Eine persönliche Abrechnung
Prolog
Wer fremde Aussagen wiederholt verdreht, persönliche Herabsetzungen an die Stelle von Argumenten setzt, unliebsame Kommentare zurückhält und sich zugleich selbst zum Schiedsrichter über die Debatte erklärt, schafft keinen Raum für einen offenen Austausch. Er erzeugt vielmehr ein Klima, in dem Spott, Lagerbildung und persönliche Angriffe belohnt werden.
Das kann auch auf die Leserschaft eine toxische Wirkung entfalten. Leser werden nicht dazu eingeladen, unterschiedliche Argumente abzuwägen, sondern erhalten vorgefertigte Freund-Feind-Bilder. Zustimmung wird gefeiert, Widerspruch lächerlich gemacht oder gar nicht erst veröffentlicht.
Ob dies Rückschlüsse auf Riedls Charakter insgesamt zulässt, kann und will ich nicht beurteilen. Sein über Jahre öffentlich dokumentiertes Verhalten – auch gegenüber anderen Autoren und kritischen Kommentatoren – lässt jedoch erhebliche Zweifel daran aufkommen, dass er an einem fairen und ergebnisoffenen Meinungsaustausch interessiert ist.
Der folgende Text entstand als Reaktion auf seinen Beitrag „Auf zur musikalischen Toleranz!“. Nach meiner Beschwerde hat Riedl inzwischen zwei wesentliche Aussagen korrigiert. Er stellt nun ausdrücklich klar, dass ich niemals behauptet habe, Piazzollas Musik sei untanzbar, und räumt ebenfalls ein, dass ich André Rieu durchaus kritisch beurteilt habe.
Damit hat er den sachlichen Kern meiner Beschwerde bestätigt. Die Korrektur ändert jedoch nichts an der Methode, mit der sein ursprünglicher Beitrag arbeitete: Zunächst wurden mir falsche oder entstellte Positionen zugeschrieben, anschließend wurden genau diese konstruierten Positionen verspottet. Dass Riedl die betreffenden Stellen erst nach meiner ausdrücklichen Intervention änderte, macht die ursprüngliche Vorgehensweise nicht ungeschehen. Zumal erst recht nicht, wenn man auf seiner Kommentarspalte seines Blogs oft keine Möglichkeit hat, diese entsprechend zu widerlegen*.
(*Weil vielleicht nicht jeder bereit ist, sich extra erst einen Google-Account anzulegen, nur um durch seine Zensurschranke zu gelangen. Darüber sollte er mal nachdenken.)
Lügen, Verdrehungen und Beleidigungen und eine fällige Korrektur
Riedls ursprüngliche Fassung seines Beitrags war eine umfassende Verdrehung meines Textes. Er konstruierte einen Sinneswandel, obwohl ich keiner meiner bisherigen Aussagen widersprochen hatte. Dazu vermischte er wieder einmal verschiedene Ebenen: den persönlichen Musikgeschmack, die Tanzbarkeit von Musik und die Frage, ob ein Tanz musikalisch interpretiert wird.
Nach meiner Beschwerde hat er die beiden eindeutigsten Falschdarstellungen inzwischen korrigiert. Er erklärt nun ausdrücklich, ich hätte niemals behauptet, Piazzollas Musik sei untanzbar. Ebenso räumt er ein, dass ich André Rieu durchaus kritisch beurteilt habe. Damit bestätigt er genau das, was er zuvor bestritten beziehungsweise falsch dargestellt hatte.
Ich halte bereits die ursprüngliche Darstellung für intellektuell unlauter und bewusst zugespitzt. Sie wirkte wie der Versuch, mich wieder aus der Reserve zu locken. Offenbar ging es weniger darum, meinen Beitrag zu verstehen, als einen neuen Widerspruch zu erfinden und damit die seit Langem gepflegte Bloggerschlacht am Laufen zu halten. Wo kein Konflikt vorhanden war, wurde einer hergestellt.
Mein Resümee fällt deshalb ernüchternd aus: In den von mir untersuchten Beiträgen ersetzt Riedl eine ernsthafte Auseinandersetzung immer wieder durch Verkürzungen, künstlich konstruierte Widersprüche, Spott und persönliche Herabsetzung. Seine Kritik versagt gerade dort, wo sie argumentativ werden müsste.
Fremde Texte werden nicht in ihrem Zusammenhang geprüft, sondern so lange zurechtgebogen, bis sie in das bereits feststehende Riedl-Narrativ passen. Anschließend wird nicht die tatsächliche Aussage des jeweiligen Autors bekämpft, sondern eine von Riedl selbst geschaffene Karikatur.
Update Folgender Text wurde nachträglich am 6. August 2026 13:52 Uhr eingefügt:
Erst die Person, dann das Argument
Bei meinen Recherchen auf Riedls Blog bin ich auf ältere Besprechungen von Texten anderer Autoren gestoßen. Dabei begegnete mir dasselbe Verfahren, das ich inzwischen aus seinen Auseinandersetzungen mit meinen Beiträgen kenne: Nicht zuerst das Argument wird geprüft, sondern die Person, von der es stammt.
