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Gedanken über Tango Unterricht | 21. Teil

Gedanken über Tango Unterricht | 21. Teil

Tänzerische Aktivität der Folgenden – totale Anpassung oder Bewegungsfreiheit?

Da ich mir bewusst bin, dass dieses Thema leicht als provokant aufgefasst werden kann, möchte ich gleich zu Beginn klarstellen: Es geht mir hier nicht um Wertung, nicht um Richtig oder Falsch, und schon gar nicht um die Frage, was Frauen – also hier in der Rolle der „Folgenden“ – zu tun oder zu lassen hätten. Mir geht es schlicht um Beobachtungen aus dem Unterricht, der Praxis und dem sozialen Tanzgeschehen, die mich stutzen lassen. Und um Fragen, die sich daraus ergeben.

Denn: Die oft zitierte Idee, dass ein Tango-Paar aus zwei gleichwertig aktiven Tanzenden besteht – beide zu 100 % präsent, bewusst und im Flow –, steht in auffälligem Widerspruch zu dem, was ich häufig auf der Tanzfläche und im Unterricht erlebe. Vor allem auf Seiten der Folgenden – also meistens der Frauen.

Was ich dort oft sehe, ist ein Maß an Anpassungsfähigkeit, das eher in Selbstaufgabe als in tänzerischer Kooperation mündet. Die Rolle der Frau wird dabei nicht selten zur Marionette, die sich – meist unbewusst – zur reinen Erfüllungsgehilfin des Mannes degradiert. Anstelle eines Dialogs entsteht so nur ein Monolog, der wenig Raum für Begegnung, Interpretation oder gar Eigenständigkeit lässt.

Das beginnt bei der Umarmung, setzt sich in der Bewegung fort und führt letztlich dazu, dass von einem „tänzerischen Gegenüber“ kaum noch etwas zu spüren ist.

Beobachtungen aus dem Unterricht

In Einzelstunden begegnet mir dieses Phänomen regelmäßig. Da stehen Frauen vor mir, die sich elegant und mit viel Hingabe in geschlossener Umarmung bewegen können. Die das Tango-Vokabular draufhaben, wie es eben üblich ist. Und dennoch: Sobald ich – oder auch ein Führender im sozialen Tanz – über das Standardrepertoire hinausgehe, kippt die Sicherheit. Eine ungewohnte Führung, ein Wechsel im Timing, eine kleine Strukturveränderung – und zack: Die Bewegung stockt, der Fluss bricht ab, die Frau schaut irritiert oder bleibt stehen.

Das wäre noch kein Problem – wenn nicht der Impuls immer gleich derselbe wäre: „Was hat er falsch gemacht?“ Oder: „Ich konnte das nicht spüren.“ Oder: „Das war nicht klar geführt.“ Es ist diese reflexhafte Verschiebung der Verantwortung nach außen, die mich nachdenklich macht. Denn eigentlich müssten wir auch die Folgenden – also die Frauen – dafür sensibilisieren, dass sie selbst eine gewisse Eigenverantwortung im Tanz tragen. Und dass auch Führende keine Maschinen sind. Dass auch sie mal daneben liegen. Und dass der Tanz trotzdem weitergehen kann – wenn die Folgenden eine eigene Balance, ein eigenes Bewegungszentrum, eine eigene tänzerische Klarheit mitbringen.

Aber genau daran scheint es immer öfter zu fehlen.

Ein Rückblick in die Geschichte – und warum er heute nicht mehr trägt

Vielleicht liegt die Ursache für diese Haltung noch in einem historischen Rollenverständnis: In Buenos Aires der 40er und 50er Jahre waren es die Männer, die sich über Jahre hinweg auf der Straße, in Prácticas und unter sich den Tango erarbeitet haben. Die Frauen hingegen hatten wenig Gelegenheit zu üben. Viele tanzten nur am Wochenende – auf Milongas, wo von ihnen erwartet wurde, sich einfach führen zu lassen. Die Männer führten dementsprechend mit unmissverständlicher Deutlichkeit – teils recht ruppig – und trugen die volle Verantwortung für das Gelingen des Tanzes. Die Qualität der Führung lag in ihrer Dominanz.

Das hat sich – Gott sei Dank – verändert. Heute lernen Frauen genauso wie Männer, besuchen Unterricht, gehen auf Prácticas, arbeiten an Technik, Ausdruck und Haltung. Und trotzdem scheint ein altes Muster weiterzuleben: Dass „gute“ Folgende vor allem dann als gut gelten, wenn sie problemlos zu führen sind. Wenn sie möglichst weich, anschmiegsam, reaktionsschnell und – letztlich – unauffällig sind.

