Eduardo Arquimbau wird 90 – Ein Leben für den Tango

Eduardo Arquimbau wird 90 – Ein Leben für den Tango

Eine persönliche Würdigung eines außergewöhnlichen Tänzers, Choreografen und Lehrers, der mein Verständnis vom Tango Argentino entscheidend geprägt hat.

Ein Videogruß aus Buenos Aires

Vor einigen Tagen bekam ich von Annette Meisl, einer guten Freundin, über WhatsApp einen Videogruß von Eduardo Arquimbau. Annette nahm vor kurzem bei ihm Tango-Unterricht. Er tanzt und unterrichtet also immer noch.
Ich habe mich darüber ganz besonders gefreut. Eduardo wird am 28. November 2026 neunzig Jahre alt. Wir kennen uns inzwischen seit fast vierzig Jahren, und wenn ich darüber nachdenke, welche Menschen mein Verständnis vom Tango Argentino am stärksten beeinflusst haben, dann gehört Eduardo ganz sicher zu den wichtigsten.

Es gibt Tänzer, die man wegen ihrer außergewöhnlichen Auftritte bewundert. Es gibt Lehrer, bei denen man viel gelernt hat. Und es gibt Menschen, die einem durch ihre Erfahrungen und ihr Wissen ein ganz anderes Verständnis einer Sache vermitteln können. Eduardo gehört für mich zu allen drei Gruppen.

Seine internationale Karriere als Tänzer und Choreograf ist beeindruckend. Gemeinsam mit seiner Frau und langjährigen Tanzpartnerin Gloria Barraud gehörte er zu den Künstlern, die den Tango Argentino auf den großen Bühnen der Welt bekannt machten. Er arbeitete mit den berühmtesten Orchestern seiner Zeit, choreografierte für Theater und Fernsehen, unterrichtete unzählige Tänzer und blieb dabei immer ein Milonguero. Das ist für mich vielleicht das Wichtigste an ihm.

Denn Eduardo unterschied sehr konsequent zwischen dem choreografierten Tango der großen Bühnen und dem improvisierten Tango, der in den Clubs und Milongas von Buenos Aires getanzt wurde. Und er hatte ausgesprochen gute Gründe dafür.

Meine erste Begegnung mit Eduardo – München 1987

Zum ersten Mal begegnete ich Eduardo im Jahr 1987. Damals gastierte die berühmte Produktion Tango Argentino von Claudio Segovia und Héctor Orezzoli im Deutschen Theater in München. Diese Produktion hatte bereits einige Jahre zuvor, 1983 in Paris, für Aufsehen gesorgt und anschließend international eine regelrechte Tangobegeisterung ausgelöst.

Für uns, die wir uns damals in Deutschland mit dem Tango Argentino beschäftigten, waren diese Aufführungen von besonderer Bedeutung. Man konnte Tänzer erleben, die aus einer ganz anderen Tanztradition kamen als jener, die wir aus europäischen Tanzschulen kannten. Nach der Vorstellung im Deutschen Theater kam es zu meiner ersten persönlichen Begegnung mit Eduardo. 

Es blieb nicht dabei. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte trafen wir uns immer wieder, in Buenos Aires, in Dortmund, Düsseldorf, Köln und an anderen Orten. Es gab Begegnungen im Zusammenhang mit Auftritten und Unterricht, aber auch private Gespräche, bei denen wir ausführlich über Tango sprechen konnten.

Gerade diese Gespräche sind mir bis heute in Erinnerung geblieben. Eduardo verfügte über ein Wissen, das weit über die Kenntnis bestimmter Figuren oder choreografischer Abläufe hinausging. Er hatte sich intensiv mit der Geschichte des Tangos beschäftigt und kannte viele Tänzer und deren unterschiedliche Tanzweisen noch aus eigener Anschauung. Was er mir über die choreografische Entwicklung des Tangos erzählte, wurde später zu einer wichtigen Grundlage meines eigenen Unterrichtskonzeptes.

Deshalb möchte ich ihn hier auch nicht einfach als einen berühmten Showtänzer vorstellen. Über seine Bühnenerfolge ist schon viel geschrieben worden. Mich interessiert vor allem der Tänzer hinter diesen Erfolgen und das Verständnis vom Tango, das er über Jahrzehnte weitergegeben hat.

Ein Junge aus Parque Patricios

Eduardo Manuel Arquimbau wurde am 28. November 1936 in Buenos Aires geboren. Er wuchs im Umfeld der Stadtteile Boedo und Parque Patricios auf, in einer Zeit, in der Tango noch ganz selbstverständlich zum gesellschaftlichen Leben vieler Menschen gehörte. In den Stadtteilclubs wurde getanzt, geübt und Musik gehört. Die großen Orchester spielten dort ebenso wie in den Cabarets, Theatern und Tanzlokalen der Innenstadt.

Eduardos Vater war Straßenbahnfahrer, begeisterter Tangoliebhaber und Plattensammler. Er organisierte sogar Tanzveranstaltungen auf der Terrasse des eigenen Hauses und engagierte dafür Orchester. Eduardo wuchs also in einer Umgebung auf, in der die Musik und der Tanz zum Alltag gehörten.

Seine erste eigentliche Beschäftigung mit dem Tanzen begann, wie er in einem Interview der Stadt Buenos Aires erzählte, eher zufällig. Ein Freund wollte Tango lernen, und Eduardo sollte zunächst nur die Musik für dessen Übungsstunden auflegen. Weil er dabei ständig zusah, lernte er die Bewegungen durch Beobachtung. Schließlich begann der Lehrer, statt des wenig begabten Freundes Eduardo zu unterrichten. Er war damals ungefähr zwölf Jahre alt.

Das ist schon deshalb eine interessante Geschichte, weil Eduardo später immer wieder betonte, wie wichtig das Beobachten anderer Tänzer für seine eigene Entwicklung gewesen sei. Es gab in den Stadtteilclubs damals Prácticas, in denen junge Männer untereinander übten. Bevor man sich auf einer richtigen Milonga mit einer Partnerin auf die Tanzfläche wagte, musste man bereits etwas können.

Eduardo besuchte solche Übungsabende in ganz unterschiedlichen Stadtteilen. In einem ausführlichen Interview, das 2023 bei Patio de Artistas veröffentlicht wurde, erklärte er, dass jeder Stadtteil seinen eigenen Tanzstil besaß. Wenn er einen Tänzer beobachtete, dessen Stil ihm gefiel, erkundigte er sich, aus welchem Viertel dieser kam. Anschließend fuhr er dorthin, um sich die Tänzer anzusehen. Er wollte verstehen, was sie unterschiedlich machten und warum sie gerade so tanzten. Damit begann eine Beschäftigung mit dem Tango, die ihn sein ganzes Leben begleiten sollte.

Der junge Milonguero

Mit etwa sechzehn Jahren wurde Eduardo von älteren Freunden in die Welt der Milongas und Cabarets eingeführt. Einige seiner Bekannten arbeiteten bereits professionell als Tänzer bei den großen Orchestern. In seinem Interview erinnert er sich beispielsweise an das berühmte Cabaret Marabú. Dort kam er durch seine älteren Freunde hinein, obwohl er eigentlich noch zu jung war.

