Gedanken über Tango Unterricht | 19. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 19. Teil

Teil 19: Über „Adorno-Unterricht“ – und was meistens dabei fehlt

Natürlich weiß ich, dass ich mich mit dem Thema „rund um Adornos“ auf ein gewagtes Feld begebe. Seit Jahren ist es ein Schwachpunkt in meinem Unterricht, und obwohl ich eine Unterrichtspartnerin habe, widme ich mich diesem Bereich zu wenig, weshalb auch dieser Artikel über dieses Thema recht kurz ausfallen wird.  Meine Erfahrungen damit sind gemischt – es gab gute und schlechte Momente. Was ich jedoch sicher sagen kann: Es gibt Frauen, die von Beginn an motiviert sind, Verzierungen zu tanzen und zu lernen. Andere entdecken dieses Interesse erst später, wenn sie die Voraussetzung eines guten Gleichgewichts mitbringen. Wer Adornos aktiv und selbstständig übt und einsetzt, wird darin Fortschritte machen – wer passiv bleibt, eher nicht. Ich möchte hier  in diesem Artikel nur auf die Führung eingehen, die gute Adornos der Partnerin erst ermöglicht. 

Nähe als Marke – Über Poesie, Produkte und Projektionen in der Tangowelt

Nähe als Marke – Über Poesie, Produkte und Projektionen in der Tangowelt

Zwischen Emotion und Strategie

Aufgefallen ist mir Dimitris Bronowski zum ersten Mal in einem Interview auf YouTube.
Nachdem ich ihm eine längere Zeit zugehört hatte, kam mir die verklärte Sprache über bekannte Tango-Klischees ziemlich dubios vor. Ich fragte mich, wer dieser Mensch wohl ist, der so souverän über den Tango sprach, aber äußerlich nicht unbedingt tango- oder gar lebenserfahren wirkte. Schnell fand ich heraus, dass er bereits einige Bücher geschrieben hatte und offenbar in der Szene einen gewissen Bekanntheitsgrad genießt. Doch seine Poesie wirkte auf mich so kitschig, dass ich begann, nachzuforschen und mich zu fragen, was wohl sein Erfolgsrezept sein könnte. Alles Weitere im folgenden Text.

Gedanken über Tango | Nachtrag auf den 18. Teil 

Gedanken über Tango | Nachtrag auf den 18. Teil 

Missverständnisse in Texten entstehen oft durch unklare Aussagen oder manchmal durch voreingenommene Deutungen des Textes. Bei einem Kommentar auf meinen letzte Beitrag Nr. 18 ist das wohl passiert. Eigentlich ist über den Cabeceo schon genug geschrieben und gestritten worden, aber mir geht es nicht um ihn selbst, sondern um seine gelegentliche Komplexität, die mir unnötig erscheint, weil man sich in der Kommunikation der Aufforderung beim Tango so darauf versteift und sie nur als einzig mögliche darauf reduziert. Eigentlich geht es […]

Gedanken über Tango Unterricht | 18. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 18. Teil

Teil 18: Über tänzerische Schlichtheit, Codigos, Musik und volle Tango-Pisten.

Ich habe in der Vergangenheit viel Kritik an der scheinbar nachlassenden tänzerischen Qualität auf deutschen Tango-Pisten geäußert. Das möchte ich nun etwas relativieren – nicht, weil ich meine Meinung grundsätzlich geändert hätte, sondern weil ich den Blick auf etwas anderes richten will: Worum geht es im Social Tango eigentlich – oder worum sollte es gehen?

Gedanken über Tango-Unterricht | 17.Teil

Gedanken über Tango-Unterricht | 17.Teil

Teil 17: Eine Privatstunde bei Bruna Lavaroni & Franco Lus
Dass ich Unterricht genommen habe, ist nun schon eine Weile her. Der letzte Unterricht war bei Gustavo Naveira & Gisell-Ann – Masterclass – aber das war aufgrund einiger Selbstüberschätzer und des entsprechenden Tanzlevels der Lerngruppe nicht so erfolgreich, obwohl ich dort viel lernte, weil ich Gustavo und Gisell-Ann immer persönlich mit Fragen bedrängte.

