
Was ist eigentlich aus einem „Tango-Report“ geworden?
– oder war er überhaupt jemals besser?
Wenn man sich „Gerhard Riedls Tango-Report“ – so heißt der Blog schließlich – einmal genauer anschaut und fragt, was aus diesem ursprünglich tangobezogenen Blog geworden ist, könnte man ihn inzwischen fast in „Gerhard Riedls Klaus-Wendel-Report“ umbenennen. Und ausgerechnet da würde das Wort „Report“ plötzlich wieder einen Sinn ergeben.
Ich frage mich ernsthaft, wie sich ein Tango-Blog – oder besser: sein Autor – derart negativ verengen kann. Wo sind die interessanten eigenen Tango-Themen geblieben? Wo sind Recherchen, bei denen man wirklich einmal etwas Neues über Musik, Geschichte, Tanz oder die heutige internationale Szene erfährt?
Oder andere Frage: Hat es einen besseren Blog von Gerhard Riedl überhaupt jemals gegeben? Kreisen nicht eigentlich seit Jahren seine Beiträge immer wieder um die selben Themen?
Egal, wo man in seinem Archiv auch blickt, man begegnet immer wieder einem selben überschaubaren Repertoire: Besprechungen meiner Tangoartikel, oft schon kurz nach deren Erscheinen; Herummeckern an Werbetexten anderer Veranstalter, denen regelmäßig Übertreibung oder Täuschung unterstellt wird; Angriffe auf Tangounterricht und Tangolehrer; Klagen über traditionelle Milongas, Ronda-Regeln und die angeblich immergleiche Época-de-Oro-Musik; Piazzolla als ewiger Prüfstein der musikalischen Aufgeschlossenheit; Workshops, Festivals und Veranstaltungen, über die gespottet wird; sowie endlose Debatten darüber, wer kommentieren darf, wer angeblich unter falschem Namen schreibt und wer den Blogger nun schon wieder ungerecht behandelt hat. Oder sich wieder – wie im jüngsten Beitrag – über dumme Facebook-Kommentare lustig macht. Und das in über 2000 Artikeln! In letzter Zeit in über 100 Beiträgen, in denen zumindest mein Name oder Andeutung über mich zu finden ist.
Selbst dort, wo Riedl tatsächlich ein neues Tangothema aufgreift, landet er erstaunlich häufig wieder bei denselben Gegnern und denselben alten Rechnungen. Ein Artikel über Japan und Tango wird zur Abrechnung mit einem meiner Texte. Ein Beitrag über Umarmung beginnt wieder bei mir. Beiträge über Neo-Tango, Freiheit oder Unterricht greifen erneut meine Artikel auf. Aus dem Tango als Thema wird zunehmend der Tango als Kulisse für persönliche Auseinandersetzungen.
Hinzu kommt die erstaunliche Fixierung auf das angebliche Fehlverhalten anderer: falsches Zitieren, falsche Namen, falscher Unterricht, falsches Auflegen, falsche Milongas, falsche Werbung, falsche Kritik. Und wenn Kritiker widersprechen, wird nicht selten wiederum deren Person, Motivation oder Identität zum neuen Thema.
Natürlich darf ein Blogger schreiben, worüber er möchte. Aber ein Tango-Report, der zunehmend aus Reaktionen, Beschwerden, Gegnerbeobachtung und dem Wiederkäuen einiger weniger Dauerstreitpunkte besteht, berichtet irgendwann weniger über Tango als über die Befindlichkeit seines Autors.
Vielleicht ist das die eigentlich traurige Entwicklung: Der Tango wird immer größer, vielfältiger und internationaler – und der „Tango-Report“ immer kleiner.
Und die Leserschaft?
Aus dem folgenden Kapitel wird man mir vermutlich ein Neid-Motiv basteln wollen, aber so klein sind meine Zugriffszahlen nicht, – sie sind enorm gewachsen, seit ich im „Feedspot“ inseriere.
