If We Don’t Have to Think While Dancing – How Do We Learn It?

An addition to Tom Tabaczynski’s theory of motor learning


In a discussion about my article, Tom Tabaczynski raised an interesting question: Do we think about what we are doing when we drive a car? Do we consciously think about grammatical rules when we speak? Why, then, should we assume that dancing is based on conscious decisions made according to rules previously learned in lessons?

Two different questions are being merged here: How is a developed skill performed? And how is that skill acquired?

Gedanken über Tango Unterricht | 63. Teil

Somatic Milonguero von Tom Tabaczynski – Unterricht überflüssig oder grundsätzlich anders?


Dieser offensichtlich lange Beitrag ist keine klassische Buchrezension. Somatic Milonguero von Tom Tabaczynski ist für mich vielmehr Anlass, einige grundsätzliche Fragen über Tango-Unterricht neu zu betrachten. Vieles in diesem Buch berührt Themen, mit denen ich mich seit Jahrzehnten beschäftige. Manches bestätigt Erfahrungen, die ich selbst im Unterricht gemacht habe, anderes hat mich zum Widerspruch gereizt, und bei einigen Gedanken habe ich meine Meinung während des Lesens mehrfach verändert. Deshalb möchte ich das Buch weniger bewerten als seine Thesen an meiner eigenen Erfahrung mit Tango, Lernen und Unterricht überprüfen.

Thoughts on Tango Teaching | Part 63

Somatic Milonguero by Tom Tabaczynski – Is Teaching Unnecessary, or Does It Need to Be Fundamentally Different?


This obviously lengthy article is not a conventional book review. Somatic Milonguero by Tom Tabaczynsky is, for me, an opportunity to reconsider some fundamental questions about tango teaching. Much in this book touches on subjects I have been thinking about for decades. Some of it confirms experiences I have had in my own teaching, other parts have provoked disagreement, and on some points I changed my mind several times while reading. I therefore want less to evaluate the book than to examine its theses in the light of my own experience with tango, learning, and teaching.

Wenn ein weiterer Tango-Blog verstummt

Über das Ende einer kleinen Debattenkultur – und die Frage, ob es irgendwann auch für mich reicht


Es gab einmal eine Zeit, da war das Bloggen im Tango durchaus eine eigene kleine Welt. Man schrieb nicht nur Veranstaltungshinweise, kündigte Workshops an oder stellte das nächste Tangowochenende vor. Man vertrat Positionen, widersprach einander, berichtete von Erfahrungen, stritt über Musik, Unterricht, Tanzstile, Milongas, Traditionen und Veränderungen in der Szene. Manchmal war das klug, manchmal ärgerlich, manchmal überzogen. Aber immerhin wurde geschrieben.

Davon ist nicht mehr viel übrig.

Gedanken über Tango Unterricht | 62. Teil

>Improvisation im Tango beginnt mit Ordnung


Warum Anfänger klare Anleitungen brauchen – und Freiheit im Tango erst dann entsteht, wenn man etwas hat, worüber man entscheiden kann
Aus Anlass eines Blogs, der freies Lernen durch bloßes Ausprobieren propagiert, möchte ich dieses Märchen ein letztes Mal widerlegen. Nicht, weil ich grundsätzlich etwas gegen freies Lernen hätte. Im Gegenteil: Ich würde mich freuen – ja, wirklich freuen –, wenn dieses Konzept beim Tango zuverlässig funktionieren würde.

Nur warte ich bis heute auf belastbare Belege dafür. Eine kühne Behauptung wird schließlich nicht dadurch wahr, dass man sie oft genug wiederholt. Behaupten kann jeder, was ihm gerade einfällt. Interessant wird es erst dort, wo jemand zeigen kann, dass ein solcher Ansatz Anfänger tatsächlich zu einem funktionierenden gemeinsamen Tanz führt.

Gedanken über Tango Unterricht | 61. Teil

Der Schritt ist die Entscheidung

Warum sieht Tangogehen bei guten Tänzern so einfach aus?

