Diskussion
Rondas, Códigos und andere Windmühlen

Rondas, Códigos und andere Windmühlen

Von einem, der auszog die Tango-Welt zu missionieren

Ich bekam vor ein paar Tagen einen Artikel gewidmet: „Lieber Klaus Wendel,“ … na, von wem wohl?

Seit Wochen lässt er kaum einen Artikel aus, ohne mich zu erwähnen oder mich zu zitieren.  Aber er meint mich als Vertreter einer Tango-Welt, dem er den Kampf angesagt hat. Dabei stehe ich dieser Tango-Szene sehr ambivalent gegenüber, denn die Szene besteht ja nicht nur aus einer Person. Das scheint jemand immer wieder zu vergessen.

Auseinandersetzungen zwischen uns sind ja schon täglich… und ewig grüßt das Murmeltier. 

Manchmal hat man den Eindruck, dieser gewisse Blogger beschreibt nicht die Tangoszene, sondern ein gefährdetes Biotop, in dem hinter jeder Ecke eine Bedrohung lauert.

Da sind die Eliten, die angeblich bestimmen, was richtiger Tango ist. Da sind die Traditionalisten, die andere Musikrichtungen unterdrücken wollen. Da ist die Werbung für Milongas, die angeblich kritisch untersucht werden muss. Da sind Lehrer, die zu viel versprechen. Da sind Anfänger oder Ehemänner, die nichts können. Da sind Rondas, die den Spaß verderben. Da sind Códigos, die Menschen einengen. Und irgendwo im Hintergrund lauert immer die große Gefahr: Konformismus.

Man könnte fast meinen, Tango sei weniger ein Tanz als eine Serie von Gefahrenmeldungen.

Besonders absurd wurde es vor einiger Zeit in einer Diskussion über Milonga-Werbung. Es ging ursprünglich um die Frage, ob und wie ausführlich Veranstalter in kurzen Ankündigungen die Musik beschreiben sollten. Also um etwas ziemlich Banales: Was schreibt man in eine Milonga-Ankündigung? Reicht „traditionelle Musik“? Muss man Orchester nennen? Soll man den DJ-Stil erklären? Oder genügt eine grobe Einordnung wie EdO, Neo, Non oder Mixed?

Man kann darüber reden. Natürlich. Man kann auch sagen, dass eine genauere Beschreibung hilfreich wäre. Aber man sollte vielleicht nicht so tun, als stünde die kritische Öffentlichkeit kurz vor dem Zusammenbruch, nur weil jemand Milonga-Werbung für relativ harmlos hält.

Karin Law Robinson-Riedl schrieb dazu:
Link: 

„Es erstaunt mich, dass Sie eine Debatte über Werbung schmunzeln lässt, weil Sie offenbar von deren Harmlosigkeit überzeugt sind und keine kritische Distanz für nötig halten.“

Da musste ich dann doch zweimal lesen. Eine Debatte über Tango-Werbung verlangt also „kritische Distanz“. Nicht etwa: „Ich fände genauere Angaben zur Musik sinnvoll.“ Nein, gleich die große Vokabel. Kritische Distanz. Als ginge es um politische Propaganda, Verbrauchertäuschung oder manipulative Massenkommunikation.

Dabei reden wir über Ankündigungen für Tanzabende. Meist ein paar Zeilen auf Facebook, in einem Newsletter oder auf einer Webseite. Ort, Zeit, DJ, Eintritt, vielleicht noch „traditionell“, „Neo“, „Non“ oder „gemischt“. Viel mehr passt oft gar nicht hinein. Und viele Gäste wollen auch keinen halben Aufsatz über musikalische Dramaturgie lesen, bevor sie entscheiden, ob sie am Samstagabend tanzen gehen.

