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Gedanken über Tango-Unterricht (und das Bloggen) | 30.Teil 

Gedanken über Tango-Unterricht (und das Bloggen) | 30.Teil 

Ein kleines Resümee • eine Rückschau und Reflexion

Das ist nun der 30. Teil der Reihe „Gedanken über Tango-Unterricht“ – eigentlich waren es mehr, weil manche Themen mehrere Teile hatten. Zeit also, mal ein kleines Resümee zu ziehen.

Ehrlich gesagt, haben mich manchmal die Diskussionen mit anderen Bloggern oft mehr Energie gekostet als die inhaltliche Arbeit an Tango-Themen selbst. Die vorübergehende „Beheimatung“ einiger Kommentatoren, die bei Gerhard Riedl geblockt wurden und dann bei mir schrieben, hat zwar ordentlich Traffic gebracht – aber auch das dumpfe Gefühl, dass die Blog-Leserschaft manchmal lieber Schulhofschlägereien verfolgt als sachliche Themen. Trotzdem gab es echtes Interesse, Zustimmung, auch Kritik – und das ist gut so.

Obwohl viele Leser so manche Blogger in die Ecke der „Tango-Prediger mit Sendungsbewusstsein“ einordnen, betrachte ich mich anders, denn hier wiederhole ich mal, was so manche  Leser vielleicht übersehen haben: Diese Reihe war nie als Anleitung zum besseren Tanzen oder Unterrichten gedacht. Sie war immer meine persönliche Gedankenwelt – kein Lehrbuch, kein Kurs, kein Manifest.

Wenn ich über strukturelle Phänomene, bekannte Personen oder szenetypische Verhaltensweisen schreibe, dann nicht, um jemanden bloßzustellen, sondern weil mich gewisse Dinge stören oder nachdenklich machen. Dass sich manche dann persönlich angegriffen fühlen, liegt oft daran, dass sie sich selbst darin wiedererkennen.
Ich wollte aber nur sagen: Schaut genauer hin. Wer sich die heile Tango-Welt zu schön malt, sollte sich fragen, ob er sich nicht selbst täuscht. Natürlich will niemand sein Hobby von einem Miesepeter kaputtreden lassen. Aber manchmal ist es heilsam, wenn eine Illusion platzt – spätestens dann, wenn man merkt, dass es in der Szene genauso viele Blender, Aufschneider und Eitelkeiten gibt wie überall sonst.

Viele reagieren lieber mit Abwehr, statt das eigene Verhalten zu reflektieren. Nur weil „alle“ etwas machen, ist es noch lange kein Naturgesetz. Nach über 40 Jahren Tango-Erfahrung, seit den Anfängen des europäischen Tango-Revivals, sehe ich manches eben mit etwas Abstand – und mit weniger Szene-Pathos. Denn wenn man in irgendetwas mitten drinsteckt hat man nicht den selben Überblick wie jemand der von außen drauf schaut. „Man sieht eben manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht, wenn man mitten drin steht.“ Aber auch ich steckte mal mitten in der Tango-Szene und deren Sichtweisen und habe so manche Dinge kritiklos übernommen. Bis ich feststellte, wie bescheuert sie eigentlich sind. 

Was mich immer wieder wundert (und manchmal amüsiert), ist die dogmatische Treue zu bestimmten Glaubenssätzen. Es wird an Ritualen, Regeln und Gewohnheiten festgehalten, als wären sie heilig. Kaum jemand hinterfragt, ob sie in einer deutschen Alltagskultur überhaupt Sinn machen. Selbst sinnvolle Dinge werden selten überprüft oder angepasst – man macht’s halt, „weil’s alle so machen“.

Und natürlich sollte man bei Kulturphänomenen wie dem Tango auch lernen wollen.
Je mehr man sich mit den soziologischen Gegebenheiten und gesellschaftlichen Umgangsformen der Ursprungsländer auseinandersetzt – vor allem mit den geschichtlichen und den gegenwärtigen (denn Tango ist kein Museum) –, desto besser versteht man auch seine Regeln und seinen Tanz.

Leider kommt genau das oft zu kurz, weil viele versuchen, diese Regeln unkritisch zu übernehmen.
Aber nichts ist absolut. Nein, dieses Mal dient nicht schon wieder der Cabeceo als Missverständnis, aber der gewohnte Versuch, bestimmte Dinge aus ihrem sozialen Kontext zu reißen. Stoff für zukünftige Artikel, deshalb hier keine thematischen Spoiler. 
Eine bedingungslose Übernahme von Regeln, nur weil es „original“ oder „authentisch“ erscheint, wirkt dagegen oft absurd – selbst in Buenos Aires.