Aber: Ist das wirklich die Qualität, die wir uns auf der Tanzfläche wünschen? Ist das das Ideal einer modernen Tango-Begegnung – wo sich zwei Menschen begegnen, beide im Jetzt, beide präsent, beide mit Eigeninitiative und Klarheit?

Die Bilder im Kopf

Wenn ich an typischen Social Tango denke, habe ich sofort bestimmte Bilder im Kopf. (…siehe auch Titelfoto) Und ich bin sicher, vielen geht es genauso. Es ist dieses eine Motiv: Die Frau – zierlich, entrückt, mit geschlossenen Augen – hat ihren linken Arm elegant (oder manchmal etwas zu dramatisch) um den Nacken des Mannes gelegt, schmiegt sich weich und verträumt an seine Brust und scheint sich hingebungsvoll dem nächsten Tango hinzugeben. Ein Bild voller Intimität, Nähe, Melancholie – und, ja: Hingabe.

Und so wie dieses Bild in meinem Kopf existiert, existiert es auch auf tausenden Fotos, Webseiten, Plakaten, Album-Covern und Social-Media-Profilen: Der Inbegriff des Tango, der visuelle Archetyp. Ein bisschen „Sex sells“ mit Milonga-Filter.

Doch genau dieses Klischee ist es, das vielen Frauen – insbesondere Folgenden – eine ziemlich falsche Vorstellung vom eigentlichen Tanzen vermittelt. Denn es nährt die Idee, dass Tangotanzen gleichbedeutend ist mit: Augen schließen, sich gut anlehnen, weich mitschwingen – und ab da „führt der Mann den Rest“. Und ehrlich gesagt: Das tun viele dann auch. Also: nicht tanzen, sondern sich einfach führen lassen – im Sinne von: sich ziehen lassen. Mitlaufen, Tippelschrittchen absolvieren, dabei möglichst gefühlvoll aussehen, und wenn’s gut läuft, vielleicht noch auf die Musik reagieren, sofern der Mann es gerade tut.

Aber so funktioniert Tanz auf Dauer nicht. Und Tango schon gar nicht.

Ein gefährlicher Trugschluss

Das Problem ist nicht das Bild selbst – das mag für manche eine schöne Realität sein und für andere eine emotionale Fantasie. Der Trugschluss entsteht, wenn das Bild zur inneren Vorlage wird: So sieht Tango aus, also muss ich so tanzen. Das führt dazu, dass viele Folgende glauben, wenn sie sich weich anpassen, die Augen schließen und ein bisschen Bewegung mitmachen, reiche das für gutes Tanzen aus. Doch das Gegenteil ist der Fall: Dieses passiv-weiche Sich-Einlassen genügt nicht, um einen echten Dialog entstehen zu lassen. Und schon gar nicht, um musikalisch gemeinsam kreativ zu werden.

Denn: Was in dieser klischeehaften Vorstellung komplett fehlt, ist tänzerische Aktivität. Musikalität. Energie. Haltung. Präsenz. Es fehlt das, was Tango eigentlich lebendig macht – der gegenseitige Austausch von Impulsen, Reaktionen, Interpretationen. Und nicht zuletzt: das Bewusstsein für den eigenen Körper im Raum, in der Musik, im Kontakt.

Es ist eben ein Unterschied, ob ich mich „schön mitnehmen lasse“ oder ob ich wirklich tanze. Und dieser Unterschied wird oft von genau dem Bild überlagert, das in vielen Köpfen spukt – auch, weil es so oft und so ästhetisch vermarktet wird.

Was dieses Bild verschweigt

Das romantisierte Tango-Bild suggeriert eine Harmonie, die in der Realität oft nicht existiert. Denn was man auf den Fotos nicht sieht, sind die Stocker, das fehlende Timing, das unklare Gewicht, das ständige „Was-will-er-jetzt?“-Rätselraten. Und auch nicht die Unsicherheit, wenn mal nicht alles so eindeutig ist. Wenn die Führung mehr Freiraum lässt, oder wenn plötzlich kreative Optionen gefragt wären – dann ist da oft: nichts. Kein tänzerisches Statement der Folgenden. Kein eigener Impuls. Keine eigene Interpretation.

Und das liegt nicht daran, dass Frauen das nicht könnten. Sondern daran, dass das Bild in ihren Köpfen ihnen etwas anderes vorgaukelt. Dass Hingabe, Nähe, Sanftheit das Ziel sei – anstelle von Präsenz, Ausdruck und Eigenständigkeit.