Wobei hier zu vermuten ist, dass Herr Riedl vor allem die kleine Bemerkung lesen möchte: „Wir spielen auch zwei Piazzolla-Titel!“

Natürlich darf man sich bessere Informationen wünschen. Ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Veranstalter klarer schreiben, welche Musik ungefähr zu erwarten ist. Eine saubere Einordnung kann hilfreich sein. Wer EdO erwartet, sollte nicht plötzlich in einer Non-Tango-Nacht landen. Wer Neo sucht, möchte vielleicht auch nicht drei Stunden D’Arienzo, Di Sarli und Troilo bekommen.

Oft haben Milongas aber längst einen Bekanntheitsgrad, der auf das Musikangebot schließen lässt. Das hilft natürlich vor allem Insidern und ist für Außenstehende weniger hilfreich. Aber bevor man eine längere Anreise riskiert, gibt es meist Möglichkeiten zu recherchieren. Und oft wissen selbst Veranstalter nicht genau, was sich der DJ an diesem Abend einfallen lässt. Sie wissen meist nur, welchen Stil er bevorzugt.

Aus diesem nachvollziehbaren Wunsch nach mehr Orientierung eine Art Grundsatzkritik an der „Harmlosigkeit“ von Werbung zu machen, ist dann doch ein bisschen viel Theater für eine Milonga-Ankündigung.

Noch schöner wird es am Ende des Kommentars:

„Ich werde unseren Austausch zu diesem Thema nun beenden, denn für mich enthalten Ihre Äußerungen zu wenig Diagnose für einen glaubwürdigen Befund.“

Zu wenig Diagnose für einen glaubwürdigen Befund.

Bei Tango-Werbung.

Das ist genau diese Sprache, die aus einer normalen Meinungsverschiedenheit ein Gutachten macht. Es klingt nach Klinik, nach Sachverständigenbüro, nach Untersuchungsausschuss. Dabei hätte ein einfacher Satz gereicht: „Ich sehe das anders, weil ich genauere Musikangaben wichtig finde.“

Aber das wäre vermutlich zu normal gewesen.

Genau hier liegt für mich das Problem vieler Riedl-Texte und der seiner Frau, aber auch mancher Kommentare aus seinem Umfeld. Die Tangowelt wird ständig dramatisiert. Normale Entwicklungen werden zu Machtfragen. Gewohnheiten werden zu Konformismus. Unterricht wird zur Dressur. Ronda wird zur Spaßbremse. Traditionelle Musik wird zur kulturellen Einengung. Werbung wird zur fragwürdigen Beeinflussung. Und wer das alles nicht ähnlich bedrohlich findet, dem fehlt angeblich die kritische Distanz.

Ich finde: Man kann Tango auch eine Nummer kleiner betrachten.

Eine Milonga ist eine Tanzveranstaltung. Keine ideologische Prüfkammer. Eine Ronda ist keine Unterdrückungsmaschine, sondern eine praktische Lösung, damit viele Menschen auf begrenztem Raum tanzen können. Códigos sind nicht automatisch autoritäre Zwangsjacken, sondern oft schlicht soziale Spielregeln. Unterricht ist nicht per se Manipulation, sondern im besten Fall Hilfe beim Lernen. Und traditionelle Musik ist nicht deshalb dominant, weil finstere Aktivisten das Publikum konditioniert haben, sondern vielleicht auch, weil viele Tänzerinnen und Tänzer sie schlicht gern tanzen.

Hinzu kommt eine grundsätzliche Frage: Von welcher „Tangowelt“ reden wir eigentlich?

Geht man von grob geschätzten 80.000 Tango-Argentino-Tänzerinnen und -Tänzern in Deutschland aus, dann wird es schon ziemlich gewagt, aus einzelnen Blogkommentaren, persönlichen Erfahrungen, ein paar Milonga-Besuchen oder alten Szenekonflikten gleich Aussagen über „die Tangoszene“ abzuleiten.

