
Im Archiv des Klaus-Wendel-Experten
Inzwischen hat sich eine neue Bloggersparte entwickelt:
die Klaus-Wendel-Forschung.
Ihr bislang führender Vertreter ist ein gewisser Blogger, Ihr wisst schon…
Er bezeichnet sich inzwischen selbst als „Klaus-Wendel-Experten“.
Das ist ausnahmsweise keine Übertreibung.
Er zählt meine Artikel, verfolgt meine Nachträge, kontrolliert Änderungen, sucht alte Formulierungen heraus und weiß offenbar ziemlich genau, wann welcher Satz wo gestanden hat. Normale Leser lesen einen Beitrag und gehen anschließend wieder ihrem Leben nach.
Riedl bleibt.
Er wohnt inzwischen beinahe in meinem Blog. Vermutlich hat er dort bereits Hausschuhe, eine Leselampe und einen kleinen Karteikasten mit der Aufschrift:
„Wendel – frühere Äußerungen, spätere Ergänzungen und sonstige Verdachtsmomente.“
Umso erstaunlicher ist seine Klage, mein Blog sei unübersichtlich. Texte verschwänden, tauchten wieder auf, würden verschoben oder ergänzt. Das klingt nach einem Mann, der angeblich den Ausgang nicht findet, aber jeden Lichtschalter kennt.
Entweder mein Blog ist ein undurchdringliches Labyrinth – oder Riedl bewegt sich darin inzwischen wie der Hausmeister mit Generalschlüssel. Beides gleichzeitig geht schlecht.
Mein Blog besitzt durchaus eine Struktur – allerdings für normale Leser und nicht für hauptberufliche Klaus-Wendel-Wissenschaftler. Die Beiträge sind auffindbar, auch wenn die Suchfunktion gelegentlich einen ziemlich genauen Begriff verlangt. Das ist bei Riedls Blog nicht anders. Wer dort einen älteren Satz sucht, sollte möglichst schon wissen, wie er lautet, wann er geschrieben wurde und an welchem Wochentag der Autor besonders grantig war.
Die Beiträge über Riedl habe ich inzwischen bewusst in einem eigenen Bereich gebündelt: Bloggerwelten. Stammleser kennen ihn bereits. Nicht, um Texte verschwinden zu lassen, sondern damit Leser, die sich für Tango, Musik und Unterricht interessieren, nicht bei jedem zweiten Klick über denselben alten Blogkrach stolpern.
Jeder Text ist weiterhin vorhanden. Nur eben einsortiert.
Für Riedl scheint schon das eine Zumutung zu sein. Vermutlich erwartet er, dass sämtliche Artikel über ihn dauerhaft auf der Startseite stehen – möglichst mit Leuchtschrift, Fanfare und täglicher Aktualisierung.
Seine Beschäftigung mit meinem Blog ist jedenfalls bemerkenswert gründlich. Er zählt, vergleicht, archiviert, zitiert und kontrolliert mit einer Hingabe, die selbst mir als Verfasser langsam unheimlich wird.
Das ist keine gelegentliche Lektüre mehr.
Das ist der Klaus-Wendel-Bücherwurm: auf der Leiter, die Brille auf der Nase, unter dem Arm die gesammelten Bände:
„Nachträge“
„Kommentare“
„Was Wendel gestern schrieb“
„Was Wendel heute anders meint“
und das mehrbändige Standardwerk
„Warum sich alles um mich dreht“.
Ganz oben im Regal steht vermutlich bereits sein Lieblingsband:
„Die anderen über mich.“
Je länger man sich diese Beschäftigung ansieht, desto schwerer fällt eine höfliche Zusammenfassung.
Sagen wir es deshalb einmal schlicht:
Der Mann hat vielleicht nicht mehr alle Tassen im Schrank – dafür aber sämtliche Klaus-Wendel-Texte im Regal.