
Friedensangebot? Abgelehnt!
Über den vergeblichen Versuch einen langjährigen Bloggerstreit zu beenden.
Herr Riedl,
da ist er ja schon, Ihr nächster Artikel über mich! „Wendel-Dämmerung“. Kaum habe ich erklärt, dass ich diese endlose Schlammschlacht nicht länger auf meinem Blog haben möchte, liefern Sie prompt die nächste Folge. Inzwischen habe ich den Eindruck, dass Ihnen ohne Klaus Wendel langsam der Stoff ausgeht. Jedenfalls scheinen Ihnen die Ideen besonders zuverlässig zuzufliegen, sobald irgendwo mein Name auftaucht.
Und natürlich wissen Sie wieder ganz genau, warum ich meine Artikel aus der öffentlichen Ansicht genommen habe. Kalte Füße, schlechte Außenwirkung, ein geheimnisvoller Beraterstab, der mir angeblich ins Gewissen geredet hat. Was für ein Unsinn! Sie erfinden irgendwelche Hintergründe, unterstellen mir Motive und diskutieren anschließend mit großem Ernst über Ihre eigenen Erfindungen. Das ist inzwischen eine Ihrer zuverlässigsten journalistischen Methoden: Erst eine Geschichte zusammenfantasieren und sie anschließend als Erkenntnis verkaufen.
Dass ich meinen Blog seit Wochen neu ordne, Kategorien einrichte, die Navigation verbessere und alte persönliche Auseinandersetzungen aus dem öffentlichen Bereich entferne, passt offenbar nicht in Ihr Weltbild. Da muss schon eine geheime Kapitulation dahinterstecken. Schließlich wäre die schlichte Erkenntnis, dass mir dieser ganze Streit mittlerweile zum Hals heraushängt, für Ihre Dramaturgie wohl zu langweilig.
Da ist noch etwas, was mich an Ihnen außerordentlich staunen lässt: Ihre geradezu grenzenlose Selbstgewissheit! Immer wieder verlinken Sie meine Beiträge mit der Aufforderung, Ihre Leser mögen sich selbst von meinen angeblichen Irrtümern, Verirrungen und meiner grauenvollen Schreibweise überzeugen. Dabei treten Sie mit einer Sicherheit auf, als könne jeder vernünftige Mensch nach der Lektüre nur zu Ihrem Urteil gelangen.
Halten Sie Ihre Leserschaft tatsächlich für so unmündig, dass sie Ihre Meinung zwangsläufig übernehmen müsste? Kommt Ihnen überhaupt der Gedanke, dass Leser meine Texte lesen, Ihre Kritik danebenhalten und anschließend zu einem ganz anderen Ergebnis kommen könnten? Vielleicht sogar zu dem Schluss, dass nicht meine Texte das eigentliche Problem sind, sondern Ihre Art, damit umzugehen?
Sie berufen sich ständig auf die Urteilsfähigkeit Ihrer Leser, scheinen aber gleichzeitig felsenfest davon überzeugt zu sein, dass deren Urteil mit Ihrem eigenen übereinstimmen muss. Eine bemerkenswerte Vorstellung von unabhängiger Meinungsbildung!
Wie selbstgerecht muss man eigentlich sein, um die eigene Meinung derart selbstverständlich für das Urteil der Allgemeinheit zu halten?
Besonders dreist ist Ihre Behauptung, ich wolle künftig unbehelligt von Kritik veröffentlichen. Ich habe Ihnen mehrfach etwas sehr Einfaches vorgeschlagen: Sie hören auf, mich ständig zum Gegenstand Ihrer Artikel zu machen, und ich verzichte im Gegenzug auf weitere Glossen über Sie. Ein gegenseitiges Friedensangebot also. Daraus konstruieren Sie allen Ernstes den Versuch, Ihnen vorzuschreiben, worüber Sie schreiben dürfen.
Geht es eigentlich noch verdrehter?
Niemand will Ihnen das Schreiben verbieten. Sie können veröffentlichen, was Sie möchten, und sich von mir aus täglich über meine Person auslassen. Aber hören Sie endlich auf, Ihren persönlichen Feldzug als mutigen Kampf für die Pressefreiheit auszugeben. Dass jemand keine Lust mehr auf Ihre ständigen Sticheleien hat, bedeutet noch lange nicht, dass er Angst vor Ihrer Kritik hätte.
Und hören Sie auf, Zitate aus meinen Artikeln als Beleg Ihres Narratives zu missbrauchen, so dass sie völlig verdreht verstanden werden und der Eindruck entstehen könnte, ich wäre mit Ihnen einer Meinung. Das ist übrigens meine wichtigste Kritik über Sie.