Zur Klärung der Führungsaufgabe – was Männer wirklich leisten sollten

Bevor hier der Eindruck entsteht, ich wolle den Fokus einseitig auf die „Folgenden“ lenken und ihnen mehr Verantwortung zuschieben: Nein – das ist nicht mein Punkt. Es geht mir nicht darum, die Rolle der Führenden – also in der Regel der Männer – kleinzureden oder ihre Verantwortung abzuschieben. Ganz im Gegenteil: Eine gute, durchdachte und klare Führung ist und bleibt die Grundlage für jeden gelungenen Tanz. Aber: Diese Verantwortung wird oft eher vage beschrieben und in der Praxis noch vager ausgeführt. Daher ein paar Gedanken zur Klärung dessen, was gute Führung eigentlich bedeutet – jenseits von Stereotypen.

Führung beginnt mit der Partnerin – nicht mit der eigenen Bewegung

Viele Männer führen „aus sich heraus“, also aus der eigenen Bewegung heraus. Doch wer wirklich führt, beginnt nicht bei sich, sondern bei der Partnerin. Genauer gesagt: bei ihrem Schrittskelett – ihrem möglichen Bewegungsrahmen, ihrem Körperzentrum, ihrer Achse. Gute Führung denkt voraus, statt zu reagieren. Der Impuls zur Bewegung sollte nicht beim eigenen Schritt entstehen, sondern idealerweise gedanklich vor der eigenen Bewegung – in der Vorwegnahme dessen, was die Frau braucht, um sich sicher und flüssig zu bewegen.

Timing ist keine Formsache – es ist essenziell

Ein häufiger Stolperstein ist das Timing. Viele Männer führen im allerletzten Moment, oft schon im eigenen Körperschritt – in der Annahme, dass die Partnerin die Bewegung „irgendwie spürt“. Doch Tango ist kein Reflextraining. Wenn die Frau erst in dem Moment erfährt, wohin es geht, wenn sie ihr Gewicht schon transferiert hat, ist es oft schon zu spät. Was viele unterschätzen: Die Frau braucht die Information über den Richtungswechsel, die Richtung, das Gewicht – während sie projiziert.

Idealerweise spürt sie beim Aufsetzen des Fußes schon, wohin der nächste Schritt gehen wird – nicht durch Raten, sondern durch vorausschauende Führung. Nur so kann sie ihren Schritt gestalten, sicher balancieren und eventuell sogar musikalisch ausschmücken.

Führung schafft Raum – nicht Kontrolle

Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird: Gute Führung ist keine Kontrolle, sondern Raumbildung. Wenn ein Mann führt, gibt er der Partnerin einen Rahmen, in dem sie sich entspannt bewegen kann – und zwar mit Präzision, aber ohne Enge. Das beginnt bei einer bequemen, aufrechten, offenen Umarmung, die genug Stabilität bietet, aber gleichzeitig genug Luft lässt, damit die Frau ihr eigenes Zentrum behalten kann. In so einer Haltung kann sie weich und geschmeidig tanzen – aber auch aktiv, präsent und mit Energie.

Musikalisches Denken statt mechanischer Ablauf

Schließlich ist Führung auch ein musikalischer Akt. Ein klar tanzbares musikalisches Muster, das nicht aus einem willkürlichen Schrittvorrat besteht, sondern aus Bewusstsein für Phrasierung, Rhythmus und Energie, ist das Fundament, auf dem die Frau ihre Bewegung gestalten kann. Gerade Adornos, Verzögerungen, kleine Interpretationen entstehen nicht „einfach so“, sondern nur, wenn der Mann den Raum dafür öffnet – durch Timing, Klarheit und Musikalität.

Unterrichtsschwerpunkte für Führende (Männer)

1. „Führung beginnt bei der Partnerin“ – Fokus auf das Schrittskelett

Ziel: Die Partnerin „lesen“ lernen: Wo steht sie gerade? Wo ist ihr Gewicht? Was ist ihr Bewegungsrahmen?

Übung:

    • Führender darf selbst keine Schritte machen, sondern nur durch minimale Oberkörperimpulse Bewegungsrichtung und Gewicht der Partnerin steuern.
    • Dabei beobachten: Wie reagiert sie? Wie viel (oder wenig) braucht es wirklich?

Variation:

    • Rollenwechsel – die Männer folgen, um die Wirkung minimaler Führung selbst zu spüren.

2. „Führen mit Voraussicht“ – Timing präzise setzen

Ziel: Die Partnerin bekommt die Information für den nächsten Schritt vor dem Gewichtwechsel.

