Oder: Warum manche Werbung lesen, als wäre sie ein Ehevertrag
Es gibt Menschen mit einem einem erstaunlich zählebigen Hobby: Werbeversprechen wörtlich zu nehmen. Nicht als Einladung, nicht als Überzeichnung, sondern als verbindliche Zusage mit Anspruch auf vollständige Erfüllung.
„Alles läuft wie von selbst.“
„Mehr Lebensfreude.“
„Unvergessliche Abende.“
Und irgendwo sitzt jemand, reibt sich die Schläfen, fasst sich an den Kopf und stellt fest:
Also bei mir war da nichts unvergesslich.
Man kann sich darüber eigentlich nur an die Stirn fassen. Nicht, weil Werbung immer lügt, sondern weil offenbar vergessen wird, wozu sie existiert. Werbung ist kein Eid, kein Ehrenwort und kein Heiratsversprechen. Sie ist ein Instrument im Konkurrenzkampf. Und ja: Natürlich glaubt irgendjemand daran. Sonst wäre sie sinnlos.
Niemand wirbt aus Altruismus. Niemand formuliert Webseiten, um möglichst unauffällig unterzugehen.