Er beschreibt auch seine erste Tanzerfahrung mit einer jungen Frau. Obwohl er bereits ausgiebig geübt hatte, war er plötzlich so aufgeregt, dass er sich kaum noch an die erlernten Bewegungen erinnern konnte. Er ging einfach, machte eine einfache Salida und verzichtete auf die komplizierten Sachen. Eine schöne Erinnerung, gerade wenn man bedenkt, zu welchem Tänzer Eduardo später werden sollte.

Er begann bald, an Tanzwettbewerben teilzunehmen. 1955 gewann er einen Wettbewerb im Club Unidos de Pompeya. Weitere Erfolge folgten. In einem Interview erzählt er, dass er bei einem späteren Wettbewerb nicht mehr zugelassen werden sollte, weil die anderen Teilnehmer sich angesichts seiner bisherigen Erfolge offenbar keine Chancen ausrechneten.

Der Veranstalter bot ihm schließlich das Preisgeld an, ohne dass er überhaupt antreten musste. Eduardo wollte das Geld aber nicht einfach annehmen. Stattdessen gab er eine Tanzvorführung. Damals war er noch sehr jung. Seine professionelle Karriere hatte noch nicht einmal richtig begonnen.

Gloria – eine außergewöhnliche gemeinsame Geschichte

Man kann Eduardo Arquimbau nicht würdigen, ohne ausführlich über Gloria Julia Barraud zu sprechen. Die beiden kannten sich seit ihrer frühesten Kindheit. Genauer gesagt kannte Eduardo Gloria bereits seit dem Tag ihrer Geburt. Er war mit ihrem älteren Bruder befreundet, und die beiden Jungen waren gerade auf der Straße unterwegs, als Gloria geboren wurde.

Sie wuchsen im selben Viertel auf und beschäftigten sich früh mit unterschiedlichen Tanzformen. Gloria hatte bereits als Kind klassischen Tanz, spanische Tänze und Stepptanz gelernt. Auch Eduardo interessierte sich keineswegs ausschließlich für Tango. Zu seinem Repertoire gehörten Jazz, Swing, Stepptanz, argentinische Folklore und weitere Tanzformen.

Zunächst tanzten sie gemeinsam andere Tänze. Erst später wurden sie auch im Tango ein Paar. In einem Interview von 2016 erzählten beide, dass sie seit 1958 gemeinsam Tango tanzten. Sie bildeten schließlich ein professionelles Tanzpaar und heirateten. Ihre gemeinsame Karriere dauerte über sechs Jahrzehnte.

Gloria war dabei keineswegs nur die Partnerin eines berühmten Tänzers. Sie war selbst eine außergewöhnlich gut ausgebildete Tänzerin, deren tänzerisches Können, Präzision und Ausdruck wesentlich zu den Erfolgen des Paares beitrugen.

Sie entwickelten gemeinsam ihre Choreografien, arbeiteten zusammen für Orchester, Theater und Fernsehen und gingen auf internationale Tourneen. Bemerkenswert ist, wie selbstverständlich Eduardo in seinen Interviews von Gloria als Partnerin seiner künstlerischen Arbeit sprach.

Ihre Tanzpartnerschaft war auf der Bühne eine Einheit. Was sie dort zeigten, war über Jahre gemeinsam erarbeitet worden. Das hatte später auch ganz praktische Konsequenzen, auf die ich noch zurückkommen werde.

Mit den großen Orchestern des Tangos

Gloria und Eduardo gehörten zu einer Generation professioneller Tangotänzer, die noch unmittelbar mit den großen Orchestern des klassischen Tangos zusammenarbeiten konnte. Zu den Orchestern, mit denen sie auftraten, gehörten unter anderem Francisco Canaro, Juan D’Arienzo, Osvaldo Pugliese, Aníbal Troilo, Mariano Mores, Alfredo De Angelis und Florindo Sassone.

Man muss sich vorstellen, was diese Zusammenarbeit bedeutete. Wir kennen diese Orchester heute hauptsächlich durch ihre historischen Aufnahmen. Wir analysieren ihre Rhythmen, ihre musikalischen Phrasierungen und die unterschiedlichen musikalischen Charaktere. Eduardo hat diese Musik nicht nur von Schallplatten gehört. Er stand mit diesen Orchestern auf der Bühne und tanzte unmittelbar zu ihrer Musik.

Er kannte viele Musiker persönlich und musste seine Choreografien auf die musikalischen Besonderheiten der jeweiligen Orchester abstimmen. Eine entscheidende Begegnung war die mit Francisco Canaro.

Gloria und Eduardo traten um 1960 bei den damals üblichen musikalischen Zwischennummern in Kinos auf. Dabei wurde Canaro auf das junge Paar aufmerksam und engagierte es für seine Bühnenproduktion. 1961 reisten beide mit Canaros Orchester nach Japan.

Für Eduardo und Gloria war das damals eine außergewöhnliche Erfahrung. Im Interview von 2016 verglichen sie diese Reise mit einem Flug zum Mond. Gloria war noch sehr jung, weshalb ihre Mutter die Reise begleitete. Nach Eduardos Erzählung wurde sie sogar offiziell als Tänzerin geführt, damit ihre Teilnahme an der Tournee organisatorisch möglich wurde.

Es folgten zahlreiche weitere internationale Engagements. 1967 waren Gloria und Eduardo in der berühmten amerikanischen Fernsehsendung von Ed Sullivan zu sehen. Sie arbeiteten außerdem an argentinischen Fernsehproduktionen wie Yo soy porteño, Grandes Valores del Tango und weiteren Programmen mit.

Für Eduardo wurde besonders die Zusammenarbeit mit dem Regisseur David Stivel wichtig. Von ihm lernte er viel darüber, wie man Choreografien für das Fernsehen und die Bühne entwickelt. Denn eine Choreografie, die auf einer Tanzfläche funktioniert, muss für die Zuschauer einer Theateraufführung nicht zwangsläufig die gleiche Wirkung besitzen. Eduardo verstand diesen Unterschied sehr genau.

Die Entstehung eines großen Showtänzers

Als Eduardo Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre seine professionelle Karriere begann, verfügte er bereits über umfangreiche Tanzerfahrung. Er hatte Milongas besucht, Tänzer unterschiedlicher Stadtteile beobachtet, sich mit historischen Tanzformen beschäftigt und mehrere Tanzwettbewerbe gewonnen.

Für die Bühne musste er nun etwas anderes entwickeln. Dort ging es nicht allein darum, mit Gloria musikalisch zu tanzen. Die Bewegungen mussten auch für ein Publikum verständlich und sichtbar werden. Dazu gehörten Bühnenpräsenz, eine klare räumliche Ausrichtung, die Gestaltung von Spannungsbögen, artistische Elemente und ein bewusst gesetzter Höhepunkt.

In seinen späteren Interviews erklärt Eduardo diese Unterschiede sehr anschaulich. Auf einer gewöhnlichen Tanzfläche kann sich ein Paar in verschiedene Richtungen bewegen und hat Zuschauer beziehungsweise andere Tanzpaare rundherum. Auf einer Theaterbühne befindet sich das Publikum dagegen vor den Tänzern. Die Bewegungen müssen entsprechend gestaltet werden.