Meine Rolle als Blogger

Natürlich habe ich eine gewisse Verantwortung, wenn ich öffentlich kritisiere oder Dinge infrage stelle. Aber manchmal wird diese Verantwortung überzogen interpretiert, als wäre jede meiner Zeilen eine päpstliche Bulle.
„Wer ist dieser Klaus Wendel, der sich hier aus dem Fenster lehnt?“ – fragten manche.
Ja, gute Frage. Ich frag mich das auch manchmal.

Aber ich schreibe nicht, weil ich mich berufen fühle. Ich schreibe, weil ich denke, dass es vielleicht andere interessiert. Ich beanspruche kein Deutungsmonopol – im Gegenteil zu manch anderem Blogger halte ich mich nicht für unfehlbar. Ich diskutiere gern, und mein Blog sollte eigentlich ein Ort dafür sein – für offenen Austausch.

Doch genau daran hapert’s. Kaum jemand diskutiert. Statt über Inhalte zu sprechen, wird über meine Schreibweise geredet. Dabei wäre ich der Letzte, der sich nicht über konstruktive Hinweise freut oder Formulierungen verbessert, wenn sie unklar sind.

Geht es beim Bloggen um Besserwisserei?
Wenn man manche Kommentarspalten liest – ja.
Aber für mich geht es um Dialog, um das Nachdenken über Tango jenseits von Hochglanz-Floskeln.

Tango ist keine exakte Wissenschaft – aber auch keine Esoterik

Tango ist keine empirische Wissenschaft, stimmt. Aber er hat faktenbasierte Grundlagen – historische, musikalische, physiologische. Wer das ignoriert, macht ihn beliebig.
Viele verwechseln „Tango-Wissen“ leider mit „Tango-Erfahrung“.
Beides ist nicht dasselbe. Erfahrung ist subjektiv, Wissen ist überprüfbar.

Leider tragen viele ihre Erlebnisse vor sich her wie Offenbarungen. Der Dunning-Kruger-Effekt lässt grüßen – übrigens auch bei mir. Ich habe früher vieles geglaubt zu wissen und wurde oft genug widerlegt.
Heute bin ich viel vorsichtiger geworden. Fast alles ist komplizierter, als man denkt.

Was mich aber wirklich stört, sind die selbsternannten Tango-Populisten, die für jedes Problem eine Universallösung parat haben. Die gibt’s nicht. Jeder, der sich ernsthaft mit Tango beschäftigt, weiß:
Kaum hast du etwas verstanden, zeigt dir der Tanz, dass es noch anders – und meist besser – geht.

Dass sich der Tango ständig weiterentwickelt (musikalisch leider nicht im selben Tempo), ist Fluch und Segen zugleich. Es gibt keine endgültigen Formeln – und das ist vielleicht das Schönste daran. 

Fazit

Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich diese Themenreihe überhaupt fortsetzen soll – auch wegen der geringen Resonanz in den Kommentaren.
Aber dann habe ich mich an meine eigene Präambel erinnert:
„Schreib einfach! Scher dich nicht um Zugriffszahlen – irgendwer wird schon was damit anfangen können.“

Und tatsächlich: Ich hätte nie gedacht, dass mir das Schreiben so viel Spaß machen kann. Trotzdem werde ich künftig nicht mehr so häufig schreiben. Manche Themen sprudeln einfach aus mir heraus, andere brauchen Zeit – und manchmal setze ich mich selbst unnötig unter Druck, wenn länger nichts Neues erscheint.

Darum will ich es in Zukunft ganz schlicht halten:
Ich schreibe, wenn ich wirklich etwas zu sagen habe.

Mit lieben Grüßen

Nach der Veröffentlichung meines Resümees hat sich – wenig überraschend – auch Gerhard Riedl auf seinem Blog dazu geäußert.
Er widmete meinem Text einen ganzen Artikel, versehen mit reichlich Lob und einigen bekannten Seitenhieben.
Das nehme ich zum Anlass, noch ein paar Dinge geradezurücken und einen kleinen Nachtrag zu schreiben.

Nachtrag

Gerhard Riedl hat meinem Resümee einen ganzen Artikel gewidmet – mit ungewohnt viel Lob.
Dafür danke ich ihm zunächst, obwohl ich eher vermute, dass dieses Lob weniger meiner Person gilt als der vermeintlichen Übereinstimmung in einzelnen Punkten.