Das Gehen im Tango wird oft als eine der schwierigsten Bewegungen überhaupt empfunden. Man übt und feilt jahrelang daran, und trotzdem sieht es manchmal noch ganz anders aus als bei wirklich guten Tänzerinnen und Tänzern. Bei ihnen scheint jeder Schritt genau dort zu landen, wo er hingehört. Da rutscht nichts nach, da wird nicht herumgeschlurft, und trotzdem wirkt die Bewegung weder steif noch angestrengt. Der Gang sieht federnd und kompakt aus, leicht und zugleich geerdet, kontrolliert und trotzdem locker und lässig.

Eigentlich müsste man dem Gehen deshalb im Training viel mehr Aufmerksamkeit schenken. Schließlich ist der modellierte Gang eines der wichtigsten musikalischen Ausdruckswerkzeuge, die wir beim Tango haben. Unsere Hände sind im Paartanz weitgehend mit anderen Aufgaben beschäftigt, also müssen Füße, Beine und Körper ausdrücken, was wir in der Musik hören. Trotzdem wird gerade das Gehen außerhalb des Unterrichts erstaunlich wenig geübt.

Dabei kennt fast jeder den Satz:
Wer gut geht, tanzt gut Tango.

Lesetip: Übungen zur Stärkung der Füße für Tango

Ich habe bei Feedspot einen interessanten Beitrag gefunden, den ich hier empfehlen möchte. Es geht darum, was starke, reaktionsfähige Füße beim Tanzen bewirken. Nämlich … weichere Pivots bessere Balance stabileres Gehen weniger Spannung im restlichen Körper Wie es dort schön heißt: „Im Tango beginnt alles am Boden.“ Leider habe ich den Namen des Autors nicht herausfinden können. Der Beitrag stammt aber von der Münchner Tangoschule „TANGO FLOW“.

Wie weit kann sich Tango überhaupt entwickeln?

Warum der soziale Tango vielleicht nicht stagniert, sondern nur anders wächst, als man es von außen sieht

Ich hatte in meinem Beitrag über eine mögliche zweite Época de Oro geschrieben, dass sich der Tango tänzerisch weiterentwickelt habe. Das stimmt auch, aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr muss man unterscheiden, wo diese Entwicklung eigentlich stattfindet und was wir unter Weiterentwicklung überhaupt verstehen. Sichtbar ist sie vor allem in der Profi-Szene, auf Bühnen und bei Wettbewerben. Dort sieht man eine technische Qualität, Bewegungsvielfalt und Körperbeherrschung, die weit über das hinausgeht, was vor einigen Jahrzehnten üblich war.

Auf normalen Milongas sieht man davon erstaunlich wenig. Genau da beginnt aber das Problem. Vielleicht erwarten wir von einem Gesellschaftstanz eine Form von Entwicklung, die unter seinen realen Bedingungen gar nicht dauerhaft möglich ist. Und vielleicht übersehen wir gleichzeitig eine andere Entwicklung, die längst stattfindet, weil sie weniger spektakulär und von außen kaum sichtbar ist.

Über Musikgeschmack lässt sich nicht herrschen

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, wie viel Energie man damit vergeuden kann, sich mit Menschen, Texten und Debatten zu beschäftigen, die einen ärgern. Man liest, widerspricht, erklärt und verteidigt sich – und am Ende bleibt vor allem Erschöpfung. Gleichzeitig habe ich die Musik wiederentdeckt. Nicht nur den Tango, sondern vor allem die Oper und die klassische Musik: Liszt, Tschaikowski, Grieg, Dvořák, Beethoven. Musik, die eine andere Welt öffnet, eine Welt der Konzentration, der Empfindung, der Größe und manchmal auch des Trostes.

Gerade in einer Zeit, in der Krieg, Machtgier und Zerstörung wieder so viel Raum einnehmen, wirkt diese Musik wie eine Gegenbewegung. Nicht, weil Musik Kriege verhindern könnte. Sie macht Menschen auch nicht automatisch besser, schließlich gingen selbst Diktatoren in die Oper. Aber sie erinnert daran, wozu Menschen ebenfalls fähig sind: zu Schönheit, Zusammenarbeit, Disziplin, Fantasie und etwas, das weit über den Augenblick hinausreicht.
Jeder Tyrann kann eine Stadt zerstören. Keiner von ihnen könnte eine Beethoven-Sinfonie schreiben.