Eduardo beschäftigte sich deshalb intensiv mit Lichtführung, Kameraperspektiven, Blickrichtungen und der Wirkung choreografischer Abläufe. Er studierte sogar Fotografie, um die visuelle Gestaltung seiner Auftritte besser zu verstehen.

Hier zeigt sich bereits, dass seine Bühnenarbeit eine eigenständige künstlerische Aufgabe war, die weit über die bloße Vorführung schwieriger Figuren hinausging.

Gloria Y Eduardo tanzen im Film „El Exilio de Gardel“ (1985) die „Milonga Loca“ von Astor Piazzolla

Tango Argentino – die internationale Sensation

1983 entstand die Produktion Tango Argentino von Claudio Segovia und Héctor Orezzoli. Sie wurde zunächst in Paris gezeigt und entwickelte sich anschließend zu einem internationalen Erfolg. Besonders die späteren Aufführungen am Broadway und die ausgedehnten Tourneen trugen wesentlich dazu bei, den Tango Argentino außerhalb Argentiniens bekannt zu machen.

Zu den Mitwirkenden gehörten einige der berühmtesten Tänzer jener Zeit, darunter Juan Carlos Copes und María Nieves, Virulazo und Elvira, die Dinzels, Carlos und María Rivarola sowie Gloria und Eduardo Arquimbau.

Die Produktion zeigte unterschiedliche Ausdrucksformen des Tangos und verband sie zu einer großen musikalischen Bühnenschau. Für das internationale Publikum war das eine Begegnung mit einer bis dahin weitgehend unbekannten Tanzkultur.

Allerdings muss man auch hier unterscheiden: Was auf der Bühne von Tango Argentino zu sehen war, entsprach keineswegs vollständig dem, was damals auf den gewöhnlichen Milongas in Buenos Aires getanzt wurde. Es handelte sich um eine sorgfältig gestaltete Bühnenshow. Das war allen Beteiligten bewusst. Und gerade Eduardo hat diesen Unterschied später immer wieder ausdrücklich hervorgehoben.

Warum man seine Bühnenchoreografien heute anders betrachten muss

Wenn man sich heute historische Videoaufnahmen von Gloria und Eduardo ansieht, mögen manche Figuren vergleichsweise einfach oder aus heutiger Sicht sogar etwas oberflächlich wirken. Man sollte dabei aber nicht vergessen, wann diese Choreografien entstanden sind und welche Entwicklung der internationale Bühnentango seitdem genommen hat.

Viele der heute selbstverständlichen Bewegungsmöglichkeiten wurden erst in den folgenden Jahrzehnten systematisch untersucht, erweitert und in den Unterricht aufgenommen. Was damals auf einer Bühne außergewöhnlich wirkte, erscheint uns heute möglicherweise weniger spektakulär.

Außerdem wurden diese Choreografien für eine ganz bestimmte Aufgabe entwickelt. Aus der zehnten Zuschauerreihe wirkten die Bewegungen atemberaubend artistisch. Die Zuschauer sollten die Figuren erkennen, die tänzerischen Höhepunkte verfolgen und die musikalische Dramaturgie erleben können.

Dafür wurden Abläufe vereinbart, einstudiert und häufig über lange Zeit verfeinert. Das war ein legitimer und wesentlicher Bestandteil des professionellen Showtangos. Eduardo machte daraus nie ein Geheimnis.

Wer aus solchen historischen Bühnenaufnahmen allerdings auf sein gesamtes tänzerisches Können schließen möchte, macht einen erheblichen Fehler. Denn Eduardo unterschied streng zwischen dem choreografierten Showtango und seinem privaten Tanzstil auf den Milongas.

Showtango und Club-Stil – eine rigorose Trennung

Eduardo bezeichnete den improvisierten Tango der Milongas als Club-Stil. Er unterrichtete diesen Tango und unterschied ihn ausdrücklich von dem, was er gemeinsam mit Gloria auf der Bühne zeigte.

Seine Showchoreografien bestanden zu einem großen Teil aus abgesprochenen und intensiv geübten Abläufen. Sie waren auf Gloria und ihn zugeschnitten. Deshalb weigerte er sich auch strikt, diese Choreografien mit anderen Partnerinnen aufzuführen. Das hatte einen ganz praktischen Grund: Die Abläufe waren gemeinsam entwickelt und eingeübt worden. Ohne Gloria konnte er sie in dieser Form nicht tanzen.

Auf einer Milonga war das völlig anders. Dort wurde improvisiert. Man musste sich auf die Musik, die jeweilige Partnerin und die räumlichen Verhältnisse einstellen.

Interessanterweise tanzten Eduardo und Gloria privat auf Milongas nur ganz selten miteinander. Obwohl sie eines der bekanntesten Tangopaare der Welt waren, verbrachten sie ihre privaten Milongaabende keineswegs damit, ständig als Paar aufzutreten.

Eduardos privater Tanzstil war ausgesprochen schlicht. Er tanzte eng verbunden, musikalisch und ohne das Bedürfnis, die Figuren seiner Bühnenauftritte vorzuführen. Man könnte diesen Tanzstil heute vielleicht als milonguero-like bezeichnen.

Damit meine ich allerdings keine der später entstandenen europäischen Stildefinitionen, sondern die Art, wie Eduardo selbst den Tango in den Clubs von Buenos Aires kennengelernt hatte. Ein improvisierter sozialer Tanz, bei dem die Verbindung zur Partnerin, die Musik und die Situation auf der Tanzfläche entscheidend waren.

Eduardo verfügte über ein außergewöhnlich umfangreiches tänzerisches Repertoire. Er musste es auf der Milonga aber nicht demonstrieren. Gerade darin zeigte sich sein Können.

Ein unvergesslicher Abend im Petit Prince in Köln

An einen Abend bei einer Milonga im damaligen Petit Prince in Köln im Jahr 1990, das es schon lange nicht mehr gibt, erinnere ich mich besonders gut. Eduardo war dort zu Gast, und die Veranstalterin hatte sich etwas Besonderes ausgedacht. Sie kündigte eine Showeinlage an, bei der sie selbst mit Eduardo tanzen wollte. Das Problem war nur, dass sie ihn vorher überhaupt nicht gefragt hatte.

Nun kannte ich Eduardo bereits lange genug, um zu wissen, wie er darauf reagieren würde. Er hatte immer strikt zwischen seinen choreografierten Bühnenauftritten mit Gloria und dem improvisierten Tanzen auf einer Milonga unterschieden. Showtango tanzte er ausschließlich mit Gloria. Daran gab es für ihn nichts zu rütteln.

Ich kannte aber auch die Veranstalterin und konnte mir deshalb ziemlich genau vorstellen, wie sich die Geschichte entwickeln würde. Einer Freundin, die ich an diesem Abend mitgebracht hatte, erzählte ich bereits vorher, was meiner Meinung nach gleich passieren würde. Und tatsächlich kam es genauso.