Auch wenn wir in einzelnen Punkten scheinbar übereinstimmen, unterscheidet sich die Art, wie wir mit Widerspruch umgehen, deutlich.
Ich reflektiere gegensätzliche Positionen, korrigiere Irrtümer und führe Diskussionen sachlich und ausführlich.
Wenn ich merke, dass meine früheren Texte fehlerhaft oder einseitig waren, schreibe ich Gegenartikel und setze mich mit meinen eigenen Irrtümern auseinander.

Mein Grundwissen ist durch Jahrzehnte praktische Erfahrung gewachsen; ich argumentiere nicht aus einer Laune heraus, sondern auf Grundlage von Beobachtung, Wissen und Erfahrung.
Meine Reihe „Gedanken über Tango-Unterricht“ ist dabei keine Belehrung anderer Tango-Lehrer, wie es bei seiner Reihe „Was Ihnen Ihr Tango-Lehrer nicht erzählt…“ anklingt, sondern eine Bestandsaufnahme meiner Beobachtungen.

Seine Theorien über das Tango-Lernen ohne Anweisungen, also völlig autark durch Herumprobieren, klingen zwar verlockend – sie wurden jedoch nie empirisch belegt oder bestätigt.
Die Realität im Unterricht und auf der Tanzfläche sieht anders aus:
Ohne klare Orientierung, Feedback und gezielte Vermittlung bleibt der Lernprozess oft beliebig und ineffizient.

Ich würde auch niemals allein auf Grundlage von YouTube-Videos beurteilen, wie jemand unterrichtet.

Im Übrigen erzählen wir Tango-Lehrer nicht, wir vermitteln Tango – unser Wissen, unsere Erfahrung, unser Verständnis.
Niemand besitzt einen Tango-Almanach, wir alle befinden uns in einem ständigen Austausch- und Lernprozess – im Gegensatz zu Gerhard Riedl, der offenbar seit 1999 nicht mehr dazulernen möchte.

Was mich seit Jahren an seinem Blog irritiert, ist nicht die Meinung selbst, sondern das Fehlen jeder Selbstkorrektur
Falsche Aussagen bleiben unwidersprochen, Irrtümer gibt es laut seiner langen Blogchronik schlicht nicht – und kritische Kommentare werden zuverlässig gelöscht oder öffentlich abgekanzelt.

Wenn er schreibt, wir beide würden unsere Ansichten „mit Nachdruck vertreten“, stimmt das zwar, aber der Unterschied ist:
Ich halte meine eigenen Irrtümer für möglich. Er offenbar nicht.

Und genau das ist auch der Ausgangspunkt unserer Auseinandersetzungen – nicht seine Thesen, sondern seine Rechthaberei.
Dass er sich deshalb ständig persönlich angegriffen fühlt, statt seine Texte kritisiert zu sehen, liegt genau daran:
Wer sich selbst als frei von Irrtümern darstellt, wird zwangsläufig auch persönlich getroffen, wenn jemand widerspricht.
Dass er das nach all den Jahren noch immer nicht begreift, ist schlicht ein Armutszeugnis.

Deshalb nehme ich sein Lob mit einer gewissen Vorsicht.
Nicht, weil ich mich darüber ärgere – sondern weil es vermutlich nur deshalb ausgesprochen wurde, weil er sich selbst darin gespiegelt sieht.

Und genau das ist vielleicht das Problem:
Wer im Spiegel nur sich selbst erkennt, wird den anderen nie wirklich verstehen.