Für mich war die Frage interessant, wie es sich anfühlt – aus der Schülerperspektive –, wenn man mit Korrekturen konfrontiert wird, mit denen man gar nicht rechnete. Denn ich hatte bisher immer das Gefühl, dass ich meine Baustellen kenne. Zum größten Teil war es auch so, weil ich die ja bestätigt und korrigiert haben wollte. Nur habe ich nicht damit gerechnet, welch wohliges und entspanntes Tanzgefühl ich in geschlossener Umarmung erreichen könnte. Privatstunden mit Meistern sind einfach empfehlenswert und sehr hilfreich, wenn man offen ist für Fehlerkritik und sich als Tänzer reflektiert.

Gedanken über Tango Unterricht | 16. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 16. Teil

Teil 16: Wenn der Körper tanzt, bevor der Kopf entscheidet – Improvisation, Entscheidungsfreiheit und Tango

Für diesen Artikel habe ich etwas länger gebraucht, denn es ist ein komplexes Thema. Dazu musste ich viele Quellen durchforsten, um einen einigermaßen verständlichen Text daraus zu zaubern:

In der Welt des Tango Argentino wird viel von Improvisation gesprochen. Sie gilt als das Herzstück des Tanzes, als das, was ihn lebendig, frei und echt macht. Wer improvisiert, tanzt nicht nach festem Muster, sondern im Moment – so zumindest die Vorstellung. Doch wenn man genauer hinschaut, ist der Begriff oft unscharf, romantisch überhöht oder schlicht falsch verwendet.

Gedanken über Tango Unterricht | 15. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 15. Teil

Teil 15: Wie eine unpassende Umarmung die tänzerische Entwicklung bremst

Dieser Beitrag wurde nachträglich ergänzt!

Seit Jahren beobachte ich, wie sich viele Paare schwer tun, bestimmte Umarmungen passend zum Schrittrepertoire einzunehmen – besonders, wenn es um die sogenannte „Milonguero-Umarmung“ geht. Oft wird sie mit anderen Umarmungsformen verwechselt oder in Kontexten verwendet, in denen sie technisch unpassend ist.

Ich bin überzeugt: Diese Verwechslung ist einer der Hauptgründe dafür, dass tänzerische Entwicklung stagniert. Denn wenn die Umarmung nicht zur Bewegung passt, wird das Schritt-Repertoire drastisch eingeschränkt – der Tanz verliert an Dynamik, Vielfalt und Musikalität.

Gedanken über Tango Unterricht | 14. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 14. Teil

Teil 14: „Selber machen“ reicht nicht – warum Tango ohne Expertise oft im Chaos endet
Lernen heißt nicht improvisieren

Es gibt dieses romantische Bild vom argentinischen Milonguero, der nie einen Kurs besucht hat, aber magisch tanzt, einfach, weil er jahrelang in der Milonga gesessen und zugeschaut hat. Der Mythos vom instinktgetriebenen Genie, das durch „reines Erleben“ den Tango aufsaugt – ohne Lehrer, ohne Unterricht, ohne Technik.

Gedanken über Tango-Unterricht | 13. Teil

Gedanken über Tango-Unterricht | 13. Teil

Teil 13: Pausen, Stops, ganze Noten oder Melodiebögen tanzen
Ein besonders feines Detail, das beim Tangotanzen oft übersehen wird, ist das Tanzen von Pausen. Der Begriff ist dabei ein wenig irreführend – wir reden ja nicht von einer „Butterbrotpause“, sondern vom bewussten Innehalten. Gemeint sind jene musikalischen Momente, in denen keine hörbaren Taktschläge erklingen oder eine dramatische Stille einsetzt – kurz bevor die Musik meist dynamisch weitergeht.

(Wer dabei „Pause“ allzu wörtlich nimmt – im Sinne von Rasten oder Ausruhen – verpasst nicht nur die musikalische Spannung, sondern offenbart vielleicht auch ein Missverständnis des Tangos. Nicht vorgekommen? Ich kenne da jemanden …)

Gedanken über Tango Unterricht | 12. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 12. Teil

Teil 12: Improvisation im Tango – zwischen Mythos, Missverständnis und  Praxis

In der Tangowelt wird viel gesprochen: über Stilrichtungen, Lehrer, Milongas, Mode, Authentizität und natürlich – Improvisation. Gerade Letzteres scheint ein Dauerbrenner zu sein, bei dem sich viele berufen fühlen, mitzureden. Umso erstaunlicher ist es, wie oft dabei Begriffliches durcheinandergerät. Improvisation wird mit Kreativität verwechselt, mit Ideenreichtum, mit dem Mut, sich „frei“ zu bewegen, manchmal auch einfach nur mit dem Gegenteil von Figurenlernen. Wer nicht „auswendig tanzt“, improvisiert, so das Narrativ. Klingt plausibel – ist aber in der Sache oft ziemlich daneben.