Diese Szene besteht nicht aus einem Block. Sie besteht aus Anfängerinnen, alten Hasen, Gelegenheitstänzern, Unterrichtsbesuchern, Festivalreisenden, Neo-Fans, EdO-Liebhabern, DJs, Veranstaltern, Lehrern, Paaren, Singles, Menschen mit viel Zeit, Menschen mit wenig Zeit, Großstadtpublikum und kleinen regionalen Szenen. Manche tanzen dreimal pro Woche, andere zweimal im Monat. Manche interessieren sich brennend für Orchester, andere wollen einfach einen schönen Abend haben. Manche lieben Códigos, andere finden sie steif. Manche brauchen eine klare Ronda, andere fühlen sich davon eingeschränkt.

Und wenn man einmal grob schätzt, wie sich musikalische Vorlieben in dieser Szene verteilen könnten, wird Riedls Wahrnehmung noch weniger stimmig.

Die große Schnittmenge dürfte irgendwo bei 70 bis 80 Prozent liegen. Also bei Menschen, die sich flexibel zwischen den Welten bewegen. Viele Neo-Tango-Begeisterte haben ihre Grundlagen im traditionellen Tango gelernt. Viele tanzen je nach Lust und Laune klassische Milongas, moderne Neolongas, einzelne Non-Tango-Tandas oder gemischte Formate. Sie sind weder glühende Traditionalisten noch missionarische Neotangueros, sondern ganz normale Tänzerinnen und Tänzer mit unterschiedlichen Abenden, Stimmungen und Vorlieben.

Daneben gibt es vermutlich einen harten Neo-Kern von vielleicht 10 bis 15 Prozent. Also grob 8.000 bis 12.000 Personen, die gezielt Neo-Tango-Marathons besuchen, Elektro-Tango, Non-Tango, Pop, Trip-Hop oder Weltmusik bevorzugen und häufig einen dynamischeren, offeneren Tanzstil pflegen.

Und es gibt auf der anderen Seite natürlich auch einen traditionellen Kern. Wie groß er ist, lässt sich schwer sagen. Vor allem muss man unterscheiden: Viele Tänzerinnen und Tänzer bevorzugen klassische Tangomusik, ohne deshalb Neo, Non oder gemischte Formate aktiv bekämpfen zu wollen. Sie gehen schlicht lieber auf EdO-Milongas, weil ihnen dort Musik, Ronda, Atmosphäre und Tanzverständnis besser passen.

Der wirklich harte puristische Rand, der moderne Formen grundsätzlich ablehnt und Tango fast ausschließlich über die historischen Orchester der Epoca de Oro definiert, dürfte deutlich kleiner sein als die große Gruppe der traditionellen EdO-Liebhaber. Traditionelle Vorliebe ist nicht automatisch Traditionalismus mit Kampfauftrag.

Schon diese grobe Aufteilung zeigt: Die eigentliche Tangoszene besteht nicht aus zwei feindlichen Heeren. Sie besteht vor allem aus einer großen Mitte, die je nach Angebot, Region, Musik, Laune und persönlicher Erfahrung pendelt.

Eine exakte Trennung ist ohnehin kaum möglich. Viele Tanzabende sind Mischformen. Manche DJs spielen fast ausschließlich traditionell, streuen aber gelegentlich moderne Tandas ein. Andere veranstalten klar erkennbare Neo-Abende. Wieder andere bewegen sich irgendwo dazwischen. In Berlin, Hamburg, Wuppertal oder Frankfurt gibt es lebendige moderne Szenen und eigene Neo-Formate. Im ländlicheren Raum dominieren dagegen oft klassische Milongas, schon weil die Szene kleiner ist und Veranstalter ein breiteres Publikum ansprechen müssen.

Das alles passt schlecht zu der immer gleichen Erzählung von Unterdrückung, Einnordung und konditionierten Tänzern. Viel plausibler ist: Die meisten Menschen bewegen sich pragmatisch. Sie wählen aus, was sie mögen, was erreichbar ist und wo sie sich wohlfühlen.