Eduardo, der an diesem Abend allein – ohne seine Partnerin Gloria – gekommen war, lehnte die angekündigte Showeinlage entschieden ab. Er erklärte, dass er solche Auftritte grundsätzlich nur mit seiner Frau Gloria mache. Damit stand die Veranstalterin vor einem Problem. Sie hatte ihrem Publikum bereits eine Vorführung angekündigt, die es nun nicht geben würde. Also wandte sie sich zuerst an meinen lieben Kollegen Jost Budde (aus Düsseldorf) und dann an mich und fragte uns, ob nicht stattdessen jemand von uns mit ihr auftreten könnte.

Wir lehnten beide ebenfalls ab. Schließlich hatte sie Eduardo angekündigt und nicht uns. So blieb die angekündigte Showeinlage aus. Für die Veranstalterin war das sicherlich eine ziemlich peinliche Situation. Meine mitgebrachte Freundin dürfte dagegen einen ganz anderen Eindruck von diesem Abend mitgenommen haben: Schließlich hatte sich meine Vorhersage über den gesamten Ablauf bis ins Detail bestätigt. Meinem Ruf als Menschenkenner dürfte das jedenfalls nicht geschadet haben.

Aber hinter dieser etwas komischen Geschichte steckt auch etwas sehr Charakteristisches für Eduardo. Er hätte der Veranstalterin zuliebe ein paar Figuren improvisieren und das Ganze als Show verkaufen können. Schließlich war er ein erfahrener Tänzer und Choreograf. Doch genau das wollte er nicht.

Für ihn war eine Showeinlage eine vorbereitete künstlerische Darbietung, die er gemeinsam mit Gloria erarbeitet hatte. Auf einer Milonga dagegen tanzte er improvisiert, ohne den Anspruch, dem Publikum eine Show vorzuführen. Diese Unterscheidung war für ihn so selbstverständlich, dass er auch durch eine öffentliche Ankündigung nicht davon abzubringen war.

Und dann tanzte Eduardo mit einer Anfängerin

Am selben Abend erlebte ich allerdings noch etwas, das mich viel stärker beeindruckte als die Geschichte mit der angekündigten Showeinlage. Eduardo tanzte mit einer Frau, die eine völlige Anfängerin war und praktisch noch keine Tangoerfahrung besaß. Und er brachte sie tatsächlich zum Tanzen.

Er führte sie so einfühlsam, dass sie seinen Bewegungen folgen konnte, obwohl sie die entsprechenden Schrittfolgen gar nicht kannte. Er stellte sich ganz auf ihre Möglichkeiten ein und ließ durch seine Führung einen gemeinsamen Tanz entstehen. Das war für mich eine der eindrucksvollsten Demonstrationen seines außergewöhnlichen tänzerischen Könnens.

Denn Eduardo verfügte über ein riesiges Repertoire an Figuren und Bewegungen. Aber nichts davon musste er bei dieser Gelegenheit vorführen. Er konnte sich ganz auf seine Partnerin konzentrieren und mit dem arbeiten, was unter diesen Bedingungen möglich war.

Gerade der Gegensatz zu der vorherigen Geschichte war bemerkenswert. Wenig zuvor hatte er sich strikt geweigert, mit der Veranstalterin eine angekündigte Showeinlage zu tanzen. Nun tanzte er ganz selbstverständlich mit einer Anfängerin, die kaum wusste, wie Tango überhaupt funktioniert.

Das eine war für ihn eine professionelle, choreografierte Bühnenleistung, die er nur gemeinsam mit Gloria aufführte. Das andere war Tango, wie er auf einer Milonga getanzt wird: improvisiert, einfühlsam geführt und an die Möglichkeiten der jeweiligen Partnerin angepasst.

Ich habe an diesem Abend mehr über Eduardos Verständnis vom Tango gelernt, als mir manche ausführliche Unterrichtsstunde hätte vermitteln können. Denn sein Können zeigte sich nicht nur darin, was er alles tanzen konnte, sondern auch darin, auf wie viel er verzichten konnte, um mit einer unerfahrenen Partnerin einen gemeinsamen Tango entstehen zu lassen.

Diese beiden Erlebnisse am selben Abend im Petit Prince sind mir bis heute in Erinnerung geblieben. Sie zeigen für mich geradezu beispielhaft, was Eduardo unter dem Unterschied zwischen Showtango und Club-Stil verstand.

Der Club Huracán und die Musik von Osvaldo Pugliese

Eine besondere Bedeutung hatte für Eduardo der Club Atlético Huracán in Parque Patricios. Huracán ist vor allem als Fußballverein bekannt. Aber wie viele argentinische Sportvereine besaß er auch eine bedeutende Tradition als gesellschaftlicher Treffpunkt und Tanzveranstalter.

Dort spielten die großen Tango-Orchester. Eduardo erinnerte sich später daran, dass an einem Abend Pugliese, an einem anderen Di Sarli oder D’Arienzo auftreten konnte. Auch Jazzorchester gehörten zum Programm.

In einem Interview nannte er Huracán und den Club Buenos Aires an der Ecke Parral und Gaona als zwei seiner bevorzugten Milongas. Gerade Huracán war für die Tangokultur seines Stadtteils von großer Bedeutung.

Im 2013 erschienenen Buch Un globo acunado en barrio y tango von Néstor Vicente und Luis Carlos Ruiz wird dieser Zusammenhang ausführlich beschrieben. Die Verfasser führten für ihr Buch auch ein persönliches Gespräch mit Eduardo.

Er erinnerte sich an die Tanzabende, die Bedeutung des Clubs für die Menschen aus dem Stadtteil und an die verschiedenen Bereiche, in denen getanzt wurde.

Die Veranstaltungsorte waren damals keineswegs nur Plätze, an denen sich einige Paare trafen, um ihre Figuren auszuprobieren. Sie waren gesellschaftliche Mittelpunkte des jeweiligen Viertels. Man begegnete Freunden, hörte die großen Orchester, tanzte, beobachtete andere Tänzer und lernte voneinander.

Eduardo war im Huracán ein geschätzter Tänzer. Besonders zur Musik von Osvaldo Pugliese tanzte er gerne.

Das finde ich bemerkenswert, weil gerade Puglieses Musik im heutigen Tango häufig mit besonders dramatischen, ausladenden und teilweise spektakulären Bewegungen verbunden wird.

Eduardo tanzte sie dagegen auf den Milongas ganz schlicht und in enger Verbindung mit seiner Partnerin. Seine musikalische Interpretation benötigte keine großen Figuren. Sie entstand aus der Bewegung, dem Rhythmus, der Phrasierung und dem gemeinsamen Erleben der Musik.

Dass ausgerechnet ein international erfolgreicher Showtänzer auf einer Milonga zu Pugliese auf diese Weise tanzte, sagt für mich sehr viel über sein eigentliches Tango-Verständnis aus.

„Wir sind Milongueros, bevor wir Tänzer sind“

Im Buch über den Club Huracán findet sich ein Satz, der Eduardos Haltung besonders gut beschreibt:

„Somos milongueros antes que bailarines.“

Auf Deutsch: „Wir sind Milongueros, bevor wir Tänzer sind.“

Dieser Satz ist für mich eine der wichtigsten Aussagen, die ich bei der Beschäftigung mit Eduardos Leben gefunden habe. Denn er verdeutlicht, welchen Stellenwert der soziale Tango für ihn besaß.

