Ein psychologischer Exkurs (ergänzt)
Ein psychologischer Exkurs (ergänzt)
Oder: Warum es nicht unbedingt ein Vorteil ist, „von Anfang an“ dabei gewesen zu sein
In einer laufenden Blogdiskussion musste ein bestimmter Blogger wieder einmal beweisen, dass er nur ein Argument wirklich beherrscht: das Baujahr als Kompetenzbeleg.
Er versuchte, einen sehr erfahrenen Tänzer abzuwerten, weil dieser nicht „bei den wilden, alten Tangozeiten“ dabei gewesen sei.
Als hinge Verständnis davon ab, ob man zufällig ein paar Jahre früher oder später angefangen hat.
Ich kenne diese Denke.
Ich habe selbst sehr früh begonnen – und weiß genau, wie viel Unsinn man damals lernte. Wer stolz auf diese Frühzeit ist, hat sie entweder vergessen oder nie verstanden.
Oder: Warum manche Werbung lesen, als wäre sie ein Ehevertrag
Es gibt Menschen mit einem einem erstaunlich zählebigen Hobby: Werbeversprechen wörtlich zu nehmen. Nicht als Einladung, nicht als Überzeichnung, sondern als verbindliche Zusage mit Anspruch auf vollständige Erfüllung.
„Alles läuft wie von selbst.“
„Mehr Lebensfreude.“
„Unvergessliche Abende.“
Und irgendwo sitzt jemand, reibt sich die Schläfen, fasst sich an den Kopf und stellt fest:
Also bei mir war da nichts unvergesslich.
Man kann sich darüber eigentlich nur an die Stirn fassen. Nicht, weil Werbung immer lügt, sondern weil offenbar vergessen wird, wozu sie existiert. Werbung ist kein Eid, kein Ehrenwort und kein Heiratsversprechen. Sie ist ein Instrument im Konkurrenzkampf. Und ja: Natürlich glaubt irgendjemand daran. Sonst wäre sie sinnlos.
Niemand wirbt aus Altruismus. Niemand formuliert Webseiten, um möglichst unauffällig unterzugehen.
Nach meinem letzten Artikel über Authentizität und Imitation hat ein gewisser Blogger wieder einmal gezeigt, was passiert, wenn man über Tango redet, statt ihn nur zu feiern: Er erklärte, er habe vor allem „Spaß“. Das ist schön, nur war das nie das Thema. Denn wenn „Spaß“ plötzlich als Gegenargument zu Wissen, Technik oder Qualität herhalten muss, wird es absurd.
Immer wenn es um Können, Musikalität oder Bewegung geht, taucht zuverlässig dieser Satz auf: „Ich habe wenigstens Spaß.“ Was wie ein freundlicher Satz klingt, ist in Wahrheit eine Ausrede – die letzte Zuflucht der Bequemen. Das Spaß-Argument ist die Niederlage derer, die sich der Anstrengung verweigern. Eine Absage an Entwicklung, Verfeinerung, Neugier.