An dieser Stelle muss ich allerdings auch einmal eine deutliche Kritik an der Riedl-Leserschaft formulieren, – also auch an mich. Denn ein Blog entwickelt sich nicht im luftleeren Raum. Er schreibt für ein Publikum, und dieses Publikum entscheidet mit seinen Klicks und seiner Aufmerksamkeit darüber, welche Art von Texten erfolgreich ist.
Wenn aus einer ganzen Reihe von Tango-Blogs ausgerechnet derjenige angeblich am meisten gelesen wird, der zunehmend auf Zuspitzung, persönliche Konflikte, Verkürzungen und Häme setzt, dann stimmt etwas nicht nur beim Autor. Dann muss man auch fragen, warum genau diese Mischung so gut funktioniert.
Und bevor Riedl uns nun wieder seine Zugriffszahlen präsentiert: Zugriffe sind kein Qualitätsnachweis. Sie belegen zunächst einmal nur, dass jemand eine Seite aufgerufen hat. Ein Verkehrsunfall erzeugt schließlich auch eine Menge Gaffer, ohne deshalb ein besonders gelungenes Verkehrskonzept zu sein. Gerade Streit, Provokation und persönliche Angriffe können Zugriffszahlen sogar erhöhen. Wer daraus Zustimmung oder journalistische Qualität ableitet, verwechselt Aufmerksamkeit mit Anerkennung.
Das Prinzip ist nicht neu. Bei der BILD-Zeitung kennt man es seit Jahrzehnten: Alle schimpfen über das Niveau, die Vereinfachungen, die dicken Schlagzeilen und den Krawall. Liegt das Blatt irgendwo auf dem Tisch, wird natürlich als Ausrede nur mal eben nach dem Fußball geschaut. Und ganz zufällig bleibt man dann doch an der nächsten Empörung hängen.
Ähnlich funktioniert ein Tango-Blog, der immer stärker vom Zoff lebt. Ein gründlich recherchierter Text über Musikgeschichte, Unterrichtsmethoden oder musikalische Interpretation verlangt Aufmerksamkeit und gelegentlich sogar die Bereitschaft, einen komplizierten Gedanken auszuhalten. Ein persönlicher Streit ist wesentlich leichter zu konsumieren: Wer hat wen beleidigt? Wer hat angeblich seine Meinung geändert? Wer hat wen nicht verstanden? Wer bekommt diesmal einen Seitenhieb?
Das erzeugt Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit lässt sich anschließend wieder als vermeintlicher Erfolg präsentieren. So entsteht ein hübscher Kreislauf: Der Krawall bringt die Klicks, und die Klicks sollen anschließend beweisen, dass der Krawall offenbar richtig war.
Nur wird aus einem Tango-Blog auf diese Weise irgendwann eine Art BILD-Tango-Blog: starke Verkürzungen, klare Rollenverteilungen, möglichst ein Schuldiger und regelmäßig eine neue Schlagzeile, über die man sich aufregen kann. Der Tango selbst wird zunehmend zur Kulisse.
Natürlich darf jeder lesen, was ihm gefällt. Aber wer immer wieder genau dort klickt, wo es kracht, unterstützt damit auch diese Form von Öffentlichkeit. Wenn also aus einer – zugegeben, recht kleinen – Tango-Bloglandschaft ausgerechnet der BILD-Tango-Blog als der angeblich meistgelesene hervorgeht, sagt das nicht nur etwas über seinen Autor aus.
Sagt das auch etwas über sein Publikum aus, das zum Teil – scheinbar oder offensichtlich – gerne zwei Schweinen beim Ringen zusieht?