19 thoughts on “Gedanken über Tango-Unterricht (und das Bloggen) | 30.Teil 

    • Author gravatar

      Manchmal habe ich das Gefühl, ein bestimmter Blogger spielt ein perfides Ping-Pong mit mir: Er greift einzelne Sätze auf – solche, denen er angeblich zustimmt – und stellt sie dann in einen völlig anderen Kontext. So entsteht der Eindruck, wir seien uns einig. Sind wir aber nicht.
      In seinem jüngsten Beitrag fabuliert er über „Dolchstoß-Legenden“ „Kriegsberichterstattung“ und sogar über ein Stalin-Bild in einer Billy-Wilder-Komödie. Und jetzt, da meine Kritik an DJ-Marotten und musikalischen Routinen zufällig in sein „Mindset“ zu passen scheint, wird sie kurzerhand vereinnahmt – entstellt, umgedeutet, instrumentalisiert. Dass er Christians Beyreuthers Begriff „Dolchstoß“, der ja als Metapher für eine Finte steht in den geschichtlichen Kontext der Nationalisten bringt, ist ja auch ziemlich bezeichnend.
      Das ist offenbar seine neue Methode, mich zu diskreditieren: „Das Schlimmste, was du deinem Gegner antun kannst: Lobe ihn! Benutze seine Worte – und drehe sie zu deinem Nutzen um.“
      Und wenn ich diese Verdrehungen dann richtigstelle, wirft er mir auch noch vor, ich würde „zurückrudern“, um meine angebliche Fan-Gemeinde zu beruhigen. Ein durchschaubares Manöver – aber genau darauf zielt seine Taktik: mich in eine Endlosschleife aus Abwehr und Rechtfertigung zu treiben.
      Noch absurder wird es, wenn er sich dann auf die Meinungsfreiheit beruft, auf Artikel 5 des Grundgesetzes – als ginge es um ein bedrohtes „Rederecht“, das ihm jemand streitig machen wolle. Ich habe ihm das nie abgesprochen. Das ist eine reine Nebelkerze. Denn darum geht es gar nicht – sondern um den Missbrauch meiner Texte als Rechtfertigung seiner eigenen Theorien.
      Christian Beyreuther hat das in einem Kommentar treffend analysiert. Kettensägen-Gerd jedoch spinnt daraus eine Deutung der Dolchstoß-Legende und fährt rhetorisch gleich schweres Geschütz auf. Ein unfreiwilliger Beweis, in welchen Kategorien er denkt: Offenbar ist diese Bloggerfehde für ihn schon Krieg.
      Ich schreibe gern. Aber was ich zutiefst verabscheue, ist, wenn man mich durch solche Spielchen zu einer Rechtfertigung zwingt.

      • Author gravatar

        Lieber Klaus,
        du musst nicht auf die – in der Tat brilliant perfiden – Texte von G.R. antworten. Keiner kann dich „zu einer Rechtfertigung“ zwingen und dich „in eine Endlosschleife aus Abwehr und Rechtfertigung treiben“.
        Mach einfach gar nichts. Dann hat G.R. ein Thema weniger und du deinen Seelenfrieden.

        • Author gravatar

          Liebe Theresa, ich glaube, dass die wenigsten diese Perfidie durchschauen. Sie sehen nur: Riedl lobt Klaus Wendel und die beiden sind sich wohl einig. Es ist schwierig. Aber Danke für Deinen Rat, ich lerne es wohl nie. Und, dass Riedl ein Thema weniger hätte, ist wohl eine Illusion. Er hat jetzt den 5. Artikel in Reihe über meinen Blog geschrieben, kennt offensichtlich kein anderes Thema mehr, außer seinen Dauerthemen. Inzwischen bin ich für ihn wohl eine Obsession geworden. Der Mann dreht sich doch inzwischen im Hamsterrad der Wendel-Phobie.
          Lg. Klaus

    • Author gravatar

      Lieber Klaus,

      dein Resümee hat eine Ehrlichkeit und Offenheit, die man in der Tangoszene selten findet. Dass ausgerechnet darauf hin sofort Gerhard Riedl mit einem „Lob“ reagiert, wirkt auf den ersten Blick überraschend – auf den zweiten jedoch wie ein rhetorischer Griff mit doppeltem Boden. Denn sein Text liest sich weniger wie Anerkennung, sondern wie eine Umdeutung deiner Aussagen, die dich subtil in seine Erzählung einordnen soll.

      Sein „Lob“ ist weniger Anerkennung als Deutungsanspruch
      • Er stimmt dir zunächst oberflächlich zu.
      • Dann erklärt er, dass ihr euch „in vielem ähnlich“ seid.
      • Und schließlich interpretiert er deine Aussagen so, als hättest du eigentlich genau das gemeint, was er selbst seit Jahren behauptet.

      Damit nimmt er deinem Text ein Stück seiner Eigenständigkeit.
      Das wirkt nicht wie Dialog, sondern wie Vereinnahmung und rhetorische Besitzergreifung.

      Der Kern des Ganzen: Er macht aus deiner Selbstreflexion seine eigene.

      Wenn er schreibt: „Wendel hält sich nicht für unfehlbar. Auch das haben wir gemeinsam.“, zeigt dieser Satz exemplarisch, was hier passiert:
      • Deine Selbstkritik wird zu seiner Selbstbeschreibung.
      • Deine Beobachtung über Dogmatismus wird so präsentiert, als ginge sie an ihm vorbei.
      • Deine differenzierte Betrachtung der Szene wird in seine Position hineingeschoben.

