoren in die Oper. Aber sie erinnert daran, wozu Menschen ebenfalls fähig sind: zu Schönheit, Zusammenarbeit, Disziplin, Fantasie und etwas, das weit über den Augenblick hinausreicht.
Jeder Tyrann kann eine Stadt zerstören. Keiner von ihnen könnte eine Beethoven-Sinfonie schreiben.

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung