Gedanken über Tango Unterricht | 27. Teil A

Gedanken über Tango Unterricht | 27. Teil A

Teil 27A) Geschichtliche Entwicklung der Tango-Szene in Deutschland – Warum mehrere Lager enstanden

Bevor ich im Teil 27 B nochmal zum Thema „Improvisation im Tango-Unterricht“ komme, muss ich geschichtlich etwas ausholen, um das in Deutschland vorhandene Missverständnis zwischen „freiem Tanz und Tango-Improvisation“ im historischen Kontext verständlich zu machen.

Ich habe bereits zweimal zum Thema Tango-Improvisation geschrieben, daher gehe ich hier auf bestimmte Aspekte hier nicht erneut ein, sondern auf die Entstehung Tango-Szene in Deutschland seit den 80er Jahren und die Frage: Warum gibt es unterschiedliche Auffassungen über Tanz und daraus resultierende Tango-Lager?

Ich möchte aber in  diesem Beitrag nur auf die Entwicklung nach dem 2. Weltkrieg eingehen, und nicht auf die 20er Jahre, in denen sich der Tanz auch schon mal von starren Regeln und Vorgaben emanzipierte. 

Gedanken über Tango Unterricht | 26. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 26. Teil

Teil 26) | Wiederholung und Entdeckung – über das Lebendige in der Übung
Es gibt diese Momente im Unterricht, in denen alles ordentlich aussieht. Die Schüler arbeiten konzentriert, der Raum ist ruhig, die Bewegung klar. Von außen wirkt das nach Lernen. Doch manchmal spürt man: Die Aufmerksamkeit ist da, aber das Interesse fehlt. Die Übung läuft, aber sie lebt nicht mehr. Das passiert, wenn Wiederholung nicht mehr mit Entdeckung verbunden ist. Warum Wiederholung nötig – und riskant – ist.

Gedanken über Tango Unterricht | 25. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 25. Teil

Teil 25) | Spiraldynamik und Tango: Anatomie, Vermittlung und die Kunst der Ochos

Das Thema Spiraldynamik hat mich im Zusammenhang mit Tango-Bewegungsschulung seit Langem beschäftigt. Je tiefer ich recherchierte, desto deutlicher wurde: Es gibt bereits eine beeindruckende Fülle an Artikeln, Unterrichtskonzepten und sogar detaillierten Analysen einzelner Figuren wie der Ochos. Umso naheliegender die Frage: Wozu noch ein weiterer Text? Meine Antwort ist schlicht – weil zwischen theoretischem Wissen und praktischer Umsetzung noch immer eine Lücke klafft. Viele Lehrer:innen arbeiten intuitiv bereits mit spiraligen Prinzipien; dennoch bleibt für viele Lernende unklar, wie sich diese Prinzipien konkret in Bewegungsqualität übersetzen lassen[…]

Gedanken über Tango-Unterricht | 24. Teil

Gedanken über Tango-Unterricht | 24. Teil

Teil 24) | Tango-Unterricht und Bewegungsschulung

Aus eigener Erfahrung gehören Bewegungsschulung bzw. Bewegungslehre wie Feldenkrais®, Alexander-Technik®, Pilates oder Spiraldynamik® unbedingt zum Tango-Unterricht dazu. Alle diese Disziplinen entstanden ungefähr in der Mitte des letzten Jahrhunderts, überschneiden sich thematisch und sind in vielen Bereichen erstaunlich übereinstimmend. Sie tragen gleichermaßen positiv zum Tanz bei. Kein Wunder: Die Beschäftigung mit dem menschlichen Körper ist keine „Meinungssache“, wie viele vielleicht glauben, sondern ein Feld, in dem jahrzehntelang geforscht, ausprobiert und beobachtet wurde.

Gedanken über Tango Unterricht | 23. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 23. Teil

Teil 23) Gehen im Tango, warum überhaupt?

Am Ende geht es beim Tango nicht darum, von A nach B zu kommen. Gehen ist hier keine Fortbewegung, sondern Ausdruck. Jeder Schritt ist Entscheidung, bewusste Setzung, musikalischer Akzent – und das zeigt sich zuerst in der Fußarbeit. Ob weich abgerollt, präzise platziert oder markant aufgesetzt: der Fuß macht hörbar und sichtbar, ob ein Schritt bloß getragen wird oder ob er wirklich tanzt.

Gedanken über Tango-Unterricht | 22. Teil

Gedanken über Tango-Unterricht | 22. Teil

Teil 22) Nett oder ehrlich – oder beides?
Als Tango-Unterrichtender ist man manchmal etwas ernüchtert, wenn es um die Selbstreflexion der Schüler geht. Viele Tänzer haben nur ein sehr vages Bild davon, wo sie stehen, was klappt, was nicht. Und dann kommt das Problem: Kritik.

Manchmal stehe ich da und denke: Na gut, wie ehrlich darf ich jetzt eigentlich sein? Sage ich „passt schon, wird schon besser“, dann nicken die Leute zufrieden, gehen heim – und sind eigentlich keinen Schritt weiter. Sage ich dagegen „das funktioniert überhaupt nicht“, dann schaut mich jemand an, als wäre gerade der ganze Tangohimmel über ihm zusammengebrochen. Das eine ist nett, das andere ehrlich. Beides hat Tücken.

Gedanken über Tango Unterricht | 21. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 21. Teil

Teil 21) | Tänzerische Aktivität der Folgenden – totale Anpassung oder Bewegungsfreiheit?

Da ich mir bewusst bin, dass dieses Thema leicht als provokant aufgefasst werden kann, möchte ich gleich zu Beginn klarstellen: Es geht mir hier nicht um Wertung, nicht um Richtig oder Falsch, und schon gar nicht um die Frage, was Frauen – also hier in der Rolle der „Folgenden“ – zu tun oder zu lassen hätten. Mir geht es schlicht um Beobachtungen aus dem Unterricht, der Praxis und dem sozialen Tanzgeschehen, die mich stutzen lassen. Und um Fragen, die sich daraus ergeben.
Denn: Die oft zitierte Idee, dass ein Tango-Paar aus zwei gleichwertig aktiven Tanzenden besteht – beide zu 100 % präsent, bewusst und im Flow –, steht in auffälligem Widerspruch zu dem, was ich häufig auf der Tanzfläche und im Unterricht erlebe. Vor allem auf Seiten der Folgenden – also meistens der Frauen.

Gedanken über Tango Unterricht | 20. Teil | (B)

Gedanken über Tango Unterricht | 20. Teil | (B)

Teil 20 b) | Die ersten Erfahrungen mit der Improvisation im Anfänger-Unterricht

Wenn man von den Wünschen eines normalen Tango-Anfänger-Paares ausgeht, sind diese meist mit sehr verschwommenen Vorstellungen über den Tango verbunden. Es gibt vielleicht Erinnerungen an öffentliche Plätze, wo man Tangopaaren zugeschaut hat, Fernsehsendungen wie „Let’s Dance“, Videos auf YouTube oder Eindrücke aus dem Standard-Turnierbereich.

Doch selten bestehen wirkliche Kenntnisse über die Komplexität der Improvisation im Social-Tango. […]

Gedanken über Tango-Unterricht | 20. Teil | (A)

Gedanken über Tango-Unterricht | 20. Teil | (A)

Teil 20 a) Die Rollenverteilung im Tango und ihre Bedeutung im Anfänger-Unterricht

In diesem 20. Teil (A) meiner Reihe möchte ich auf das Thema „Führen & Folgen“ in gesonderten 2 Teilen eingehen – über dessen irreführende Benennung schon unzählige Artikel und Kommentare verfasst wurden. Ich werde mich hier vor allem auf den Beginner-Unterricht konzentrieren:
Was bedeutet diese Rollenverteilung für Tango-Lernende?
Und wie lässt sich Empathie für die Bewegungen des Partners oder der Partnerin mit der gleichzeitigen Konzentration auf die eigenen, noch zu erlernenden Bewegungen didaktisch vereinbaren?

Gedanken über Tango Unterricht | 19. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 19. Teil

Teil 19: Über „Adorno-Unterricht“ – und was meistens dabei fehlt

Natürlich weiß ich, dass ich mich mit dem Thema „rund um Adornos“ auf ein gewagtes Feld begebe. Seit Jahren ist es ein Schwachpunkt in meinem Unterricht, und obwohl ich eine Unterrichtspartnerin habe, widme ich mich diesem Bereich zu wenig, weshalb auch dieser Artikel über dieses Thema recht kurz ausfallen wird.  Meine Erfahrungen damit sind gemischt – es gab gute und schlechte Momente. Was ich jedoch sicher sagen kann: Es gibt Frauen, die von Beginn an motiviert sind, Verzierungen zu tanzen und zu lernen. Andere entdecken dieses Interesse erst später, wenn sie die Voraussetzung eines guten Gleichgewichts mitbringen. Wer Adornos aktiv und selbstständig übt und einsetzt, wird darin Fortschritte machen – wer passiv bleibt, eher nicht. Ich möchte hier  in diesem Artikel nur auf die Führung eingehen, die gute Adornos der Partnerin erst ermöglicht. 

Nähe als Marke – Über Poesie, Produkte und Projektionen in der Tangowelt

Nähe als Marke – Über Poesie, Produkte und Projektionen in der Tangowelt

Zwischen Emotion und Strategie

Aufgefallen ist mir Dimitris Bronowski zum ersten Mal in einem Interview auf YouTube.
Nachdem ich ihm eine längere Zeit zugehört hatte, kam mir die verklärte Sprache über bekannte Tango-Klischees ziemlich dubios vor. Ich fragte mich, wer dieser Mensch wohl ist, der so souverän über den Tango sprach, aber äußerlich nicht unbedingt tango- oder gar lebenserfahren wirkte. Schnell fand ich heraus, dass er bereits einige Bücher geschrieben hatte und offenbar in der Szene einen gewissen Bekanntheitsgrad genießt. Doch seine Poesie wirkte auf mich so kitschig, dass ich begann, nachzuforschen und mich zu fragen, was wohl sein Erfolgsrezept sein könnte. Alles Weitere im folgenden Text.