Natürlich gibt es mehr traditionelle Milongas als reine Neo- oder Non-Tango-Veranstaltungen. Natürlich prägt das Angebot auch den Geschmack. Aber daraus gleich eine Theorie von Konditionierung, Einnordung und Unterdrückung zu bauen, ist eine andere Nummer.

Vielleicht ist die Erklärung viel einfacher: Viele Tänzerinnen und Tänzer mögen historische Tangomusik, weil sie damit gut tanzen können. Viele Veranstalter spielen sie, weil sie funktioniert. Viele DJs greifen auf EdO zurück, weil diese Musik über Jahrzehnte als besonders tanzbar erfahren wurde. Und viele Gäste gehen genau deshalb dorthin, weil sie wissen, was sie erwartet.

Das ist nicht automatisch Konformismus. Das kann auch schlicht gewachsene Praxis sein.

Zugriffszahlen

Richtig lustig wird es, wenn Don Riedl nun die angeblich explodierenden Zugriffszahlen seines Blogs (was denn nun: ein bestimmter Artikel, monatlich seit…?, es gibt viele Analysen) als Bedeutungsbeweis herhalten müssen. 9195 Aufrufe an einem Tag? Bei grob geschätzten 80.000 Tango-Argentino-Tänzerinnen und -Tänzern in Deutschland wären das mehr als zehn Prozent der gesamten Szene.

An einem der heißesten Tage des Jahres.

Da darf man schon mal fragen, was dieses Blogspot-Zählwerk eigentlich alles mitzählt: echte Leser, Bots, Crawler, Mehrfachaufrufe, eigene Kontrollbesuche, vorbeifliegende Mücken? Oder ob sich jemand den Spaß gemacht hat, einen Bot einzusetzen, um die Zahlen in die Höhe zu treiben.

Ohne saubere Analyse sind solche Zahlen kein Beweis für Relevanz, sondern bestenfalls Statistik-Kirmes.

Aufrufe sind keine Leser. Leser sind keine Zustimmung. Zustimmung ist keine Wahrheit. Und Wahrheit entsteht nicht dadurch, dass ein Blogspot-Zähler Fieber bekommt.

Darauf wurde mehrfach hingewiesen. Aber Don Riedl ist offenbar stolz darauf.

Wenn 9195 Aufrufe schon mehr als zehn Prozent der grob geschätzten deutschen Tango-Argentino-Szene wären, dann bleiben ja nur noch die restlichen 90 Prozent übrig. Die will er vermutlich auch noch bekehren.

Don Riedl sattelt also weiter. Es gibt schließlich noch genug Windmühlen.

Er selbst schreibt:

„Wir glauben gerne, was unsere eigenen Erwartungen bestätigt. Diese kognitive Verzerrung nennt man ‚Bestätigungsfehler‘.“

Die Frage ist hier nur: Wer ist davon betroffen? Die angeblich konditionierte Tango-Szene? Oder vielleicht auch derjenige, der jede abweichende Erfahrung sofort in seine alte Erzählung von Konformismus, Einnordung und unterdrückter Vielfalt einordnet?

Auch sein Satz:

„Selbst wenn eine Mehrheit hinter diesen Einstellungen stünde, bedeutet es noch nicht, dass die richtig sein müssen. Auch Mehrheiten können irren.“

ist für sich genommen natürlich richtig. Nur bleibt dabei eine hübsche Asymmetrie: Mehrheiten können irren. Herr Riedl offenbar nicht.

Wenn jemand mit den Realitäten inzwischen etablierter Milongas, mit gefüllten Tanzflächen, mit Ronda, Códigos, Cabeceo, traditioneller Musik und normalen sozialen Auswahlmechanismen nicht mehr zurechtkommt, kann er daraus natürlich eine große Kulturkritik bauen. Dann sind es plötzlich nicht mehr persönliche Vorlieben, Enttäuschungen oder Anpassungsschwierigkeiten, sondern „Einnordung“, „Konformismus“, „Eliten“, „Aktivisten“ oder die angebliche Unterdrückung musikalischer Vielfalt.

