Bloggerwelt
Wenn der Gegner im Archiv wohnt

Wenn der Gegner im Archiv wohnt

Mit Nachwort… siehe unten!

Es gibt Kritik. Es gibt Gegenkritik. Es gibt Polemik. Alles geschenkt.

Wer öffentlich schreibt, muss damit leben, dass andere öffentlich antworten. Das gilt für mich genauso wie für Herrn Riedl. Ich habe oft genug über ihn geschrieben, er schreibt oft genug über mich. So weit, so normal. Schön ist das nicht immer, aber es gehört zur Bloggerwelt.

Nur irgendwann kippt die Sache.

Dann geht es nicht mehr nur um einen Artikel, eine Meinung, eine These oder eine sachliche Auseinandersetzung. Dann beginnt jemand, den Blog des anderen wie ein persönliches Beobachtungsgebiet zu behandeln. Als müsse dort alles so liegen bleiben, damit man jederzeit den nächsten Schuss vorbereiten kann.

Genau diesen Eindruck habe ich inzwischen bei Herrn Riedl.

Er liest nicht einfach. Er überwacht.

Er durchstöbert meine Seiten, kommentiert Umstellungen, registriert Rubriken, findet angeblich Texte nicht mehr, behauptet dann gleich, sie seien verschwunden, und beklagt sich darüber, dass bestimmte Beiträge nicht mehr dort stehen, wo er sie offenbar gerne hätte.

Da muss man sich kurz sortieren.

Es ist mein Blog.

Nicht sein Archiv.

Nicht seine Materialsammlung.

Nicht sein Zündstofflager für den nächsten Artikel gegen mich.

Wenn ich auf meiner Seite Rubriken verändere, Texte anders einsortiere, ältere Beiträge zurücknehme, überarbeite oder aus der Startansicht entferne, dann ist das keine staatsgefährdende Aktenvernichtung. Es ist Blogpflege.

Herr Riedl scheint das anders zu sehen. Für ihn hat jede Veränderung offenbar sofort einen Verdachtswert. Wenn er etwas nicht findet, ist es verschwunden. Wenn eine Rubrik anders heißt, wird daraus ein Hinweis. Wenn ein Beitrag nicht mehr prominent herumsteht, riecht es nach Flucht, Vertuschung oder Unordnung.

Das ist schon bemerkenswert.

Noch bemerkenswerter ist, dass ausgerechnet „Radio Riedl-Wahn“ nun vermisst wird. Jener Text, über den er sich vorher so ausführlich empört hatte, soll nun offenbar wieder schön auffindbar bereitliegen. Erst ist er ein Skandal. Dann ist seine Entfernung oder Verschiebung auch wieder ein Skandal.

Man kann es ihm also nicht recht machen.

Oder vielleicht doch: Man müsste den eigenen Blog genau so führen, dass Herr Riedl seine Munition jederzeit bequem wiederfindet.

Das werde ich nicht tun.

Besonders hübsch war nun die Sache mit dem Namen Codega. In meinem Text stand zunächst durch Autokorrektur „Bodega“. Der Fehler wurde nachts um 00:23 Uhr korrigiert. Da hatte Herr Riedl seinen Beitrag offenbar längst geschrieben oder zumindest fertig in der Schublade. Trotzdem wurde daraus wieder ein Seitenhieb gebastelt.

Natürlich kenne ich den Namen, sonst hätte ich das Paar nicht erwähnt. Der Fehler war kein Wissensproblem, sondern ein banaler technischer Schreibfehler. Aber wer im Archiv mit der Lupe auf Beute wartet, nimmt auch so etwas gerne mit.

Das ist der Punkt.

Es geht nicht mehr darum, Texte zu lesen. Es geht darum, Material zu sammeln.