      Das wirkt nicht wie Wertschätzung – sondern wie die Umdeutung eines Textes, der ihm eigentlich widerspricht.
      Thematische Verschiebung: Aus Tango wird „Riedls Geschichte mit dir“.

      Du schreibst über Tango, Lernkultur und Szenestrukturen.
      Er jedoch verschiebt das Thema sofort:
      • weg von deinen Beobachtungen,
      • hin zu seiner persönlichen Historie,
      • und letztlich zu seiner Rolle in diesem Narrativ.

      Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass dein Resümee nicht wirklich gelesen, sondern funktional verwertet wurde.
      Die gefährlichste Passage: „In vielen Dingen treffen sich unsere Ansichten.“

      Dieser Satz wirkt harmlos – ist aber der eigentliche Dolchstoß. Subtext:
      • Deine Kritik sei gar keine Kritik.
      • Deine Distanz sei nur scheinbar.
      • Deine Analyse sei eigentlich eine Bestätigung seiner eigenen Position.

      Das ist die eleganteste Form der Vereinnahmung:
      man spricht dem anderen die Deutungshoheit über seine eigenen Worte ab.

      Die Ironie am Ende: Sein letzter Satz entlarvt das Gesamtmanöver.
      Er schreibt: „Der Text ist wichtig, um manche vor Abstürzen zu bewahren.“

      Das klingt wie ein Kompliment, bedeutet aber:
      • Er beansprucht die Position, beurteilen zu können, wer „Abstürze“ hat.
      • Er stellt sich selbst als Instanz über die Szene.
      • Er bestimmt, welche Texte Orientierung geben dürfen – und welche nicht.
      • Er setzt dich damit in eine Hierarchie, die er selbst definiert.

      Das ist der eigentliche Dolchstoß: Anerkennung als Mittel zur Einordnung.

      Fazit
      Riedls Kommentar ist die höflichste Form der Umdeutung deines Textes.
      • Er schreibt nicht, um mitzudenken.
      • Er schreibt, um umzudeuten.
      • Er liest nicht, um zu verstehen.
      • Er liest, um einzuordnen.
      • Er erkennt nicht an, sondern vereinnahmt.

      Und genau deshalb, Klaus, ist dein Resümee so wichtig. Es steht für etwas, das sein Kommentar nicht kennt:
      • Offenheit statt Berechnung
      • Reflexion statt Selbstbestätigung
      • Dialog statt Einhegung
      • Weiterentwicklung statt starrer Selbstinterpretation

      Dein Text öffnet Räume.
      Riedls Kommentar versucht, sie zu schließen.

      Mit besten Grüßen
      Christian Beyreuther

      • Author gravatar

        Lieber Christian,
        vielen Dank für Deine präzise Analyse. Ich habe das selbe gedacht, als ich seinen Beitrag durchlas: Er benutzt meine Reflexion als die eigene und die somit dann im Kontext zu ihm nicht mehr stimmt. Denn er reflektiert nie, gibt nie Fehler zu – im Gegenteil: er deutet sie bei Widerlegung um – beharrt noch drauf. usw. Er lobt mein Resümee zum Zwecke einer verfälschten Selbstdarstellung. Ein vergiftete Praline. Habe ich im Nachtrag auch schon beschrieben.
        Liebe Grüße von Klaus

      • Author gravatar

        Bezugnehmend auf den Blogbeitrag
        „Die Opportunisten entdecken die Dolchstoß-Legende“

        Was dort geschieht, ist bemerkenswert – weniger wegen des Inhalts, sondern wegen der Struktur der Antwort. Anstatt auf Kritik oder Analyse einzugehen, verschiebt der Autor das Gespräch auf eine Bühne, auf der er die Deutungshoheit behält. Das ist keine Diskussion, sondern ein Selbstverteidigungsreflex, der mit erstaunlicher Energie betrieben wird.

        Auffällig ist, dass nicht der Vorwurf der Vereinnahmung beantwortet wird – sondern die Metapher. Nicht der Gedanke, sondern das Bild. Nicht die Argumentation, sondern das Symbol.
        Das ist typisch für Menschen, die Sachkritik nur als Identitätsangriff verarbeiten können.