Ein besonders anschauliches Beispiel ist sein Artikel „Theresas Tanzbarkeit“ aus dem Jahr 2019. Darin bespricht er einen Text von Theresa Faus über tanzbare Musik und musikalische Interpretation. Von einer ernsthaften argumentativen Auseinandersetzung ist allerdings nur wenig zu erkennen.
Schon zu Beginn vergleicht Riedl die Zustimmung ihrer Leser mit dem Jubel in den Fanclubs von Helene Fischer und Florian Silbereisen. Damit wird nicht ihr Argument kritisiert, sondern zunächst das Umfeld der Autorin lächerlich gemacht. Anschließend erklärt Riedl sich selbst zum frühen Vordenker des Themas und kommentiert eine ihrer Aussagen mit den Worten:
Er widerlegt die Aussage der Autorin nicht. Er vereinfacht sie zunächst, konstruiert daraus einen Widerspruch und verspottet anschließend seine eigene Verformung des Textes.
Genau dieses Phänomen habe ich bereits in meinem Beitrag „Tango Voice – Was von einem Manifest übrig blieb“ beschrieben: Der Gegner muss nicht mehr widerlegt werden. Er muss nur noch gedeutet werden.
Das Urteil über die Person scheint häufig bereits festzustehen, bevor ihre Argumente ernsthaft geprüft werden. Ein Text wird dann nicht ergebnisoffen gelesen, sondern vor allem daraufhin untersucht, wo sich eine Angriffsfläche finden oder herstellen lässt. Was in das vorgefasste Bild passt, wird herausgelöst und ausgeschlachtet. Was diesem Bild widerspricht oder eine differenzierte Auseinandersetzung verlangen würde, wird verkürzt, umgedeutet oder ausgeblendet.
Aus einer Textkritik wird so eine Erzählung über den jeweiligen Autor. Seine Einwände erscheinen nicht mehr als möglicherweise berechtigt, sondern als Ausdruck von Rückständigkeit, mangelndem Verständnis, Geltungsbedürfnis oder ideologischer Verbohrtheit. Das Argument muss dann gar nicht mehr beantwortet werden. Es genügt, die Person einem passenden Lager zuzuordnen.
Bemerkenswert ist, dass Riedl seinen eigenen Kritikern genau dieses Vorgehen regelmäßig vorwirft. Sinngemäß beklagt er sich dann, seine Aussagen würden allein deshalb abgelehnt, weil sie von ihm stammten: Hauptsache dagegen, Hauptsache Riedl.
Dabei übersieht er einen entscheidenden Unterschied. Die Kritik richtet sich häufig gar nicht gegen eine sachliche These, die zufällig von Riedl stammt. Sie setzt vielmehr dort ein, wo er selbst zuvor Personen verspottet, Gruppen pauschal herabgesetzt oder eine Auseinandersetzung durch ad-hominem-Angriffe vergiftet hat. Kritisiert wird dann nicht seine Person anstelle seines Arguments, sondern seine öffentlich dokumentierte Art, mit anderen Personen und deren Argumenten umzugehen.
Wer wiederholt mit Häme, Unterstellungen und persönlichen Seitenhieben arbeitet, darf die Reaktion darauf nicht anschließend als bloße Abneigung gegen seine Person ausgeben. Sonst wird auch hier Ursache und Wirkung vertauscht: Zuerst greift Riedl die Person an, anschließend beklagt er sich darüber, dass seine eigene Person zum Gegenstand der Kritik wird.
Bei Theresa Faus lautet die vorbereitete Botschaft: Sie gehört zur konservativen Tangoszene, ihre Anhänger benehmen sich wie ein Schlager-Fanclub, und nun hat auch sie endlich etwas begriffen, das Riedl angeblich schon lange wusste.
Nicht mehr die Frage
„Ist dieses Argument richtig?“
bestimmt die Besprechung, sondern die Botschaft:
„Seht her, auch diese Person hat es nun endlich kapiert.“
Das ist keine ergebnisoffene Kritik. Es ist die nachträgliche Rechtfertigung eines Urteils, das über die Autorin offenbar bereits vorher gefällt worden war.
Fazit meiner Beurteilung: Riedl ist zumindest in seinen meisten Blogartikeln, wenn er auf unterschiedliche Meinungen trifft, von vorn herein argumentativ und kommunikativ garnicht gewillt eine sachliche Auseinandersetzung zu führen. Er will einzig und allein Deutungshoheit.
Dass er die zwei konkreten Falschdarstellungen nach meiner Beschwerde korrigiert hat, ist richtig und notwendig. Es bestätigt jedoch zugleich, dass meine Kritik an seiner ursprünglichen Darstellung berechtigt war.
Fazit:
„Ringe niemals mit einem Schwein. Ihr werdet beide schmutzig – aber dem Schwein gefällt es.“
anonymes Sprichwort