Und dann wieder Ihre heiß geliebte Kommentarstatistik! Fünfzehn Kommentare hier, zweiundzwanzig dort. Welch überwältigender Publikumserfolg! Dass Sie selbst einen beträchtlichen Teil dieser Diskussionen bestreiten, dass viele Kommentare gerade Ihre Aussagen kritisieren und Sie obendrein nach eigenem Gutdünken entscheiden, welche Zuschriften überhaupt veröffentlicht werden, stört die schöne Erfolgsbilanz offenbar nicht. Hauptsache, die Zahl stimmt.
Aus einem Streit zwischen wenigen Beteiligten basteln Sie sich eine begeisterte Öffentlichkeit. Sie zählen Ihre eigenen Antworten als Resonanz, die Einwände Ihrer Kritiker als Aufmerksamkeit und präsentieren das Ergebnis anschließend stolz als Beweis für die Beliebtheit Ihres Blogs. Wenn Sie auf diese Weise weitermachen, können Sie sich demnächst vermutlich selbst einen Leserpreis verleihen.
Auch Ihre Behauptung, ich würde meine Artikel verstecken, ist Unsinn. Ich habe sie aus der öffentlichen Ansicht genommen, weil ich diese unerquickliche Schlammschlacht nicht länger als Bestandteil meines Blogs haben möchte. Um es einmal auf Vulgärdeutsch auszudrücken: Ich möchte endlich den Gestank loswerden, den Ihre ständigen persönlichen Anfeindungen und unsere daraus entstandenen Auseinandersetzungen in meinem Blog hinterlassen haben. Ich habe keine Lust mehr, dass dieser Mief zwischen meinen Artikeln über Tango, Musik und Unterricht hängt.
Dass Sie nun ausgerechnet meine Entscheidung, diesen Dreck endlich wegzuräumen, als Flucht vor Ihrer Kritik darstellen, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Offenbar können Sie sich nicht vorstellen, dass jemand Ihre ständigen persönlichen Attacken einfach nur noch widerlich und ermüdend findet.
Mein Blog ist jedenfalls keine öffentliche Bibliothek, deren Bestände ich nach Ihren Archivierungswünschen vorzuhalten habe. Und Sie sind weder mein Chefredakteur noch mein Archivar mit Weisungsbefugnis. Noch mal vulgärer: Die Gestaltung meines Blogs geht Sie einen Scheißdreck an!
Besonders grotesk finde ich Ihre Behauptung, meine über 40 Artikel hätten vor allem der Verbreitung Ihrer Ansichten gedient. Sie erklären diese Texte doch selbst regelmäßig für „dämlich“ oder „doof“ – ausgerechnet auch solche, die bei meinen Lesern besonders gut ankommen. Wenn meine angeblich so miserablen Texte tatsächlich Ihre Ansichten verbreitet haben, müssten Sie mir eigentlich einen Blumenstrauß schicken. Stattdessen führen Sie akribisch Buch über meine Veröffentlichungen, kontrollieren meine Website, bemerken jede Veränderung und widmen mir inzwischen einen Artikel nach dem anderen.
Und gleichzeitig behaupten Sie, ich sei derjenige, der nicht von Ihnen loskomme!
Vielleicht schauen Sie bei Gelegenheit einmal nach, wie viele Ihrer jüngsten Veröffentlichungen sich unmittelbar oder mittelbar mit mir beschäftigen. Sie könnten dabei eine unangenehme Entdeckung machen: Während ich meine alten Artikel über Sie aus dem öffentlichen Bereich entferne, holen Sie dieselben Geschichten immer wieder hervor und machen sie erneut zum aktuellen Thema.
Sie erklären, Ihre Ideen kämen Ihnen spontan zugeflogen. Merkwürdig nur, dass diese Geistesblitze so häufig bei meinem Blog landen. Für jemanden, der angeblich lieber gute Texte schreibt, verwenden Sie eine erstaunliche Menge Zeit darauf, sich mit einem Blogger zu beschäftigen, dessen Arbeit Sie gleichzeitig für wertlos halten.
Und dann Ihre großartige Bilanz: Meine Artikel hätten sich für mich nicht gelohnt, Ihre Zugriffszahlen seien dagegen drei- bis vierstellig. Herzlichen Glückwunsch! Offenbar ist die Zahl der Seitenaufrufe für Sie inzwischen zum Ersatz für eine inhaltliche Auseinandersetzung geworden.
Ich kann Ihnen als ehrenamtlicher Aushilfsadministrator noch einen kleinen Hinweis geben: Automatisierte Webcrawler, unter anderem mit Zugriffen aus China, treiben derzeit auf manchen Blogs die Zugriffszahlen in absurde Höhen. Bei mir machten solche Zugriffe zeitweise 70 bis 85 Prozent aus. Erst durch eine gründliche Matomo-Auswertung konnte ich diese automatisierten Abrufe identifizieren und herausrechnen.