        Denn anstatt inhaltlich zu klären
        • worin die angebliche Übereinstimmung mit Wendels Position besteht,
        • welche eigenen Überzeugungen revidiert wurden,
        • welche Lernprozesse stattgefunden haben,

        weicht der Beitrag aus – in Ironie, in historische Analogien, in Ablenkungsbilder.

        Dieses Verhalten zeigt ein Persönlichkeitsmuster, das sich in vielen seiner Texte wiederholt:
        • Kritik wird nicht als Möglichkeit zur Erweiterung angenommen, sondern als Bedrohung der eigenen Rolle im Diskurs.
        • Zustimmung dient nicht als Austausch, sondern als rhetorisches Einhegen des anderen.
        • Meinungen sind flexibel – Selbstbild ist starr.
        • Reflexion wird gefordert, aber selten selbst praktiziert.

        Es wirkt, als bräuchte der Autor die Kontrolle über Interpretation, um das eigene Selbstbild stabil zu halten.
        Anerkennung wird nur dann akzeptiert, wenn sie in sein Narrativ passt.
        Und Kritik wird nur dann diskutiert, wenn sie keine Veränderung verlangt.

        Man könnte darin eine pathologische Tendenz zur Selbstbestätigung erkennen – nicht krank im klinischen Sinne, sondern im diskursiven:

        ein geschlossenes System, das äußere Informationen nicht integriert,
        sondern sie umlenkt, neutralisiert und neu etikettiert.

        Der neue Blogbeitrag demonstriert genau das:
        • Zustimmung wird zum Besitzanspruch.
        • Kritik wird zur „Legende“.
        • Metaphern werden wichtiger als Inhalte.

        So verhindert man Dialog – nicht durch Konfrontation, sondern durch Umdeutung.

        Darum bleibt am Ende nicht die Frage, was man ihm erwidern sollte,
        sondern was er selbst mit der Kritik tun könnte –
        wenn er bereit wäre, sie als Möglichkeit statt als Angriff zu lesen.

        Er könnte – theoretisch:
        • konkret benennen, wo Übereinstimmung besteht.
        • eigene Irrtümer offen anerkennen.
        • Diskussion inhaltlich führen statt metatheatralisch.
        • Zuhören statt spiegeln.
        • Entwicklung zulassen.

        Er könnte.
        Er dürfte.
        Er müsste nicht einmal verlieren.
        Aber er wird es vermutlich nicht tun.

        Denn wer die eigene Rolle braucht, um sich im Tango zu verorten,
        wird Veränderung immer als Gefahr empfinden – und nicht als Chance.

        Und genau deshalb war Wendels Text notwendig.
        Denn wo Rhetorik Identität schützt, öffnet Reflexion Entwicklung.

        Beste Grüße
        Christian Beyreuther

      • Author gravatar

        Die Methode Riedl sehr gut zusammengefaßt. Nur als Info: ich bastle gerade tatsächlich an der konkreten Umsetzung dessen, was ich mal mit dem Arbeitsnamen CRAP angedacht hatte: ein Containment-Umgebung für Riedl-bezogene Anmerkungen als statische Web-Page. Dann kann ich (und jeder ist eingeladen, das dann dort auch zu tun) die nervigsten Texte kommentieren, ohne das eigene Blog damit vollzumüllen.

        • Author gravatar

          Gute Idee. Mach das!

          • Author gravatar
            • Author gravatar

              Gerhards letzte Selbst-Kommentare (bin ich der einzige, dem da ein anderer nicht ganz jugendfreier Begriff einfällt, in dem auch „Selbst“ vorkommt?) offenbaren Dinge, die ich schon fast tragisch nennen würde. Er zweifelt, daß ich seinen Kommentar freischalten würde – keine Frage, daß er das in nahezu Echtzeit erwartet. Das hat bei mir ein Klischeebild abgerufen: eine Person, die seitlich, hinter einem Vorhang nur halb verborgen, an einem Fenster steht, verkniffenes Gesicht, darauf wartend und hoffend, daß auf der Straße etwas geschieht, daß es rechtfertigt, das Fenster aufzumachen und loszuschimpfen. „Brilliant perfide“ ist als Beschreibung der Arbeitstechnik sicher zutreffend, zumindest solange man das doch recht simple Muster nicht berücksichtigt. Das dahinter stehende Bedürfnis ist eine andere Sache.