Jede Formulierung, jede Umstellung, jeder Schreibfehler, jede Rubrik, jeder alte Link wird daraufhin abgeklopft, ob sich daraus ein neuer Angriff bauen lässt. Und wenn man gerade nichts Großes findet, reicht eben ein kleiner Tippfehler oder die Frage, wo ein alter Beitrag abgeblieben ist.

So entsteht dann die eigene Beschäftigungstherapie.

Herr Riedl nennt das vielleicht Kritik. Ich nenne es inzwischen auffälliges Verhalten.

Denn wer ständig auf dem Blog eines anderen herumkriecht, sich über dessen Ordnung beschwert, alte Beiträge verfolgt, Änderungen beobachtet und daraus wieder neue Polemik zusammensetzt, der ist nicht einfach ein gelegentlicher Leser. Der hat sich eingerichtet.

Und zwar nicht inhaltlich. Sondern persönlich.

Man kann sich natürlich mit einem Gegner beschäftigen. Das tue ich auch. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Auseinandersetzung und Dauerfixierung. Zwischen Kritik an Texten und dem Bedürfnis, den gesamten Schreibplatz des anderen zu kartografieren.

Herr Riedl hat längst nicht nur meine Texte zum Thema gemacht. Er macht die Existenz meines Blogs selbst zum Thema. Seine Ordnung. Seine Rubriken. Seine Auffindbarkeit. Seine angeblichen Verschiebungen. Seine alten Texte. Seine neuen Texte. Seine Suchbarkeit für Herrn Riedl.

Das ist schon eine merkwürdige Form von Besitzanspruch.

Ich schreibe nicht für seine Ablage.

Ich schreibe nicht, damit er seine nächste Attacke besser strukturieren kann.

Und ich werde meinen Blog ganz sicher nicht so organisieren, dass Herr Riedl beim Stöbern weniger verwirrt ist.

Wenn er also wieder einmal etwas nicht findet, darf er gerne weiter suchen. Oder es lassen. Beides ist erlaubt.

Nur sollte er daraus keine Legende stricken.

Texte verschwinden nicht schon deshalb, weil Herr Riedl sie nicht findet. Und ein Blog ist nicht unübersichtlich, nur weil er nicht nach den Bedürfnissen eines Dauergegners sortiert ist.

Vielleicht wäre es ohnehin gesünder, wenn er sich weniger auf meinem Blog herumtreiben würde.

Nicht wegen mir, sondern seinetwegen.

Ach, Herr Riedl

Oh, Herr Riedl, Sie entsetzen sich über mein Titelbild mit Gollum? Und erkennen sich darin wieder?

Interessant.

Dabei steht dieses Fantasiewesen bekanntlich für eine geteilte Persönlichkeit: die ursprünglich harmlose und die besessene. Eine Figur, die etwas für sich beansprucht, was ihr nicht gehört. So weit die Bildsprache. Man muss sie nicht mögen. Man darf sie geschmacklos finden. Aber man sollte wenigstens verstehen, worauf sie zielt.

Über den Inhalt meines Beitrags verlieren Sie hingegen kein Wort. Wieder einmal wird ein dicker Nebel über Nebenkriegsschauplätzen ausgebreitet. Hauptsache, niemand redet mehr darüber, worum es eigentlich ging.

Und offenbar waren Sie so in Fahrt, dass Sie nicht einmal davor zurückschreckten, von der AfD plötzlich auf mich zu kommen. Schon als ich Ihren Artikel zu lesen begann, ahnte ich: Das bleibt nicht bei der AfD. Da führt er doch wieder irgendetwas im Schilde.

Und siehe da: Da war er wieder. Mein Name.

Weil Ihnen meine Schreibweise nicht gefällt? Weil meine Artikel angeblich „Schimpfkanonaden“ seien?

Achgottchen.

Sie teilen seit Jahren aus, Sie spotten, belehren, setzen Seitenhiebe, graben alte Texte aus und garnieren das Ganze mit der Pose des abgeklärten Satirikers. Aber wenn es zurückkommt, wird plötzlich das Opferkostüm aus dem Schrank geholt. Dann ist nicht mehr von Gegenrede die Rede, sondern von „Dämonisierung“.