Übung:

    • Übung mit Zeitlupe-Tango (z. B. langsame Vals oder Lento-Musik).
    • Führender markiert deutlich vor dem eigenen Schritt die gewünschte Bewegungsrichtung.
    • Der Schritt wird nur ausgeführt, wenn beide sichtbar bereit sind.

Ansage: „Führe erst, wenn du ihren nächsten Schritt vor Augen hast – nicht deinen.“

3. „Raum statt Kontrolle“ – Qualität der Umarmung

Ziel: Eine Umarmung finden, die stabil, aber nicht einengend ist.

Übung:

    • In fester Umarmung einfache Vor-/Rück-/Seit-Schritte tanzen. Partnerin gibt Feedback: Fühlt sie sich eingeengt, zu locker, verlagert?
    • Danach: Führender lockert seine Haltung schrittweise. Wo kippt’s? Wo bleibt Verbindung UND Freiheit?

Tipp: Die Partnerin darf mit geschlossenen Augen tanzen, nicht aus Romantik, sondern zur Wahrnehmung: Fühlt sie sich sicher getragen?

4. „Musikalische Führung“ – Phrasen verstehen und anbieten

Ziel: Die Führung vermittelt musikalische Struktur: Phrasen, Betonungen, Pausen, Beschleunigungen.

Übung:

    • Kurze Musikstücke hören: Gemeinsam Phrasen zählen, Breaks finden, typische Melodiebögen erkennen.
    • Dann tanzen: Führender wählt einen klaren musikalischen Bogen – Partnerin soll erkennen: Was genau wird hier musikalisch gezeigt?

Variation:

    • Führender tanzt nur auf die Melodie, Partnerin auf den Rhythmus – und umgekehrt. So entsteht musikalisches Bewusstsein im Duo.

5. „Führen durch Klarheit, nicht durch Kraft“ – Minimalistische Kommunikation

Ziel: Weniger ist mehr – Führung durch klare Struktur, nicht durch „Druck“.

Übung:

    • Beide Partner*innen nehmen sich bewusst 50 % ihrer gewohnten Energie raus.
    • Nur durch klare Richtungsimpulse und Körperspannung darf Bewegung entstehen.
    • Sobald jemand „drückt“ oder „zieht“, wird gestoppt – und gemeinsam reflektiert: Was genau war zu viel?

Übergreifender Schwerpunkt für alle:

„Tango ist ein Dialog“ – beide tragen Verantwortung

Ein zentraler Gedanke aus deinem Text:

Die Frau darf nicht in Unsicherheit verfallen, wenn die Führung mal hakt. Und der Mann darf sich nicht auf intuitive Mitläufer verlassen.

Daraus ergibt sich eine Haltung für den Unterricht:
Nicht wer „Schuld hat“ zählt, sondern was man daraus gemeinsam macht.

Fazit – Tango ist keine Einbahnstraße

Mir ist wichtig, dass dieser Text nicht als Fingerzeig verstanden wird, sondern als Einladung zum Nachdenken – und vielleicht auch zum Umdenken. Denn wenn wir ehrlich sind, läuft im Tango (wie im echten Leben) vieles über unausgesprochene Bilder im Kopf. Und wenn sich dieses innere Bild bei den Folgenden immer wieder auf „Augen zu, anlehnen, genießen“ reduziert – dann bleibt der Tanz unter seinen Möglichkeiten.

Tango ist eben keine Einbahnstraße. Er lebt vom Miteinander, von zwei Menschen, die gleichzeitig präsent, aufmerksam und klar sind. Wer nur „gut mitläuft“, geht nicht wirklich in Beziehung. Und wer führt, ohne Voraussicht, ohne Timing, ohne musikalische Klarheit, überfordert oder unterfordert sein Gegenüber – oft beides gleichzeitig.

Denn sobald die Frau zur bloßen Marionette wird, die – oft unbewusst – lediglich als Erfüllungsgehilfin des Mannes agiert, kippt der Tanz in eine Schieflage: Es entsteht kein Dialog, sondern ein Monolog. Und Monologe mögen auf der Bühne funktionieren – auf der Tanzfläche führen sie ins Leere.

Wenn wir beide Rollen ernster nehmen – mit mehr Bewusstsein, mehr Verantwortung und mehr Präsenz –, dann passiert plötzlich das, was man nicht üben kann: echter Dialog. Bewegung, die aus einem inneren Ja entsteht – nicht aus Gewohnheit, Unsicherheit oder aus dem Wunsch zu gefallen.