Época de Oro II?

Während wir musikalisch noch von den 1940er-Jahren leben, hat sich der Tanz längst weiterentwickelt.

Mit der Época de Oro bezeichnet man gewöhnlich die große Zeit des Tango zwischen etwa Mitte der 1930er- und Mitte der 1950er-Jahre. Es war die Epoche der großen Orchester, Sänger, Komponisten und Arrangeure, aber ebenso eine Zeit, in der Tango gesellschaftlich tief verankert war. Tanzlokale, Rundfunk, Schallplattenproduktion und ein großes Publikum bildeten ein zusammenhängendes kulturelles System.

Die Musik entstand für die Gegenwart der damaligen Tänzer. Neue Stücke, neue Arrangements und unverwechselbare Orchesterstile konkurrierten miteinander. Buenos Aires war nicht nur das Zentrum des Tanzes, sondern zugleich ein Ort permanenter musikalischer Produktion.

Wenn heute von einer Época de Oro II gesprochen würde, könnte damit daher keine Wiederholung dieser Verhältnisse gemeint sein. Die Voraussetzungen haben sich grundlegend verändert.

Gedanken über Tango Unterricht | 60. Teil

Die Musik wechselt, aber der Tanz bleibt derselbe

In den ersten acht oder zehn Jahren lassen viele Aficionados auf einer Milonga kaum eine Tanda aus. Ganz gleich, welches Orchester gespielt wird: Hauptsache tanzen. Eine Tanda folgt der nächsten, eine Partnerin der anderen, und besonders auf Festivals oder Marathons wird der Daueraufenthalt auf der Piste fast zu einem Beweis der eigenen Begeisterung. Die Tangoszene ist in diesem Sinne tänzerisch ausgesprochen promiskuitiv. Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden. Wer viel tanzt, sammelt Erfahrungen, lernt unterschiedliche Partnerinnen kennen und entwickelt körperliche Sicherheit. Ohne Wiederholung und Praxis wird niemand ein guter Tänzer.

Doch viel Tanzen ist nicht automatisch gutes Üben. Die körperliche und geistige Ausdauer für dauerhaft hohe Qualität ist begrenzt. Ein guter Tango verlangt Konzentration, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, in jedem Augenblick Musik, Partnerin und Raum wahrzunehmen. Nach vielen Stunden nimmt diese Aufmerksamkeit zwangsläufig ab. Dann greift der Körper auf das zurück, was ihm am vertrautesten ist. Die Bewegungen laufen scheinbar von selbst, und genau das kann sich wie ein tänzerischer Höhepunkt anfühlen. Man ist wie in Trance. Doch dieses Hochgefühl ist trügerisch. Mühelosigkeit kann Freiheit bedeuten, sie kann aber ebenso gut nur das automatische Abspulen längst eingeschliffener Muster sein.

Tango Voice – Was von einem Manifest übrig blieb

Über Tango, Weltbilder und das Ende der Debatte

Manchmal lohnt es sich, zehn Jahre zurückzublicken. Nicht, weil man alte Rechnungen begleichen möchte, sondern weil man plötzlich erkennt, dass manche Debatten gar nicht alt geworden sind.

Ausgelöst wurde mein erneutes Interesse durch einen aktuellen Hinweis auf den amerikanischen Blog Tango Voice. Vor zehn Jahren sorgte dessen sogenanntes Tango Manifest für lebhafte Diskussionen – nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Damals übersetzte ein gewisser Blogger längere Passagen und machte den Blog hierzulande überhaupt erst einem größeren Publikum bekannt. Besonders der Blogger Yokoito setzte sich ausführlich und mit viel Ironie mit den dort vertretenen Positionen auseinander.