            • Author gravatar

              Mit „Perfidie“ ist in diesem Fall wohl eher die Energie gemeint, die er als fensterbankkissen-lehnender Blogwart (kein Schreibfehler, Gerd!) in seine gedanklichen Winkelzüge und in die Pflege seiner „geglaubten“ Bloggerehre steckt – samt der Dauerspionage auf unseren Seiten. Ich hab’s ja mal überprüft: Matomo zeigte mir nach kurzer Zeit seine IP, die sich eindeutig zuordnen ließ. Ergebnis: Zugriff auf meinen Blog – mit genauer Artikelangabe – nahezu stündlich. Insofern ist Dein Bild mit dem Vorhang ziemlich treffend.
              Er warf mir damals vor, ich würde eine „Spionage-Software“ einsetzen. Tatsächlich liefert Matomo nur IPs und Reaktionsdaten – er hat also, wie so oft, etwas verwechselt.
              Seine selbstreferenzielle „K-Onanie-nator“-Spalte, in der er sich im Wesentlichen nur noch um sich selbst und seine Streitigkeiten dreht, ist wohl das deutlichste Symptom seiner fortschreitenden Selbstauflösung.

            • Author gravatar

              Riedl lügt: „Gerade gelesen: Klaus Wendel gibt zu, eine Software zu verwenden, die ihm die IP-Adressen von Besuchern seines Blogs anzeigt. Sollte man wissen, wenn man seine Seite besucht!
              https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-unterricht-und-das-bloggen-30-teil/#comments (18.32)
              Auf meinem Blog gibt es eine solche Software nicht. Ich habe mich noch nie um IP-Adressen meiner Besucher gekümmert!“

              Meine Antwort: Das ist absolut unzutreffend! Die Software gibt zwar IPs zum Schutz gegen Spammer, Hacker und allgemein bei Besuchern zu erkennen, aber lässt keine Rückschlüsse auf deren Namen zu.
              Bei Riedl ließen lediglich vorübergehend bestimmte Zugriffen auf bestimmte Artikel und deren Uhrzeiten Rückschlüsse auf seine Reaktionen bei seinen Kommentaren zu. Diese stimmten auffällig über ein. Die häufigen Zugriffe einer IP in stündlichen Abständen ließen nur eine Schlussfolgerung zu: Gerhard Riedl beobachtet meinen Blog. Auch seine schnellen Reaktionen mit ständigen Kommentaren bezüglich unserer Reaktionen lassen stark vermuten, dass er sehr, sehr oft damit beschäftigt ist. Ich rate ihm umgehend, diese Lüge unmittelbar zurückzunehmen, sonst kommt diese Mal auch ein Brief von mir und auch mit unangenehmem Briefkopf.
              Es ist schon ein Witz, wie er mit dieser Lüge wieder von seiner Obsession ablenken will. Gerhard, Du bist wirklich armselig!

    • Author gravatar

      Eine bedingungslose Übernahme von Regeln, nur weil es „original“ oder „authentisch“ erscheint, wirkt dagegen oft absurd – selbst in Buenos Aires.

      Ich bin auch der Meinung, dass man die Dinge immer wieder neu betrachten sollte und wenn nötig auch seine Haltung dazu ändern muss. Ich habe es in letzter Zeit immer öfter erlebt, dass DJs die eisernen Regeln gebrochen haben und Stücke in einer Tanda verbaut haben, welche zeitlich zu weit auseinander waren, oder gar einen anderen Sänger hatten und damit nicht mehr dem bisherigen strengen Kanon genügten. So wie ich es erlebt habe war es nicht willkürlich, sondern bewusst und die Energie in der Milonga hat dadurch profitiert. Es war aber noch so, dass die Tanda schlüssig und harmonisch war. Damit meine ich aber keinesfalls, dass es okay ist Stücke unbewusst und willkürlich in eine Tanda zu werfen.
      Christian

      • Author gravatar

        Was du beschreibst, kann ich gut bestätigen.
        Es gibt tatsächlich DJs, die ihre Tandas buchhalterisch nach Schema F zusammenbauen – ganz korrekt nach Jahrgang, Sänger und Orchesterphase –, auch wenn das oft auf Kosten des Tanzvergnügens geschieht.
        Gerade bei Biagi merkt man, wie stark sich seine Aufnahmen je nach Schaffensperiode unterscheiden, etwa mit dem Sänger Duval.
        Man kann aber auch den umgekehrten Weg gehen: die Sänger selbst als verbindendes Element einer Tanda nehmen – also verschiedene Orchester, aber mit derselben Stimme.
        Eine Art „Ronda de Ases“ der Sänger.
        Aber klar, beim Thema DJing wird’s heikel.
        Viele DJs sehen in der „stiltreuen“ Zusammenstellung nach Schaffensperioden eine fast wissenschaftliche Disziplin, während Tänzer:innen viel eher auf die Gesamtwirkung und Energie der Ronda achten.
        Die meisten hören weder die genaue Entstehungszeit noch das Orchester heraus – manchmal nicht einmal, dass es ein anderes ist.

