Der Sanguichito – Mordida, Sandwich und Parada
Eine kleine Bewegung mit großer Geschichte
Der Sanguichito gehört zu jenen Bewegungen im Tango, die fast jeder Tänzer irgendwann lernt und die dennoch selten wirklich verstanden werden. Viele begegnen ihm relativ früh im Unterricht. Meist erscheint er als Teil einer kleinen Kombination: Rück-Ocho, Parada, Sandwich, Pasada. Eine hübsche Sequenz, leicht erklärbar, schnell gelernt. Doch wenn man genauer hinschaut, merkt man bald, dass der Sanguichito eigentlich keine Figur ist. Er ist vielmehr ein Moment im Tanz – ein kleines Ereignis zwischen zwei Füßen und damit auch zwischen zwei Menschen.
Die verschiedenen Namen dieser Bewegung erzählen bereits etwas über ihren Charakter. Mordida bedeutet wörtlich „Biss“. Das Bild ist deutlich: Der Fuß wird kurz gepackt, gehalten, eingeschlossen. Sandwich oder Sanguichitobeschreibt dagegen die Form der Füße. Der Fuß eines Partners befindet sich zwischen den beiden Füßen des anderen, wie die Füllung zwischen zwei Brotscheiben. Beide Begriffe treffen also unterschiedliche Aspekte derselben Situation: ein kurzes Einfangen des Fußes und ein kleiner Rahmen um ihn herum.
Historisch ist diese Bewegung keineswegs eine moderne Spielerei des Unterrichts. Bereits in frühen Beschreibungen des Tangos aus den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts finden sich Bewegungen dieser Art.