Da unsere Blogs vielfach miteinander verlinkt sind, halte ich es für durchaus möglich, dass der bei mir unter „Jinrongjie (Xicheng District)“ auftauchende Zugriff auch bei Ihnen sein Unwesen treibt.
Und Sie feiern weiterhin Ihre angeblich über 1000 täglichen Zugriffe, ohne überhaupt zu wissen, wie viele davon auf echte Leser entfallen. Ich habe Sie auf dieses Problem mehrfach hingewiesen. Aber eine gründliche Überprüfung könnte natürlich das schöne Bild Ihrer Popularität empfindlich beschädigen.
Solange Sie Ihre Zahlen nicht seriös überprüfen, sind Ihre stolzen Reichweitenmeldungen vor allem eines: ungeprüfte Behauptungen, die Sie sich selbst als Erfolg verkaufen.
Wie lange wollen Sie sich eigentlich noch mit Zahlen feiern, deren Aussagekraft Sie gar nicht kennen?
Sie behaupten außerdem, wir würden den Tango lediglich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Schön wäre es! Dann könnten wir über Unterrichtsmethoden, Musik, Geschichte oder Milonga-Praxis diskutieren. Stattdessen machen Sie meine Person, meine angeblichen Motive und mittlerweile sogar die Navigation meiner Website zum Gegenstand Ihrer Veröffentlichungen. Und wundern sich anschließend, wenn ich das nicht mehr als sachliche Tangokritik verstehe.
Sie haben mehrfach erklärt, Sie würden bei Ihren Kritiken versuchen, die Personen herauszuhalten. Eine bemerkenswerte Behauptung von jemandem, der einen Artikel mit „Wendel-Dämmerung“ überschreibt, mir regelmäßig Unfähigkeit und fragwürdige Motive unterstellt und sogar über meinen angeblichen Beraterstab fabuliert.
Herr Riedl, Sie können sich noch so oft zum sachlichen Kritiker erklären. Ihre Texte werden dadurch nicht sachlicher.
Sie haben mein Angebot, die gegenseitige Beschäftigung miteinander zu beenden, ausgeschlagen. Das ist Ihr gutes Recht. Aber ersparen Sie mir künftig bitte das Theater, ich wolle Ihnen Ihre publizistische Freiheit nehmen. Ich habe Ihnen einen Ausweg aus einer längst unerquicklichen Auseinandersetzung angeboten. Sie haben ihn abgelehnt und daraus sofort den nächsten Artikel gemacht.
Ich werde mich trotzdem wieder den Themen widmen, für die ich meinen Blog betreibe: Tango, Musik und Unterricht.
Was Sie aus Ihrem Tango-Report ohne meine ständigen Antworten machen, bleibt Ihnen überlassen. Vielleicht gelingt es Ihnen ja irgendwann, einen interessanten Tango-Artikel zu schreiben, ohne zuvor in meinem Blog nach neuem Streitmaterial zu suchen.
Und falls Ihnen wieder einmal ganz spontan eine Idee über Klaus Wendel zufliegt: Sie müssen nicht jeden Einfall veröffentlichen. Manchmal ist es durchaus ein Zeichen journalistischer Reife, einen Gedanken einfach vorbeifliegen zu lassen.
Und zum Schluss noch ein gut gemeinter Rat, Herr Riedl: Wenn Sie künftig weniger kritische Kommentare zu Ihren Artikeln lesen möchten, dann schreiben Sie einfach bessere. Vor allem aber sollten Sie endlich lernen, Kritik auszuhalten, ohne Ihre Kommentatoren gleich als dumm, unfähig oder begriffsstutzig abzukanzeln. Wer jeden Widerspruch mit persönlichen Herabsetzungen beantwortet und sich anschließend als sachlichen Kritiker feiert, macht sich selbst zur Karikatur.
Oder schließen Sie Ihre Kommentarfunktion gleich ganz. Bei Ihrem bisherigen Umgang mit abweichenden Meinungen wäre das wenigstens konsequent. Dann müssten Sie auch nicht mehr mühsam aussortieren, welche Kritik Ihre Leserschaft überhaupt zu Gesicht bekommen darf.
Wer eine Kommentarfunktion anbietet, sollte mit Kommentaren umgehen können. Sonst ist das keine Diskussion, sondern ein Monolog mit handverlesenen Zwischenrufen.
Und damit meine Anregung auch glaubhaft wird, bekommen Sie bei mir ab sofort die Erlaubnis, meine Artikel zu kommentieren.