Wie praktisch.

Besonders hübsch ist Ihre Methode, erst eine Deutung in die Welt zu setzen und dann großzügig zu erklären, die Leserinnen und Leser könnten sich ja selbst ein Bild machen. Wie gnädig. Erst markieren, dann scheinbar freigeben. Erst den Rahmen setzen, dann die Hände in Unschuld waschen.

Hauptsache, das Narrativ steht: Der böse Wendel.

„Er widerspricht mir. Scharf. Heftig. Direkt. Was für eine Unverschämtheit.“

Und schlimmer noch: Er drückt sich dabei klar und nachvollziehbar aus. So klar, dass man mit Argumenten offenbar nicht mehr recht weiterkommt. Also greift man zu einem dieser schiefen Vergleiche, in dem AfD, Dämonisierung und Klaus Wendel nebeneinander in einem Text auftauchen.

Da schreckt man vor nichts mehr zurück.

Natürlich nicht plump justiziabel formuliert. Da passt der scheinheilige Heuchler schon genau auf. Es wird angedeutet, relativiert, abgesichert. Erst wird die gedankliche Verbindung gebaut, dann wird schnell erklärt, so sei es natürlich nicht gemeint gewesen.

Ja, gewiss.

Aber als Erzählung bleibt es hängen: Der böse Wendel. Der Dämonisierer. Der Schimpfkanonier. Der Geschmacklose. Einer, mit dem man angeblich schwer über Geschmack streiten kann.

So funktioniert das Spiel.

Nur: Ich dämonisiere Sie nicht. Ich kritisiere Sie. Ich kritisiere Ihre Texte, Ihre Methoden, Ihre Ausweichmanöver und Ihre Lust an der Nebenfront. Dass Ihnen das nicht gefällt, überrascht mich nicht. Aber daraus eine Parallele zur politischen Dämonisierung der AfD zu bauen, ist nicht nur schief. Es ist billig.

Wenn Sie über meinen Beitrag sprechen wollen, dann sprechen Sie über seinen Inhalt.

Wenn Sie über mein Titelbild sprechen wollen, dann sprechen Sie über Bildsprache.

Wenn Sie über die AfD sprechen wollen, dann sprechen Sie über die AfD.

Aber gut, dass Sie die AfD ansprechen, Herr Riedl.

Denn vielleicht habe Sie mit dem Vergleich ein Eigentor geschossen, ohne es zu ahnen. Ich habe mich bisher bewusst zurückgehalten, genau das zu schreiben, was mir nun doch auffällt.

Die AfD werde also dämonisiert. Interessant.

Vielleicht liegt das Problem aber gar nicht darin, dass man diese Partei nur nicht höflich genug zum Gespräch bittet. Vielleicht liegt das Problem darin, dass man ihr mit sachlichen Diskussionen oft nur schwer beikommt, weil dort ständig Nebenschauplätze eröffnet, falsche Behauptungen gesetzt, Opferrollen bespielt und Strohmannargumente aufgebaut werden.

Kommt Ihnen das Muster bekannt vor? Mir schon. Mein Tip an Sie: Einfach mal meine Analyse genau durchlesen, Herr Riedl!

Ich habe bisher vermieden, diesen Zusammenhang herzustellen. Aus Respekt. Und auch, weil solche Vergleiche schnell missverstanden werden können.

Aber wenn Sie schon selbst die AfD, politische Dämonisierung und meine Person in einem Text nebeneinanderstellen, dann darf ich wohl ebenfalls über kommunikative Muster sprechen.

Nicht über Inhalte. Nicht über politische Ziele. Nicht über Gesinnungen.

Sondern über Methoden.