Mich erinnert das manchmal an jene berühmte Romanfigur von Cervantes, die irgendwann so tief in ihrer eigenen Wirklichkeit steckt, dass Windmühlen zu Riesen werden. Nur sind es hier keine Windmühlen, sondern Rondas, Códigos, EdO-Tandas und Milonga-Ankündigungen.

Dabei wäre die Sache oft viel einfacher: Nicht jede Milonga spielt die Musik, die man selbst am liebsten hört. Nicht jede Tanzfläche bietet den Raum, den man gern hätte. Nicht jede gewünschte Tänzerin oder jeder gewünschte Tänzer steht einem zur Verfügung. Nicht jeder DJ sieht den eigenen Lieblings-Piazzolla als Höhepunkt des Abends. Und nicht jede Szene organisiert sich nach dem persönlichen Geschmack eines einzelnen Bloggers.

Das ist keine Unterdrückung. Das ist Tango-Alltag.

Ich selbst bin auch nicht mehr der Jüngste. Meine Lieblingsmusik wird auch nicht von jedem DJ gespielt. Jüngere Tänzerinnen tanzen verständlicherweise gern mit jüngeren guten Tänzern. Und nicht jede Milonga ist so, wie ich sie mir wünschen würde.

Auch direkt vor meiner Haustür liegt nicht gerade ein Paradies meiner Lieblingsmilongas. Wenn ich eine Veranstaltung besuchen will, die wirklich zu meinem Geschmack passt, muss ich oft mindestens eine Stunde anreisen und dann noch hoffen, dass mich jemand wieder mit zurücknimmt.

Das ist lästig. Aber es ist keine Unterdrückung.

Man kann Piazzolla mögen, Neo tanzen, Non-Tango lieben, gemischte Formate bevorzugen oder historische Tangomusik langweilig finden. Alles legitim. Man kann sich andere Werbung wünschen, mehr musikalische Vielfalt, andere Veranstaltungsformate, mehr Raum auf der Piste oder weniger Códigos.

Aber man muss daraus nicht jedes Mal eine Weltlage machen.

Wer Musikangaben will, soll das sagen. Wer Neo-Veranstaltungen vermisst, soll welche organisieren oder unterstützen. Wer Mixed-Formate liebt, soll hingehen. Wer traditionelle Milongas langweilig findet, kann sie meiden.

Nur bitte nicht aus jeder normalen Tanzpraxis gleich ein Bedrohungsszenario bauen. Und ein gewisser Herdentrieb ist bezüglich Vorlieben auch in anderen Sparten zu finden, zum Beispiel beim Fussball. Es gibt offensichtlich immer noch Leute, die sich von der FIFA finanziell die Hosen ausziehen lassen, und  glücklich sind, überhaupt dabei sein zu dürfen. Offensichtlich geht es den Deutschen doch besser als immer geklagt wird. Und der Tango-Welt auch.

Und manchmal ist eine Milonga-Ankündigung einfach nur eine Milonga-Ankündigung.

Und manchmal ist fehlende „Diagnose für einen glaubwürdigen Befund“ auch nur ein sehr umständlicher Satz für: Ich habe keine Lust mehr, weiterzureden.

Eigentlich könnte Herr Riedl seinen Blog inzwischen auf wenige Kernsätze reduzieren. Der Untertitel müsste dann ungefähr lauten:

Gerhard Riedls garantiert unanonymes, KI-freies und wiederholungsreiches Blog zum Tango argentino.