Vorbemerkung In der Tango-Szene wird aus Gründen der tänzerischen Kompatibilität immer wieder auf dieselben Tanzmuster zurückgegriffen. Viele Tänzerinnen und Tänzer – ob auf Milongas oder Encuentros – tanzen deshalb sehr ähnliche, oft eintönige Abläufe. Nun stellt sich die Frage:Ist es notwendig, ständig Neues zu kreieren, oder sollte man – wie bei den Gesellschaftstänzen – der Norm den Vorrang geben? Was ich kritisiere, ist, dass sich viele in diesen Gruppen einbilden, authentisch zu tanzen, was aber gar nicht der Fall ist.Worum […]
Ein sehr subjektiver Beitrag Nachtrag (1. Dezember, abends) Ich habe diesen Artikel nachträglich ergänzt, nachdem ich einen älteren Beitrag von Jochen Lüders aus dem Jahr 2022 gelesen hatte. Darin hält er sämtliche Bemühungen von DJs, ihre Stücke spontan an die jeweilige Situation auf der Piste anzupassen, für überflüssiges „Gedöns“ und „Geschwurbel“. Fertige Playlisten seien seiner Meinung nach deutlich sinnvoller – und würden vor allem den Stress beim ständigen Suchen vermeiden. Ich glaube das nicht und werde das auch begründen. Hier […]
Ein kleines Resümee • eine Rückschau und Reflexion Das ist nun der 30. Teil der Reihe „Gedanken über Tango-Unterricht“ – eigentlich waren es mehr, weil manche Themen mehrere Teile hatten. Zeit also, mal ein kleines Resümee zu ziehen. Ehrlich gesagt, haben mich manchmal die Diskussionen mit anderen Bloggern oft mehr Energie gekostet als die inhaltliche Arbeit an Tango-Themen selbst. Die vorübergehende „Beheimatung“ einiger Kommentatoren, die bei Gerhard Riedl geblockt wurden und dann bei mir schrieben, hat zwar ordentlich Traffic gebracht […]
In der Tango-Szene prallt man erstaunlich oft auf eine merkwürdige Abwehrhaltung gegenüber anderen Tänzen – und auf dieses Bedürfnis, dem eigenen Tango-Dasein ein kleines Elite-Abzeichen anzupappen. Das Muster ist alt: Der eigene Stil wird hochgehoben, der Rest abgewertet. Und das passiert nicht nur im Tango. Auch in Salsa-, Swing- oder Caribic-Szenen herrscht eine ähnliche Allergie gegen alles, was nicht ins eigene Klangbild passt.
Früher konnte ein normaler Tänzer mehrere Tänze – heute beherrschen die meisten nur noch ihren einen Stil und vielleicht ein paar nahe Verwandte wie Tango-Vals, Milonga oder Chachachá. Die Ablehnung anderer Musikrichtungen hat dabei oft denselben Grund: Man versteht die Bewegung nicht, also versteht man den Spaß nicht. Und was man nicht versteht, wird gerne als „nicht meins“ abgestempelt.
Kurios ist, dass die Tango-Szene ausgerechnet die Chacarera ohne Murren akzeptiert – vermutlich, weil man in Buenos Aires gemerkt hat, dass viele Südamerikaner ein Grundrepertoire an verschiedenen Tänzen haben und man das deshalb als „zum Tango gehörig“ durchwinkt.
Ob man Freunde zum Tango-lernen überreden sollte, und wenn, wie?
Blogger-Kollege Yokoito hat einen ausführlichen Text veröffentlicht – auf Englisch, wohlgemerkt. Und ich schreibe es gleich offen: Ich verstehe nicht, warum man einen Beitrag über Tango-Einsteiger in einer Sprache verfasst, von der man weiß, dass der überwiegende Teil der Leserschaft sie nicht flüssig liest. Die Kommentarspalten sprechen eine klare Sprache: Kaum jemand reagiert, weil sich schlicht kaum jemand die Mühe macht, sich durch einen langen englischen Text zu arbeiten, denn die meisten Kommentare sind in Deutsch. Damit schränkt man die Diskussion unnötig ein.
Aber zum Inhalt.
Er schlägt einen „SCHNELLTEST ZUR TANGO-EIGNUNG“ vor, um herauszufinden, ob Tango etwas für jemanden sei. Klingt erst mal hübsch – hat aber mit der Realität des Lernens wenig zu tun.
Teil 29.) | Ein persönlicher Blick auf Musikalität und Selbstüberschätzung
Ich kenn das selbst – als Tango-Lehrer steht man dauernd zwischen zwei Welten: Technik und Tanz. Und oft verliert man dabei das Wichtigste aus den Augen – den Tango als Musik.
Ich ertappe mich immer wieder dabei, zu sehr an Haltung, Schrittlänge oder Achse zu feilen, statt mich zu fragen: Hilft das meinen Schülern, die Musik besser zu hören? Oder hilft es ihnen nur, „sauberer“ auszusehen?
Viele hören nämlich gar nicht die Musik, sondern nur den Takt. Eins-zwei-drei-vier. Das ist okay für den Anfang, aber Tango ist so viel mehr. Es geht darum, die Stimmung, die Phrasen, den Atem der Musik zu spüren – und sie mit Bewegung zu beantworten.