        • Author gravatar

          „Same singer, different orchestras“ habe ich probiert- funktioniert manchmal und manchmal nicht. Siehe auch: https://tangoblogblog.wordpress.com/2025/08/02/the-same-singer-multiple-orchestras-experiment-update/.
          Das Hauptproblem ist, man kommt damit nicht besonders weit, weil die meisten Sänger einfach ziemlich orchestertreu sind.

          Bei den Auswahlregeln gibt es glaube ich ein Mißverständnis: „Gleiches Orchester, ähnliches Jahr“ ist mehr so eine Art best practice-Negativregel: es erhöht die Wahrscheinlichkeit, eine konsistente Stimmung innerhalb einer Tanda hinzubekommen. Was mich angeht, mische ich regelmäßig Sänger und auch Jahre. Beim Mischen von Orchestern braucht es dagegen eine Menge Fingerspitzengefühl, und in meiner persönlichen Energiebilanz-Bewertung gibt es keine adäquate Rendite für den doch erheblichen Mehraufwand. Es gibt aber bestimmt talentiertere Leute als mich, für die das anders aussieht.

    • Author gravatar

      Hallo Klaus,
      Deine Zeilen bringen es perfekt auf den Punkt. Ich habe mich lange rausgehalten, jetzt möchte ich aber gerne auch meine Gedanken dazu loswerden. Riedl ist einfach nicht zu einem kreativen, bereichernden Austausch fähig. Ich denke seine Lehrervergangenheit macht es Ihm echt schwer einen Diskurs auf Augenhöhe zu führen, womit er sich selbst im Weg steht. Wahrscheinlich weiß er gar nicht, wie sich ein echter Dialog anfühlt, weil er seine Lehrerperspektive nie verlassen konnte. Dafür tut er mir echt leid. Stell dir vor Du kannst nie gemeinsam mit anderen Menschen eine gemeinsame Idee entwickeln, weil Du der Meinung bist schon alles zu wissen und die anderen dann mit harschen Worten abkanzelst – traurig eigentlich. Diese Lehrertypen kenne ich auch aus dem privaten Umfeld. Sobald die Leute merken was Sache ist, verziehen sie sich, weil keiner Bock hat belehrt zu werden und mit jemandem zu diskutieren der meint immer recht zu haben.
      Ausserdem scheint er begriffsstutzig zu sein. So lässt, zum Beispiel, sein Plädoyer für leere Tanzflächen einfach nicht die Möglichkeit zu, dass es Menschen gibt die auf vollen Tanzflächen viel Spaß haben können. Eigentlich disqualifiziert er sich hier schon selbst. Wir beide können mit großer Freude auf einer freien Tanzfläche, aber auch in einer geordneten Ronda tanzen – er nicht. Somit hat er eigentlich keine Legitimation bei dieser Frage mitzureden. Ich kenne dieses Verhalten von kleinen Kindern, die eine Sache doof finden, wenn Sie darin nicht erfolgreich sind. Eventuell zerstören Sie dann das Spielzeug, so dass die anderen auch keinen Spaß mehr haben können. Ich denke, dass ist sein Prinzip. Schau Dir die Themen an, gegen die er wettert. Encuentro, EdO, Tanzunterricht. Enge Umarmung, Ronda – keines davon versteht er oder beherrscht es. Dann macht er es halt mit dem Vorschlaghammer platt. Aber, das ist für mich die zentrale Frage in der riedelschen Pathologieforschung: Warum lässt er denen die es beherrschen und lieben, nicht ihren Spaß?
      Ansonsten Glückwunsch zu Deinem gelungen und interessanten Blog. Auch optisch echt toll und modern (im Gegensatz zu Deinem Mittbewerber). Ich finde hier können sich (neue) Gedanken und Ideen frei entwickeln. Wenn Dir widersprochen wird versuchst du dem Leser Deine Idee zu vermitteln, anstatt ihn herunterzumachen oder zu zensurieren.
      Liebe Grüße,
      Christian
      p.s. wenn er an meinen Worten eine Rechtschreibkorrektur vornimmt hat er direkt genau das bestätigt was ich sagen wollte.

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