Das Buch erschien 2013. Damals berichteten die Verfasser, dass Gloria und Eduardo weiterhin regelmäßig auf Milongas gingen, unter anderem nach Huracán und zum Club Sunderland in Villa Urquiza.

Ihre internationale Karriere hatte sie auf die großen Bühnen der Welt geführt. Trotzdem gehörte das gewöhnliche Tanzen auf den Milongas weiterhin zu ihrem Leben. Das sollte man sich vor Augen halten, wenn man heute darüber diskutiert, was einen guten Tangotänzer ausmacht.

Eduardo war ein berühmter Bühnenkünstler, Choreograf und Lehrer. In seinem eigenen Selbstverständnis blieb er vor allem Milonguero.

Eduardos historisches Wissen

Neben seinem tänzerischen Können beeindruckte mich besonders Eduardos Wissen über die Geschichte des Tangos. Er hatte nicht nur historische Aufnahmen und Überlieferungen studiert. Er hatte selbst noch Tänzer kennengelernt, deren Tanzstile aus früheren Entwicklungsphasen stammten.

In einem Interview erklärte er, dass er die Namen vieler Tänzer und Tänzerinnen kannte, wusste, wie sie getanzt hatten, und sich dafür interessierte, warum sie bestimmte Bewegungen verwendeten. Er bezeichnete sich ausdrücklich als Forscher.

Das erklärt auch, warum er sich nicht damit zufriedengab, einfach bekannte Bewegungen zu übernehmen. Er wollte ihre Herkunft verstehen. Wenn er einen älteren Tänzer beobachtete, dessen Stil ihm auffiel, versuchte er herauszufinden, aus welcher Tradition dessen Bewegungen stammten.

Dabei wurde ihm durchaus geraten, keine anderen Tänzer einfach zu kopieren, sondern seinen eigenen Stil zu entwickeln. In einem Interview erinnert er sich daran, wie er einmal zu Ehren seines Lehrers Márquez dessen Bewegungen vorführte. Dabei fühlte er sich, als würde er in einem fremden Anzug tanzen.

Eine schöne Beschreibung dafür, dass man historische Bewegungen kennen und verstehen kann, ohne sie deshalb zum eigenen Tanzstil machen zu müssen. Für Eduardo gehörte beides zusammen: das Erforschen der Vergangenheit und die Entwicklung einer eigenen tänzerischen Persönlichkeit.

Die Circulación und die choreografische Entwicklung des Tangos

In unseren persönlichen Gesprächen hat Eduardo mir viele historische und choreografische Zusammenhänge erklärt. Besonders wichtig wurde für mich seine Darstellung der Entwicklung des Tangos aus der sogenannten Circulación, einem Schrittverlauf aus der Folklore.

Diese Erklärung erschien mir damals als eine der plausibelsten Theorien zur choreografischen Entwicklung des Tangos. Vor allem deshalb, weil sie die späteren strukturellen Untersuchungen von Gustavo Naveira und Fabián Salas für mich in einen historischen Zusammenhang stellte.

Die Beschäftigung von Naveira und Salas mit der Bewegungsstruktur des Tangos zeigte, welche Möglichkeiten sich aus Schrittsystemen, Positionen und Richtungswechseln ergeben. Eduardos historische Erklärungen vermittelten mir dagegen eine Vorstellung davon, wie sich bestimmte Bewegungsprinzipien im Laufe der Entwicklung des Tangos herausgebildet haben könnten.

Für mich ergänzten sich diese beiden Perspektiven auf eine ausgesprochen überzeugende Weise.

Dabei möchte ich ausdrücklich unterscheiden: Eine historisch plausible Erklärung ist noch kein endgültiger wissenschaftlicher Beweis für die tatsächliche Entstehung eines Tanzes.

Vieles in der frühen Tangogeschichte ist nur bruchstückhaft dokumentiert. Unterschiedliche Einflüsse haben sich über lange Zeit miteinander vermischt.

Aber gerade deshalb sind die Erinnerungen und Forschungen von Tänzern wie Eduardo so wertvoll. Sie eröffnen Perspektiven, die man aus späteren Tanzanleitungen oder heutigen Stildefinitionen allein kaum gewinnen kann. Und sie können erklären, weshalb sich bestimmte Bewegungsprinzipien bis heute im Tango erhalten haben.

Wie entstand das Einkreuzen der Frau?

Ein weiterer wichtiger Bestandteil unserer Gespräche war die Entwicklung der sogenannten Base und insbesondere das Einkreuzen der Frau, das eigentlich nur ein – so seltsam es klingen mag – rückwärts getanztes Vorwärtskreuz ist.*1

(siehe auch folgenden Beitrag)

Für meinen Unterricht war das von erheblicher Bedeutung. In vielen Tangoschulen wurde und wird die bekannte Achter-Base als eine Art Grundschritt des Tango Argentino vermittelt. Dabei wird das Einkreuzen der Frau häufig als selbstverständlicher Bestandteil dieses Ablaufs behandelt.

Mich interessierte dagegen, wie diese Bewegung entstanden ist und weshalb sie an einer bestimmten Stelle eingefügt wurde. Eduardo konnte dazu historische Erklärungen liefern, die für mich die Entwicklung der verschiedenen Schrittsysteme wesentlich verständlicher machten.

In einem Interview von 2016 äußerte er sich auch öffentlich zur Geschichte des Einkreuzens. Nach seiner Darstellung begann diese Entwicklung bereits in der Zeit um 1935 im Zusammenhang mit D’Arienzo und verbreitete sich in den 1940er-Jahren stärker.

Er verband diese und andere Veränderungen unter anderem mit der Entwicklung der Damenkleidung. Kürzere Röcke hätten Bewegungen ermöglicht, die zuvor durch die längere Kleidung eingeschränkt gewesen seien. Zu diesen Veränderungen zählte er neben dem Einkreuzen auch Boleos, Ganchos und Sentadas.

Diese Aussagen sind interessante historische Deutungen. Sie sollten nicht als abschließend bewiesene Entstehungsgeschichte verstanden werden.

Für mich waren sie aber wichtige Anregungen, die traditionellen Bewegungsabläufe nicht einfach als unveränderliche Grundlagen des Tangos zu übernehmen.

So lernte ich, hinter den scheinbar feststehenden Figuren nach den Bewegungsprinzipien zu suchen, aus denen sie sich zusammensetzen. Das wurde später zu einer entscheidenden Voraussetzung meines eigenen Unterrichtskonzeptes.

*Ich habe darüber ausführlich in meinem Beitrag über die „base“ geschrieben. 

Eduardo war übrigens in meiner Unterrichtslaufbahn als Tanzschüler der erste Tango-Lehrer, der in einem Workshop 1990 in Köln, die „base cruzada“ – die gekreuzte Base – tanzte und  unterrichtete.

Von Eduardo zu Naveira und Salas

Die Untersuchungen von Gustavo Naveira und Fabián Salas haben für die moderne Tangoausbildung eine enorme Bedeutung. Sie beschäftigten sich systematisch mit den Möglichkeiten des Tanzes, mit parallelen und gekreuzten Schrittsystemen, mit Bewegungsrichtungen und mit den strukturellen Zusammenhängen einzelner Positionen.