Wenn ich meine kleine „Kommunikationsanalyse“ , die übrigens über Ihre Kommunikation verfasste, einmal auf die AfD übertrage, ergeben sich erstaunliche Parallelen: Ausweichmanöver, Opferpose, Verdrehung der Kritik, Behauptung moralischer Verfolgung, Verschiebung des Themas und anschließend die Klage darüber, man werde unfair behandelt.

Zufall? Mag sein.

Aber die Ähnlichkeit der Methode ist schon bemerkenswert.

Und genau deshalb wirkt Ihr Text so entlarvend.

Sie beklagen die Dämonisierung politischer Gegner, während Sie gleichzeitig meine Kritik an Ihnen in einen Rahmen stellen, der mit mir nichts zu tun hat. Erst AfD, dann Dämonisierung, dann Klaus Wendel.

Das ist kein Argument. Das ist ein Arrangement.

Und die Methode ist keineswegs neu. Die AfD macht es in der politischen Debatte ähnlich: Wer für eine ernsthafte Klimapolitik eintritt, wird sofort als „links-grün-versifft“ einsortiert. Wer sich für Frauenrechte, Minderheitenrechte oder gesellschaftliche Gleichstellung ausspricht, landet umgehend in der Schublade „Wokismus“. Und wenn gar nichts mehr fruchtet, dann ist plötzlich der „Gender-Wahn“ das größte Problem Deutschlands.

So funktioniert diese Technik: Man widerlegt nicht den Inhalt. Man verpasst dem Gegenüber ein Etikett.

Dann muss man sich mit dem eigentlichen Argument nicht mehr beschäftigen.

Und genau das tun Sie hier mit mir. Sie sprechen nicht über den Kern meiner Kritik. Sie stellen mich in einen Deutungsrahmen. Dämonisierung, Schimpfkanonaden, Geschmacklosigkeit, Gollum. Alles schön arrangiert, damit vom Inhalt möglichst wenig übrig bleibt.

Nur leider ist das durchsichtig.

Wer Kritik nicht widerlegen kann, versucht eben, den Kritiker umzudeuten.

Sie haben den Vergleich geöffnet. Nicht ich.

Ich ziehe daraus lediglich die Konsequenz und sage: Wer ständig mit Nebel arbeitet, darf sich nicht wundern, wenn jemand den Nebelwerfer beschreibt.

Aber hören Sie auf, alles so lange miteinander zu verknoten, bis am Ende wieder nur eines übrig bleibt: Ihre alte Lieblingsgeschichte vom schlimmen Klaus Wendel, der es wagt, Ihnen öffentlich zu widersprechen.

Zum Abschluss noch ein Wort zu meinem angeblich so groben und ungehobelten Sprachstil.

Wenn Ihnen meine Ausdrucksweise nicht gefällt, darf ich Sie höflichst an eine Ihrer eigenen Stilblüten erinnern. Voller Poesie, versteht sich. Fein ziseliert. Geradezu galant:

„Ach, da wünscht man sich doch die goldenen 1940er Jahre zurück, wo es auf Milongas bei einer solchen Bemerkung umgehend vom Partner eins auf die Fresse gegeben hätte. Ja, es war nicht alles schlecht in der Época de Oro…“

Das schrieben Sie, weil ich es gewagt hatte, ein Tanzpaar zu kritisieren, das versuchte, zu Piazzolla zu tanzen.

Man sieht: Wenn Herr Riedl grob wird, ist es Satire. Wenn ich scharf antworte, ist es eine Schimpfkanonade.

Praktisch.

Das nennt man in Ihren Kreisen dann vermutlich geschmackvolle Ausdrucksweise. Oder war es wieder nur Humor, den man mir erst mühsam erklären müsste?

Deshalb muss ich wohl zurücknehmen, dass ich Sie argumentativ in die Nähe eines bayerischen Stammtisches verortet habe. Meine Vermutung inzwischen: Dort hätte man Sie mit Ihrer penetranten Rechthaberei längst unsanft vor die Tür gesetzt.

Na dann: Prost.

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