Gedanken über Tango-Unterricht | 11. Teil

Gedanken über Tango-Unterricht | 11. Teil

Teil 11 | Konzepte für Tangoschulen, für Tangolehrer –
Dass es viele fortgeschrittene Tangotänzer*innen reizt, irgendwann selbst zu unterrichten, kann ich aus eigener Erfahrung gut nachvollziehen. Ich hätte mir zu Beginn allerdings nicht vorstellen können, was man dafür wirklich braucht – nämlich deutlich mehr als nur Spaß am Zeigen oder das trügerische Versprechen, ein Hobby zum Beruf zu machen.

Gedanken über Tango Unterricht | 10. Teil | c)

Gedanken über Tango Unterricht | 10. Teil | c)

c) Rhythmuslehre im Unterricht – eine Herausforderung
Synkopen, Pattern und Melodien

Zuhören kommt vor Tanzen

Rhythmus zu lehren ist nicht leicht. Die Unterschiede im Rhythmusgefühl der Schüler:innen stellen eine echte Hürde dar – besonders in gemischten Gruppen. Und schlechte Musikumsetzung frustriert schneller als technische Schwierigkeiten.

Gedanken über Tango Unterricht | 10. Teil  | b)

Gedanken über Tango Unterricht | 10. Teil | b)

b) Musikalität – Üben mit System

Mal ehrlich: Wer kann eigentlich eine spontane Tanzsituation – also so ein richtiger musikalischer Glücksmoment – später nochmal genau so wiederholen? Noch einfacher gefragt: Wer ist in der Lage, seine eigenen zufällig genialen Moves nochmal hinzukriegen?
Die Musik im Tango ist voll von kleinen Nuancen und Feinheiten. Je besser man sich mit der Musik auskennt, desto komplexer wird das Ganze. Und je nachdem, wie man gerade tanzt, gibt’s plötzlich unendlich viele Möglichkeiten, wie man was betonen oder interpretieren kann. Da den Überblick zu behalten, ist nicht ohne.

Gedanken über Tango Unterricht | 10. Teil  | a)

Gedanken über Tango Unterricht | 10. Teil  | a)

a) Die musikalische Struktur des Tangos

Was sind Takte, Rhythmen, das Metrum, Taktschläge usw.

Willkommen zum 10. Teil meiner Reihe „Gedanken über Tango-Unterricht“. Weil das Thema diesmal ziemlich umfangreich ist, habe ich beschlossen, es in drei Teile aufzuteilen.
In diesem ersten Teil (10a) geht’s um drei Dinge:
Welche Bewegungsarten und Ausdrucksmöglichkeiten wir im Tango eigentlich haben – ich versuche das mal klar und verständlich auf den Punkt zu bringen. Denn da gibt’s oft viel Verwirrung, was Tango überhaupt ausmacht. […]

Gedanken über Tango Unterricht | 8. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 8. Teil

Teil 8: Drehungen – und warum sie leider so selten getanzt werden
Warum sieht man auf vollen Tango-Pisten nur selten Drehungen? Wahrscheinlich liegt es an ihrer Komplexität. Stattdessen beobachte ich immer wieder, wie Tänzer sich auf engstem Raum mit ständigen rebotes und kleinen Wiegeschritten behelfen – oft völlig losgelöst von der Melodie der Musik. Vielleicht geschieht das auch, weil man die geschlossene […]

Gedanken über Tango Unterricht | 7. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 7. Teil

Teil 7: Das gekreuzte Schrittsystem – el sistema cruzado

Ein sehr komplexes Thema beschreibe ich in diesem Beitrag. Es gibt kaum Bewegungsabläufe, die schriftlich so schwer zu formulieren sind wie z.B. ‚alteraciones‘ oder Richtungs- und Bezugssysteme im gekreuzten Schrittsystem. Deshalb nimmt dieses Thema hier auch so viel Raum ein, weil ich selbst fast ausschließlich in diesem System tanze – aus vielerlei Gründen […]

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