Diese Untersuchungen machten sichtbar, dass sich Tango nicht auf eine begrenzte Sammlung überlieferter Figuren reduzieren lässt.

Eduardos Wissen über die historischen Entwicklungen hatte für mich eine ergänzende Bedeutung. Seine Erklärungen machten mir verständlich, weshalb sich bestimmte Bewegungsformen im Tango herausgebildet haben könnten und wie daraus das umfangreiche choreografische Repertoire entstanden ist, das uns heute zur Verfügung steht.

Aus der Beschäftigung mit diesen Zusammenhängen entwickelte sich im Laufe der Jahre meine eigene Vorstellung davon, wie man Tango unterrichten sollte.

Ich wollte meine Schüler nicht einfach eine möglichst große Zahl von Figuren auswendig lernen lassen. Sie sollten verstehen, welche Bewegungsmöglichkeiten der Tango bietet, wie diese miteinander zusammenhängen und wie man sie im improvisierten Tanz anwenden kann.

Das führte mich schließlich zu einer Unterrichtsauffassung, in der Schrittsysteme, Bewegungsorganisation, Musikalität und die tatsächlichen Bedingungen auf einer Milonga wesentlich wichtiger wurden als das Auswendiglernen vorgegebener Figurenfolgen.

Eduardo war an dieser Entwicklung in ganz erheblichem Maße beteiligt. Ohne die Gespräche mit ihm wäre mein heutiges Unterrichtskonzept wahrscheinlich nicht in dieser Form entstanden.

Ich kann deshalb mit Überzeugung sagen, dass er zu den Menschen gehört, die mein Tango-Verständnis am stärksten geprägt haben.

Ein Tänzer, der die Geschichte nicht nur kannte, sondern erlebt hatte

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Eduardo und vielen heutigen Tangolehrern liegt darin, dass er verschiedene historische Entwicklungen noch selbst erlebt hatte.

Er kannte die Tanzkultur der Stadtteilclubs aus seiner Jugend. Er hatte die professionellen Tänzer der großen Orchester kennengelernt und mit ihnen gearbeitet. Er erlebte den Tango der Cabarets, der Theater und des Fernsehens.

Später gehörte er zu den Künstlern, die den Tango Argentino international auf den großen Bühnen bekannt machten. Und schließlich erlebte er auch die Veränderungen, die durch die weltweite Verbreitung des Tangos und die neuen Generationen von Tänzern entstanden.

In seinem Leben verbinden sich damit mehrere Entwicklungsphasen, über die wir heute häufig getrennt sprechen.

Die Kultur der Milongas, die professionelle Bühnenshow und die spätere internationale Tangoausbildung waren für ihn keine voneinander isolierten Welten. Er hatte in allen drei Bereichen gearbeitet. Gerade deshalb konnte er die Unterschiede so präzise erklären.

Eine Choreografie zu „Milongueando en el 40“

Ein besonders interessantes Beispiel für Eduardos Arbeit als Choreograf findet sich in seinem Interview bei Patio de Artistas. Dort erzählt er ausführlich von seiner berühmten Choreografie zum Tango Milongueando en el 40.

Ursprünglich hatte er das Stück bereits bei Auftritten mit dem Orchester von Armando Pontier getanzt. Als er es später für die Produktion Tango Argentino verwenden wollte, benötigte er eine stärkere musikalische Schlusswirkung.

Die vorhandene Orchesterfassung besaß jedoch keine entsprechende Schlussvariation. Eduardo wandte sich deshalb an José Libertella, der für die Bühnenproduktion eine passende Variation arrangierte. Damit konnte die Choreografie auf einen musikalischen Höhepunkt hin entwickelt werden.

Eduardo berichtete später begeistert von der Wirkung auf das Publikum.

Diese Geschichte ist ausgesprochen aufschlussreich. Hier wurde die Musik für eine choreografische Aufgabe verändert. Der Tänzer und Choreograf benötigte einen musikalischen Spannungsbogen, der auf der Bühne eine bestimmte Wirkung erzielen sollte.

Für eine professionelle Tanzshow war das sinnvoll. Auf einer Milonga dagegen hätte Eduardo die Musik genommen, wie sie gespielt wurde, und dazu improvisiert.

Ein besseres Beispiel für die unterschiedlichen Anforderungen von Bühnentango und Club-Stil kann man sich kaum wünschen.

Was Eduardo über Tango-Unterricht dachte

Eduardo war keineswegs mit allem einverstanden, was sich im Laufe der Jahrzehnte im Tango-Unterricht entwickelte. In seinen Interviews kritisierte er immer wieder, dass viele Lehrer ihren Schülern hauptsächlich Figuren beibrächten, ohne ausreichend auf Musikalität, gutes Gehen und die Grundlagen des sozialen Tanzes einzugehen.

Im Interview von 2023 beklagte er beispielsweise, dass zu viele Bewegungsabläufe unterrichtet würden, die den Schülern auf einer Milonga wenig nützten. Er legte großen Wert darauf, dass die Tänzer den musikalischen Rhythmus verstehen und ihre Schritte entsprechend setzen können.

Auch das Gehen hatte für ihn eine besondere Bedeutung. In einem Interview von 2016 fasste er diesen Gedanken sinngemäß so zusammen: Wer gut gehen kann, kann auch gut tanzen.

Damit meinte er selbstverständlich mehr als das gewöhnliche Gehen im Alltag. Es ging um das musikalische, kontrollierte und mit der Partnerin verbundene Gehen im Tango.

Ebenso wichtig war ihm ein rücksichtsvoller Umgang mit der Partnerin. Wenn man mit einer unbekannten Frau tanze, müsse man zunächst herausfinden, was sie könne und welche Bewegungen gemeinsam möglich seien.

Man solle nicht sofort versuchen, möglichst komplizierte Figuren zu tanzen. Er empfahl, zunächst einige Musikstücke miteinander zu tanzen, um ein Gefühl füreinander zu entwickeln. Die Führung sollte weich und ohne unnötige Kraft erfolgen.

Ich finde diese Aussagen bemerkenswert, weil sie von einem Mann stammen, der selbst die schwierigsten Showchoreografien beherrschte. Gerade er wusste, dass gutes Tanzen auf einer Milonga andere Fähigkeiten verlangt.

Die Tanzfläche als eigentliche Schule

Eine weitere Aussage Eduardos aus dem Interview von 2023 halte ich für besonders wichtig. Sinngemäß erklärte er, dass jemand, der Bühnentango tanzen möchte, zunächst lernen müsse, auf einer Tanzfläche Tango zu tanzen.

Wer das nicht könne, könne möglicherweise tanzen, beherrsche aber noch nicht den Tango. Umgekehrt müssten auch erfahrene Milongatänzer zusätzliche Fähigkeiten erwerben, wenn sie auf einer Bühne auftreten wollten.

Das ist eine sehr differenzierte Auffassung. Eduardo stellte den Showtango keineswegs grundsätzlich infrage. Schließlich hatte er selbst einen großen Teil seines Lebens damit verbracht.

