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Die musikalische Intelligenz der Schweine

Die musikalische Intelligenz der Schweine

Manche Leser im fortgeschrittenen Alter mit Samstagnachmittags-Fernseherfahrung aus den 1970er-Jahren erinnern sich vielleicht noch an die Ratesendung „Erkennen Sie die Melodie?“ mit Ernst Stankovski. Dort musste ein Rateteam Melodien aus Operetten und Opern erkennen.

Heute weiß ich: Man hätte damals auch Schweine in diese Sendung einladen sollen. Die menschlichen Rate-Gäste hätten vermutlich keine Chance gehabt. Denn Schweine sind offenbar außerordentlich musikalisch.

Schweine gelten als intelligente Tiere. Sie können Probleme lösen, Artgenossen unterscheiden, Türen öffnen und sich erstaunlich lange an Dinge erinnern. Neuerdings wissen wir außerdem: Sie besitzen einen hochentwickelten Musikgeschmack.

Zumindest, wenn man einer Geschichte glauben darf, nach der Schweine bei Piazzolla friedlich im Stall verharrten und sogar ihr Futter vergaßen. Das ist bemerkenswert. Andere Tangotänzer benötigen für denselben Zustand meistens Rotwein, gedämpftes Licht und eine längere Einführung über die Bedeutung des Bandoneons.

Die Schweine hingegen begriffen Piazzolla sofort. Keine Erklärungen, keine Workshops, keine Diskussion über Tanzbarkeit. Sie lagen einfach da und hörten zu. Damit bewiesen sie eine musikalische Reife, die vielen Menschen bis heute fehlt.

Noch erstaunlicher ist allerdings ihre Reaktion auf EdO-Tango. Sobald D’Arienzo, Biagi oder Canaro erklingen, verlassen die Tiere fluchtartig den Stall. Nicht etwa, weil ihnen die Musik missfällt. Im Gegenteil: Sie erkennen sofort, dass diese Musik zur Bewegung gedacht ist.

Da Schweine jedoch keine geeigneten Tanzschuhe besitzen und die Stallnavigation bei voller Besetzung schwierig wird, ziehen sie sich vorsichtshalber ins Freie zurück. Man möchte schließlich niemandem in die Hacken treten.

Piazzolla dagegen beruhigt sie. Seine Musik stellt keine unmittelbaren Anforderungen an die Ronda. Man kann liegen bleiben, lauschen und das Futter vergessen. Für Schweine ist das ideal. Für manche Tangoblogger offenbar ebenfalls.

Vielleicht sollte man diese Tiere künftig stärker in die Musikdiskussion einbeziehen. Statt endlos über Tango nuevo, traditionelle Orchester und Tanzbarkeit zu streiten, stellt man einfach einen Lautsprecher in den Stall.

Bleiben die Schweine liegen, handelt es sich um Hörmusik.

Rennen sie hinaus, ist es Tango.

Jedenfalls ist einem gewissen Blogger endlich gelungen zu beweisen, dass Schweine doch die klügeren Zuhörer sind. Aber das interessiert wiederum kein Schwein. 

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