P.S.: Riedl hat inzwischen in einem Kommentar den Werbesatz „BILD dir deine eigene Meinung!“ offenbar zu seinem neuen Blog-Motto erklärt und damit meine Kritik bestätigt. Übrigens auch deshalb lustig, weil er sich doch für so schreibkompetent hält und dabei wohl unfreiwillig einen Pleonasmus formuliert. Zumindest hat sein Blog das damit verbundene stilistische Versprechen bislang konsequent eingelöst.
3 thoughts on “Was ist eigentlich aus einem „Tango-Report“ geworden?”
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Hallo Klaus,
der Gerhard R. ist irgendwann falsch abgebogen…
Sein Blog ist nicht witzig oder informativ und ich habe ab 2019 seine Seite auch nicht mehr besucht.
Tazächlich regt mich so ein geistiger Dünnschiss nur auf.
Er belügte damals seine Leserschaft mit angeblichen Informationen um den Tango…
Der Auslöser, seinen Blog nicht mehr zu besuchen, war sein Tanzvideo zu Rodolfo Biagi.
Wer nicht tanzen kann, kann auch nicht darüber schreiben – oder er schreibt Blödsinn.
Seine Zugriffszahlen sind meiner Meinung nichts Wert. Ein Zugriff bedeutet lange noch nicht gelesen.
Die winzige Zahl an Kommentatoren im Verhältnis, das sagt schon viel mehr aus.
Wenn die Leser den Text nur überfliegen, weil es mal wieder zu sehr abschweift, anworten sie nicht.
Ach und Facebook war der „Misthaufen“ den Riedel früher immer beklagt hat und jetzt holt er dort seine Ideen?
Offensichtlich gefällt es Ihm dort…
Beste Grüße
Michael
Falsch abgebogen? Nein, er hatte von Anfang an diese Richtung angepeilt, es hat nur niemand bemerkt. Wer nach seinem „großen Milongaführer“ Lust auf seinen Blog hatte, hat wohl nie etwas anderes erwartet.
Es ist schon erstaunlich, was Riedl als beleidigend empfindet, während er selbst heftigst austeilt („Er wird’s nie lernen…“; „Aber mit dem Lesen hat er es halt nicht so.“) Unliebsame Kommentare, die ihn auf eigene Rechtschreibfehler und auf seine widersprüchlichen Texte aufmerksam machen, werden als beleidigend bezeichnet und blockiert.
Hier mein geblockter Kommentar als Antwort auf …[https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/08/soo-spat.html?showComment=1786114461345#c7878556107119785755]
„Ich weiß nicht, ob Sie inzwischen an Amnesie leiden, aber Ihr Text beginnt nun einmal mit dem „Klagelied eines 51-jährigen Mannes“ auf einer Facebook-Seite, aus dem Sie anschließend ausführlich zitieren.
Ob man das nun Kommentar, Posting oder Beitrag nennt, ist doch reine Korinthenkackerei. Inhaltlich ändert das überhaupt nichts. Sie machen sich über die Äußerungen eines Facebook-Nutzers lustig – und genau darum ging es.
Bemerkenswert ist vielmehr, dass Sie meine Aussage gar nicht inhaltlich widerlegen, sondern sich ausschließlich an dem Wort „Kommentar“ festbeißen. Aus einer völlig nebensächlichen Bezeichnung wird plötzlich der große Gegenbeweis. Das ist keine Argumentation, sondern Wortklauberei.
Ist es inzwischen wirklich so weit, dass Sie sich an solchen Kinkerlitzchen und an wiederholten Rechtschreibkorrekturen festhalten müssen, weil Ihnen zu den eigentlichen Argumenten nichts mehr einfällt?
Man kann natürlich jedes Nebensächliche zum Hauptthema erklären. Nur überzeugender wird die Sache dadurch nicht.
Und wenn wir schon beim Korrigieren von Rechtschreibfehlern sind: In Ihrem eigenen Text tanzte ein Texaner übrigens „fas 170 Stunden lang“. Vielleicht sollten wir diesen Wettbewerb lieber ebenfalls beenden.“