Und darunter die eigentliche Botschaft:

    • Ich hasse Rondas.
    • Ich misstraue Códigos.
    • Ich langweile mich bei EdO.
    • Ich möchte mehr Piazzolla.
    • Ich traue Milonga-Werbung nicht.
    • Ich halte Mehrheiten für verdächtig.
    • Ich glaube, dass viele irren – außer mir.
 

Das wäre wenigstens ehrlich und würde den Leserinnen und Lesern viele Umwege ersparen, wenn er wieder mal meinen erzählerischen Bogen schlägt, um über andere Themen auf sich zurück zu fallen. 

Aber hier taucht wieder mal die Frage auf: Wer liest Riedls Blog überhaupt? Wenn man persönlich fragt, will es keiner gewesen sein. Zunächst einmal ich. Aber mir wird ja diese Dauerfehde vorgeworfen. Von genau denen, die ihn ständig lesen. (Das war übrigens meine Retourkutsche an alle, die mir diesen Dauerzwist vorwerfen.)

Am Ende bleibt Riedls eigene Schlussformel fast die beste Zusammenfassung dieser Haltung:

„Ich rate daher, sich nicht mit Mehrheiten zu beschäftigen, sondern mit Meinungen.
Ansonsten kann ich doch nur froh sein, wenn mir eh keiner mehr glaubt. Dann darf ich meinem individuellen Kursfolgen. Und das ganz allein, als Einziger.“

Darf er. Ganz allein. Als Einziger. Ohne Dulcinea!

Don Quichote hätte es kaum schöner sagen können.

Aber mal eine abschließende Frage: Ganz allein? Misstraut er sogar den Zugriffszahlen?

 

PS:

Nachtrag:  Don Riedl teilt inzwischen mit, die meisten Zugriffe kämen aus den USA.

Tja.

Ein deutschsprachiger Tangoblog, der über deutsche Tango-Szenestreitigkeiten schreibt, bekommt angeblich Rekordzugriffe – und die meisten davon aus den USA. Das ist natürlich ein überzeugender Beweis für seine enorme Bedeutung in der deutschen Tangoszene. Oder vielleicht doch eher für Bots, Crawler, Suchmaschinen und die wundersame Märchenwelt des Blogspot-Zählers.

Wenn die Windmühlen jetzt schon aus Amerika grüßen, sollte man die Sektkorken vielleicht wieder reinstecken.

Und der vielleicht größte Witz an der Sache: Seit Wochen meldet Don Riedl hohe Zugriffszahlen. Trotz mehrmaliger Warnungen unsererseits, diese Zahl zu verifizieren, benutzt er sie täglich als stolzes Überbleibsel seiner Relevanz. Und die fällt nun auch in sich zusammen. Bravo, Gerhard! Strukturell doof!

Womit wir bei seinem neuesten Beitrag wären, der ausgerechnet diesen Titel trägt. Dort lobt er ausgiebig Dieter Nuhr, der in seiner letzten Sendung wieder einmal den Stammtisch mit Pointe verwechselt. Bei Frauenmorden wird herumgekalauert, als könne man den Täter vor dem Geschlechtsverkehr einfach fragen, ob er nebenberuflich Frauenmörder sei. Hungersnöte werden klein geredet, weil es ja auch viele Übergewichtige gebe. Dem deutschen Wald gehe es angeblich bestens – im Gegenteil –, Feinstaub sei kaum noch ein Thema – und so geht es weiter im fröhlichen Durchmarsch durch die üblichen Entlastungswitze.

Hier hätte Herr Riedl endlich einmal Gelegenheit, sich wirklich gegen Mainstream, Verharmlosung und billige Denkfiguren zu wenden.

Aber nein.

Wenn es um Rondas, Códigos oder Milonga-Werbung geht, wird der Untergang der kritischen Vernunft ausgerufen. Wenn Dieter Nuhr Frauenmorde, Hunger und Klimathemen in Pointe verwandelt, möchte man offenbar einfach nur lachen.

Dann halt Dir mal schön den Bauch, Gerhard.

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