Er kannte aber die unterschiedlichen Anforderungen beider Tanzformen. Und er hielt die Erfahrung des sozialen Tangos für unverzichtbar.

Diese Überzeugung zieht sich durch seine gesamte tänzerische Biografie. Bereits als junger Mann hatte er die Prácticas verschiedener Stadtteile besucht. Später wurde er professioneller Bühnentänzer, ohne deshalb seine Verbindung zu den Milongas aufzugeben.

Noch im hohen Alter war ihm wichtig, dort zu tanzen und den Kontakt zur eigentlichen Tangokultur zu bewahren.

Eduardo als Lehrer

Eduardos Bedeutung für die internationale Tangoszene beschränkt sich keineswegs auf seine Auftritte. Gemeinsam mit Gloria unterrichtete er über Jahrzehnte zahlreiche Tänzer, von denen später einige selbst zu international bekannten Künstlern und Lehrern wurden.

Zu den Namen, die in einem Interview von 2016 in diesem Zusammenhang genannt werden, gehören unter anderem Javier Rodríguez, Geraldine Rojas, Roberto Herrera, Vanina Bilous, Guillermina Quiroga, Roberto Reis, Miguel Ángel Zotto, Milena Plebs, Carlos Gavito sowie Sebastián Arce und Mariana Montes.

Dabei sollte man solche biografischen Aufzählungen nicht missverstehen: Die späteren tänzerischen Entwicklungen dieser Künstler lassen sich selbstverständlich nicht auf den Einfluss eines einzigen Lehrerpaares zurückführen. Aber sie zeigen, welche Bedeutung Gloria und Eduardo für mehrere Generationen von Tangotänzern besaßen.

Auch in Deutschland habe ich Eduardo mehrfach erlebt. Besonders erinnere ich mich an seine Kenntnisse der historischen Tangostile.

Bei einem Workshop im Düsseldorfer Tanzhaus beschäftigte er sich gemeinsam mit Gloria ausführlich mit diesen historischen Entwicklungen. Solche Veranstaltungen waren für mich besonders wertvoll, weil es dabei um mehr ging als um das Erlernen einer weiteren Figurenkombination.

Eduardo konnte erklären, aus welchen Zusammenhängen bestimmte Bewegungsformen hervorgegangen waren, wie sie sich verändert hatten und weshalb manche davon schließlich aus der allgemeinen Tanzpraxis verschwanden. Seine Vermittlung beruhte auf einem ungewöhnlich großen Erfahrungsschatz.

Die Geschichte des Tangos als Forschungsaufgabe

Eduardo verwendete für seine Beschäftigung mit der Tangogeschichte ausdrücklich den Begriff Forschung. Er sammelte Informationen über frühere Tänzer, beobachtete unterschiedliche Stile, beschäftigte sich mit historischen Bewegungsformen und versuchte, deren Entstehung zu verstehen.

Dabei interessierte ihn auch der Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und tänzerischer Entwicklung. Er beschäftigte sich mit der Kleidung, den räumlichen Bedingungen der Tanzveranstaltungen und den unterschiedlichen sozialen Umgebungen, in denen Tango getanzt wurde.

Auch seine Bühnenshows enthielten historische Rekonstruktionen. So gestaltete er Szenen, die frühere Lebenswelten von Buenos Aires darstellen sollten, darunter das Milieu der Conventillos und der alten Stadtviertel.

Natürlich darf man solche choreografischen Rekonstruktionen nicht mit einer unmittelbaren Dokumentation historischer Tanzpraxis verwechseln. Aber sie zeigen, wie intensiv Eduardo versuchte, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Was mich daran immer beeindruckte, war seine Neugier. Er gehörte keineswegs zu den Tänzern, die sich damit zufriedengaben, etwas deshalb für richtig zu halten, weil man es schon immer so gemacht habe. Er wollte wissen, wie etwas entstanden war.

Gloria und Eduardo – auch privat ein außergewöhnliches Paar

Bei allem, was ich bisher über Eduardos tänzerische und historische Bedeutung geschrieben habe, darf seine jahrzehntelange Partnerschaft mit Gloria nicht zu kurz kommen. Die beiden teilten fast ihr gesamtes Erwachsenenleben.

Sie waren Ehepartner, Eltern, Tänzer, Choreografen und Lehrer. Ihre gemeinsamen Auftritte führten sie auf Bühnen rund um die Welt. Sie arbeiteten mit berühmten Orchestern, standen vor Fernsehkameras, gründeten eigene Produktionen und unterrichteten gemeinsam.

In Interviews erzählen sie aber auch mit Humor von ihrer Beziehung und den Schwierigkeiten eines so langen gemeinsamen Lebens. Besonders sympathisch finde ich, dass ihre Aussagen gelegentlich durchaus unterschiedliche Sichtweisen erkennen lassen.

Sie waren zwei eigenständige Persönlichkeiten. Vielleicht war gerade das eine wichtige Voraussetzung für ihre jahrzehntelange Zusammenarbeit.

2006 wurden Gloria und Eduardo von der Stadt Buenos Aires zu Ciudadanos Ilustres, also herausragenden Bürgern der Stadt, ernannt. Damit wurde ihr außerordentlicher Beitrag zur internationalen Verbreitung des argentinischen Tangos offiziell gewürdigt.

Gloria starb im April 2020. Mit ihr verlor Eduardo nicht nur seine Ehefrau, sondern auch jene Partnerin, mit der er den größten Teil seines künstlerischen Lebens gestaltet hatte. Ihre gemeinsame Geschichte bleibt untrennbar mit seinem Namen verbunden.

Ein Tänzer, der auch im hohen Alter nicht aufhörte

Viele professionelle Tänzer beenden ihre Bühnenkarriere irgendwann, ziehen sich zurück und beschränken sich anschließend auf den Unterricht. Eduardo blieb dem Tanzen bemerkenswert lange verbunden.

In einem Interview, das 2023 veröffentlicht wurde, ist eine Tanzvorführung von ihm im Salón Canning vom August 2018 dokumentiert. Er war damals 81 Jahre alt und stand kurz vor seinem 82. Geburtstag.

Schon in dem Buch über Huracán von 2013 wird berichtet, dass Gloria und Eduardo weiterhin regelmäßig auf Milongas tanzten. Noch 2025 wurden Unterrichtsstunden mit Eduardo angekündigt. Und im August 2026 stand ein öffentliches Gespräch mit ihm auf dem offiziellen Programm des Festivals Tango BA in Buenos Aires.

Ob er inzwischen noch regelmäßig auf Milongas tanzt, weiß ich nicht. Aber bereits diese lange Kontinuität ist bemerkenswert. Ein Mann, der als Kind in den Stadtteilclubs von Buenos Aires mit dem Tango begann und mehr als siebzig Jahre später immer noch mit dieser Tanzkultur verbunden ist.

Dabei scheint mir der Gedanke wichtig, dass sich gutes Tanzen im Laufe eines Lebens verändert. Mit achtzig Jahren tanzt man anders als mit zwanzig oder dreißig.