Ich habe die damalige Diskussion jetzt noch einmal gelesen. Dabei fiel mir etwas Überraschendes auf. Heute interessiert mich kaum noch, ob Tango Voice bei einzelnen Sachfragen recht oder unrecht hatte. Auch die Frage, ob der Blog jemals tatsächlich für die nordamerikanische Tangoszene sprach, erscheint rückblickend eher zweitrangig.

Viel interessanter ist etwas anderes: Die Debatte ist ein kleines Lehrstück darüber, wie Weltbilder entstehen. Wie aus persönlichen Vorlieben allgemeingültige Wahrheiten werden. Wie aus Geschmack plötzlich Moral wird. Und wie Kritik nicht mehr beantwortet, sondern erklärt wird.

Gedanken über Tango Unterricht | 59. Teil

Kann man Tango überhaupt lehren?

Noch vor dem Erscheinen eines Artikels auf einem anderen Blog war mir der Name Tom Tabaczynski schon einmal begegnet. Damals, ich glaube 2017, hatte ich einige seiner Texte gelesen und den Eindruck gewonnen, dass sich hinter seinen Überlegungen mehr verbirgt als die üblichen Workshop-Ankündigungen oder wohlklingenden Schlagworte. Heute wurde ich nun in einem englischsprachigen Tango-Blog erneut auf sein Buch Somatic Milonguero – Movement Awareness for Close Embrace Social Tango hingewiesen. Das erinnerte mich an meine frühere Recherche. Also habe ich mich noch einmal mit dem Autor beschäftigt – nicht mit dem Buch selbst, das ich nicht gelesen habe, sondern mit seiner Biografie und den Gedanken, die er seit vielen Jahren über Tango veröffentlicht.

Dabei wurde mir schnell klar, dass mich eigentlich gar nicht das Buch interessierte. Viel spannender fand ich die Frage, die hinter seinen Überlegungen steckt: Kann man Tango überhaupt lehren?

Tango, Neo-Tango und welche Freiheit?

Teil 3: Ein schönes Video und ein großes Wort

Auf der Suche nach Quellen für diesen Beitrag habe ich auf YouTube ein Video entdeckt, das den abschließenden Showtanz nach einem Neo-Tango-Wochenende in Bremen zeigt. Die Kursteilnehmer stehen um die Tanzfläche und filmen das Lehrerpaar. Eine typische Situation: Man hat ein Wochenende lang an Bewegungen gearbeitet und sieht am Ende zwei Menschen, bei denen all das leicht, flüssig und selbstverständlich aussieht.[…]

Uruguay – das Land der Gitarren

Eine Entdeckung im Taxi

Meine Begeisterung für Alfredo Zitarrosa begann vor ungefähr dreißig Jahren in einem Taxi in Buenos Aires. Der Fahrer spielte seine Musik. Ich weiß heute nicht mehr, welches Lied es war und ob es noch von einer Kassette oder bereits von einer CD kam. Aber ich erinnere mich an diese tiefe Stimme und vor allem an den glasklaren Klang der Gitarren. Ich fragte den Taxifahrer, wer da sang, ließ mir den Namen noch einmal genau sagen und ging kurz darauf zu Musimundo. Dort kaufte ich mir gleich eine ganze Sammlung mit Aufnahmen von Alfredo Zitarrosa. So einfach können musikalische Bildungswege manchmal sein. Man benötigt dazu weder einen Workshop noch eine Einführung durch einen selbsternannten Fachmann. Manchmal genügt ein Taxifahrer mit einem guten Musikgeschmack.

Wenn aus Selbstverständlichkeiten Workshops werden

Zunächst einmal muss man fair bleiben: Wer bei einem Workshop nicht dabei war, weiß nicht, was dort wirklich gemacht wurde. Man kennt vielleicht eine Ankündigung, einen Werbetext, einen nachträglichen Blogbeitrag oder ein paar Fotos. Daraus lässt sich kein seriöses Urteil über die praktische Arbeit ableiten. Vielleicht gab es gute Übungen, präzise Korrekturen und einen echten Nutzen für die Teilnehmenden. Vielleicht war der Workshop sogar hervorragend. Man weiß es nicht. Und genau darum geht es hier: nicht um die tatsächliche Qualität […]

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