Habe im Kommentarteil noch einen aktuellen Kommentar abgesetzt: Ein kleines Psychogramm über Riedl
Ich bin mehrmals von einer Freundin ermahnt worden, mich auf meinem Blog nicht mehr auf Gerhard Riedl zu beziehen – aber er hängt an meinem Blog wie eine Klette. Offenbar, weil er seine merkwürdigen Sticheleien immer noch für Satire hält und glaubt, seine ohnehin ideenarme Thematik mit einer Art digitaler Schulhofschlägerei aufpeppen zu können – bekanntlich ein Mittel, um den Traffic nach oben zu treiben.
Nur diesmal ist er etwas zu weit gegangen: Wenn er meine Aussagen plötzlich als identisch mit seinen eigenen ausgibt und mir bei jeder Klärung oder Differenzierung „Zurückrudern“ und „zwei Wendels“ bescheinigt, wird es Zeit, die Dinge geradezurücken.
oder: Den Nippel durch die Lasche ziehen Eigentlich wollte ich mich hier gar nicht auf eine Schlammschlacht einlassen, aber ich möchte auf mehrfach geäußerte Kritik bezüglich meiner Sprache in meinem Blog eingehen. Außerdem ein Thema ansprechen, was mich schon länger beschäftigt: Tango Masterclasses!Da beide Themen zufällig über den nachfolgend genannten Blogger miteinander verkettet sind, dieser Artikel. Das Titelbild wird auch erst zum Schluss des Artikels verständlich. Blogger Jochen Lüders widmete mir einen ganzen Artikel, in dem er mir eine „verschraubte […]
Ein weiterer Versuch zur Klärung
Ausnahme oder Regel?
Im letzten Artikel über „Das Konzept eines Tanzes“ bekam ich einen kritischen Kommentar von „Chicho Lüders“. Unter diesem Pseudonym bedankte er sich ironisch bei mir, den großen Tango-Spitzenpaaren endlich das „wahre Konzept des Tango“ erklärt zu haben. Als Beleg verwies er auf seine Blog-Seite, wo er Videos mit Spitzenpaaren präsentiert, die natürlich auch zu Neo- oder Non-Tango-Stücken hervorragend tanzen können. Nur: das ist nicht der Punkt.
Ich habe nie bestritten, dass Non- oder Neo-Tango tanzbar ist – schon gar nicht von Profis, die jedes Musikstück mit Eleganz und Können meistern. Aber wer diese Ausnahmefälle heranzieht, um die Regel zu beweisen, verfehlt das Thema.
Wie Gefühle und Erinnerungen unseren Musikgeschmack prägen – und warum das im Tango besonders stark wirkt
In der Tango-Welt müsste ich mich wohl als Egoist bezeichnen – zumindest, wenn ich all das ernst nehme, was man so hört oder liest, was man in Milongas oder Tanzschulen angeblich „zu tun“ oder „zu leisten“ hat. Im Laufe meines Tangolebens sind mir viele Idealvorstellungen begegnet. Wenn ich sie alle erfüllt hätte, wäre ich heute ein wahrer Messias: ein Tango-Altruist, ein Retter der Damenwelt über 50, ein pausenlos beschäftigter, ehrenamtlicher Tangolehrer ohne Unterrichtsraum – vor allem aber: pleite, ausgebrannt und […]
Warum Generationenzuschreibungen die Gesellschaft – und den Tango – spalten
Es scheint, als würden sich die Generationen zunehmend nicht mehr verständigen, sondern abgrenzen – und das mit wachsender Schärfe.
Was bedeuten die Begriffe Boomer, Gen X, Y, Z eigentlich?
Welche gesellschaftlichen Leistungen und Versäumnisse werden diesen Gruppen zugeschrieben – und wie gerechtfertigt ist das?
Welche Rolle spielen soziale Medien bei der Zuspitzung von Generationenkonflikten?
Und schließlich: Wie zeigen sich all diese Dynamiken in der Tangowelt?
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