Gedanken über Tango | Nachtrag auf den 18. Teil 

Gedanken über Tango | Nachtrag auf den 18. Teil 

Missverständnisse in Texten entstehen oft durch unklare Aussagen oder manchmal durch voreingenommene Deutungen des Textes. Bei einem Kommentar auf meinen letzte Beitrag Nr. 18 ist das wohl passiert. Eigentlich ist über den Cabeceo schon genug geschrieben und gestritten worden, aber mir geht es nicht um ihn selbst, sondern um seine gelegentliche Komplexität, die mir unnötig erscheint, weil man sich in der Kommunikation der Aufforderung beim Tango so darauf versteift und sie nur als einzig mögliche darauf reduziert. Eigentlich geht es […]

Gedanken über Tango Unterricht | 18. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 18. Teil

Teil 18: Über tänzerische Schlichtheit, Codigos, Musik und volle Tango-Pisten.

Ich habe in der Vergangenheit viel Kritik an der scheinbar nachlassenden tänzerischen Qualität auf deutschen Tango-Pisten geäußert. Das möchte ich nun etwas relativieren – nicht, weil ich meine Meinung grundsätzlich geändert hätte, sondern weil ich den Blick auf etwas anderes richten will: Worum geht es im Social Tango eigentlich – oder worum sollte es gehen?

Gedanken über Tango-Unterricht | 17.Teil

Gedanken über Tango-Unterricht | 17.Teil

Teil 17: Eine Privatstunde bei Bruna Lavaroni & Franco Lus
Dass ich Unterricht genommen habe, ist nun schon eine Weile her. Der letzte Unterricht war bei Gustavo Naveira & Gisell-Ann – Masterclass – aber das war aufgrund einiger Selbstüberschätzer und des entsprechenden Tanzlevels der Lerngruppe nicht so erfolgreich, obwohl ich dort viel lernte, weil ich Gustavo und Gisell-Ann immer persönlich mit Fragen bedrängte.

Für mich war die Frage interessant, wie es sich anfühlt – aus der Schülerperspektive –, wenn man mit Korrekturen konfrontiert wird, mit denen man gar nicht rechnete. Denn ich hatte bisher immer das Gefühl, dass ich meine Baustellen kenne. Zum größten Teil war es auch so, weil ich die ja bestätigt und korrigiert haben wollte. Nur habe ich nicht damit gerechnet, welch wohliges und entspanntes Tanzgefühl ich in geschlossener Umarmung erreichen könnte. Privatstunden mit Meistern sind einfach empfehlenswert und sehr hilfreich, wenn man offen ist für Fehlerkritik und sich als Tänzer reflektiert.

Gedanken über Tango Unterricht | 16. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 16. Teil

Teil 16: Wenn der Körper tanzt, bevor der Kopf entscheidet – Improvisation, Entscheidungsfreiheit und Tango

Für diesen Artikel habe ich etwas länger gebraucht, denn es ist ein komplexes Thema. Dazu musste ich viele Quellen durchforsten, um einen einigermaßen verständlichen Text daraus zu zaubern:

In der Welt des Tango Argentino wird viel von Improvisation gesprochen. Sie gilt als das Herzstück des Tanzes, als das, was ihn lebendig, frei und echt macht. Wer improvisiert, tanzt nicht nach festem Muster, sondern im Moment – so zumindest die Vorstellung. Doch wenn man genauer hinschaut, ist der Begriff oft unscharf, romantisch überhöht oder schlicht falsch verwendet.

Gedanken über Tango Unterricht | 15. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 15. Teil

Teil 15: Wie eine unpassende Umarmung die tänzerische Entwicklung bremst

Dieser Beitrag wurde nachträglich ergänzt!

Seit Jahren beobachte ich, wie sich viele Paare schwer tun, bestimmte Umarmungen passend zum Schrittrepertoire einzunehmen – besonders, wenn es um die sogenannte „Milonguero-Umarmung“ geht. Oft wird sie mit anderen Umarmungsformen verwechselt oder in Kontexten verwendet, in denen sie technisch unpassend ist.

Ich bin überzeugt: Diese Verwechslung ist einer der Hauptgründe dafür, dass tänzerische Entwicklung stagniert. Denn wenn die Umarmung nicht zur Bewegung passt, wird das Schritt-Repertoire drastisch eingeschränkt – der Tanz verliert an Dynamik, Vielfalt und Musikalität.

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