Aber Musikalität, Erfahrung, Bewegungskontrolle und die Fähigkeit, sich auf einen Partner einzustellen, verschwinden nicht zwangsläufig mit zunehmendem Alter. Eduardos privater Tanzstil zeigt, wie viel ein erfahrener Tänzer mit vergleichsweise einfachen Bewegungen ausdrücken kann.

Darin liegt für mich eine besondere Qualität.

Welche Bedeutung Eduardo für mein eigenes Tango-Verständnis hat

Ich unterrichte seit mehr als vierzig Jahren Tango Argentino. In dieser Zeit habe ich bei vielen Tänzern und Lehrern gelernt, zahlreiche unterschiedliche Unterrichtsmethoden kennengelernt und mich intensiv mit den strukturellen Möglichkeiten des Tangos beschäftigt.

Einige Begegnungen haben meine Auffassung vom Tanzen und Unterrichten besonders nachhaltig beeinflusst. Eduardo Arquimbau gehört für mich zweifellos dazu.

Seine historischen Erklärungen haben mir geholfen, die choreografische Entwicklung des Tangos besser zu verstehen. Seine Unterscheidung zwischen Bühnentango und Club-Stil hat mir deutlich gemacht, wie wichtig es ist, den Tango der Milongas als eigenständige Tanzpraxis ernst zu nehmen.

Und seine tänzerische Haltung hat mich darin bestärkt, dass umfangreiches Können nicht zwangsläufig durch komplizierte Figuren sichtbar werden muss. Ein guter Tänzer kann sehr viel wissen und trotzdem ganz einfach tanzen.

Er kann über ein großes Bewegungsrepertoire verfügen, ohne dieses bei jeder Gelegenheit vollständig vorführen zu müssen. Er muss improvisieren können, auf die Musik hören, sich auf seine Partnerin einstellen und die anderen Paare auf der Tanzfläche berücksichtigen.

All das waren für Eduardo selbstverständliche Bestandteile des Tangos. Diese Erfahrungen haben meine eigene Unterrichtsauffassung entscheidend mitgeprägt.

Heute versuche ich, meinen Schülern vor allem die Zusammenhänge zu vermitteln, aus denen improvisierter Tango entsteht. Sie sollen lernen, sich auf einer Milonga zurechtzufinden, musikalisch zu tanzen und ihre Bewegungen situationsgerecht einzusetzen.

Das hat viel mit den strukturellen Untersuchungen von Gustavo Naveira und Fabián Salas zu tun. Aber ebenso viel mit den historischen Erklärungen, die ich von Eduardo erhalten habe.

Er war für mich gewissermaßen eine wichtige Verbindung zwischen der gelebten Geschichte des Tangos und seinem späteren systematischen Verständnis. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar.

Neunzig Jahre Eduardo Arquimbau

Am 28. November 2026 wird Eduardo neunzig Jahre alt. Er gehört zu den wenigen noch lebenden Tänzern seiner Generation, die einen großen Teil der Entwicklung des argentinischen Tangos seit den 1940er- und 1950er-Jahren aus unmittelbarer Erfahrung kennen.

Er hat in den Clubs von Buenos Aires getanzt, mit den großen Orchestern gearbeitet, den Tango auf internationale Bühnen gebracht, Generationen von Tänzern unterrichtet und sich intensiv mit der Geschichte seines Tanzes beschäftigt.

Er hat gemeinsam mit Gloria dazu beigetragen, dass Menschen auf der ganzen Welt den Tango Argentino kennenlernen konnten. Und er hat dabei nie vergessen, woher sein eigener Tango kam: aus den Stadtteilen von Buenos Aires, aus den Prácticas, aus den Milongas und aus der unmittelbaren Begegnung zweier Menschen zur Musik.

Wenn ich heute an Eduardo denke, sehe ich deshalb nicht in erster Linie den berühmten Showtänzer. Ich denke an den erfahrenen Milonguero, an seine Neugier, an sein historisches Wissen, an unsere vielen Gespräche und an den Einfluss, den er auf mein eigenes Tango-Verständnis hatte.

Ich denke auch an Gloria, mit der er über Jahrzehnte eine außergewöhnliche künstlerische und persönliche Partnerschaft führte. Und ich freue mich, dass er mir nach all den Jahren noch einen persönlichen Videogruß geschickt hat.

Lieber Eduardo, vielen Dank für alles, was ich von Dir lernen durfte, für die vielen Begegnungen und Gespräche und für Deinen großen Beitrag zum Tango Argentino.

Ich wünsche Dir zu Deinem neunzigsten Geburtstag von Herzen alles Gute, Gesundheit und noch viele schöne Begegnungen mit der Musik und dem Tango.

¡Feliz cumpleaños, querido Eduardo! ¡Un abrazo muy fuerte!

Quellen und weiterführende Dokumentationen

Todo Tango – Eduardo Arquimbau. Biografischer Eintrag von Luis Alposta und Oscar Himschoot, mit Angaben zu Geburt, Karriere und internationaler Tätigkeit.

https://www.todotango.com/creadores/biografia/1611/Eduardo-Arquimbau/

Flavia Mercier: Eduardo Arquimbau – Me atreví siempre a todo, soy investigador. Patio de Artistas, 5. März 2023. Ausführliches Interview über Eduardos Jugend, historische Tanzstile, seine Tätigkeit als Choreograf und den Unterschied zwischen Tango auf der Bühne und auf der Milonga.

https://patiodeartistas.com/2023/03/05/entrevista-a-eduardo-arquimbau/

Maria Laura Giovagnini: Gloria y Eduardo Arquimbau – (quasi) 60 anni di amore e tango. iO Donna, 10. Juni 2016. Gemeinsames Interview mit Gloria und Eduardo über ihre Ehe, Karriere, Tanzgeschichte und Unterrichtsauffassung.

https://blog.iodonna.it/tango/2016/06/10/gloria-y-eduardo-arquimbau/

Gobierno de la Ciudad de Buenos Aires: Gloria y Eduardo Arquimbau, pareja emblemática de nuestro tango. 23. August 2013. Offizielle Würdigung und Interview.

https://buenosaires.gob.ar/noticias/gloria-y-eduardo-arquinbau

Néstor Vicente und Luis Carlos Ruiz: Un globo acunado en barrio y tango. Al Arco Ediciones, Buenos Aires 2013, insbesondere Seiten 46–48. Persönliches Gespräch mit Eduardo über den Club Huracán und seine Verbundenheit mit dem Stadtteil.

https://admin.cahuracan.com/wp-content/uploads/2020/07/UN-GLOBO-ACUNADO-EN-BARRIO-Y-TANGO.pdf

The Argentine Tango Society: Gloria y Eduardo, el abrazo eterno. Dokumentarfilm von Daniel Tonelli und Marcelo Turrisi, 2019, 30 Minuten.

https://www.theargentinetangosociety.com/about-1

Tango BA – Festival und Mundial 2026. Veranstaltungsprogramm vom 25. August 2026 mit einem angekündigten öffentlichen Gespräch mit Eduardo Arquimbau.

https://tangoba.org/festival-mundial/actividades-del-festival/

Daniel Trenner – The Tango Archives. Historische Aufnahmen des Tango Argentino, Interviews und Unterrichtsmaterialien.

https://danieltrenner.com/the-tango-archives/

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