Denn am Ende tanzen wir nicht, um ein schönes Bild abzugeben. Wir tanzen, weil es sich gut anfühlt. Und das gelingt nur, wenn beide mit echtem Eigengewicht tanzen – und nicht nur einer denkt, und die andere hofft, es richtig zu machen.

22 thoughts on “Gedanken über Tango Unterricht | 21. Teil

    • […] Ich habe diese Aspekte bereit in eigenen Beiträgen behandelt:Die tänzerische Aktivität der Folgenden […]

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      Ich möchte hier noch einmal bei dem Thema Führung einhaken. Der Einsatz verschiedener Kanäle ist ein wichtiger Aspekt für eine klare und für alle angenehme Führung. In einer kleinen Privatstunde mit einer Tänzerin und Choreographin internationaler Tangoshows durfte ich einmal die Führung per Atmung trainieren. Als vereinfachtes Beispiel: Einatmen vor Beginn eines Schrittes und dann mit dem Ausatmen der Schritt – für gutes Timing und einen organischen Bewegungsablauf.
      Etwas ganz Besonderes durfte ich bei anderer Gelegenheit kennenlernen: Wer schon einmal ein Pferd an der Leine geführt hat, wird wissen, dass das Pferd sehr unwillig reagiert, wenn über die Leine in irgendeiner Weise Zug ausgeübt wird. Die Leine ist da, aber lose. Das Pferd wird, wenn der Führende gegenüber dem Pferd achtsam ist, allen Bewegungen und Stopps folgen. Ohne direkten Blickkontakt und ohne Signale über die Leine. Das funktioniert, bei entsprechender Achtsamkeit, auch bei Menschen. Eine kleine Übung: 2 Personen gehen, ohne Körper- oder Blickkontakt, nebeneinander. Die als Führende definierte Person bleibt stehen, geht weiter, wird schneller oder langsamer. Die andere Person folgt. Beide sollen synchron bleiben, dazu müssen sie auf die Reaktion der jeweils anderen achten, sie spüren. In einer verschärften Variante geht das, bei entsprechender Achtsamkeit, sogar mit geschlossenen Augen.
      Dies ist selbstverständlich nur ein, allerdings nicht zu unterschätzender, Teilaspekt für eine gute und angenehme Führung und das entsprechende Timing. Ohne dass man klar sagen könnte, welche Signale hier benutzt werden. Ich selbst bekomme das immer mal wieder gespiegelt, wenn ich da selbst nicht sauber im Timing und unaufmerksam bin. Ich höre dann von meiner Frau: „du gehst mal wieder ohne das Pferd!“.

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        Ich finde es interessant, dass du – wie ich – von mehreren Kanälen der Führung sprichst, statt dich auf einen einzigen zu versteifen. Manche Blogger erheben „push & pull“ beinahe zur alleinigen Wahrheit. Für mich ist das zu kurz gedacht. Führung kann – und sollte – auf mehreren Ebenen stattfinden: physisch, visuell, musikalisch, ja sogar über die Atmung. Letztere ist ein unterschätzter, aber enorm wichtiger Faktor, der sofort den gemeinsamen Rhythmus verändern und einen subtilen Gleichklang erzeugen kann.
        Dein Beispiel mit dem Pferd an der Leine ist absolut logisch. Denn das „sich-dagegen-wehren“ ist ein ganz natürlicher Reflex. Niemand lässt sich gerne den Willen anderer aufzwingen. Genau deshalb empfinde ich das Ziehen oder Drücken im Tango auch als respektlosen Angriff auf das Gleichgewicht – und so wird es ja auch außerhalb des Tanzes empfunden: Wer mich auf der Straße schiebt oder zieht, überschreitet eine Grenze.
        Dass dieses „Schieben und Ziehen“ früher einmal als Führung galt, erklärt auch, warum viele Frauen damals mit erhöhtem Muskeltonus reagierten. Ihr Körper ging automatisch in Gegenwehr. Ein Tanz, der auf Kraft basiert, produziert Spannungen, aber keinen Dialog.
        Sehr treffend ist auch, was deine Partnerin als „gehen ohne Pferd“ bezeichnet: Der Moment, in dem der Führende sich mental von seiner Partnerin abkoppelt – sei es, weil er in die eigene Bewegung kippt, die Aufmerksamkeit auf andere Paare richtet oder in einen Auto-Modus verfällt. Diese mentale Unterbrechung ist sofort spürbar. Eine sensible Partnerin merkt das unmittelbar: der Kontakt bricht nicht nur körperlich, sondern auch geistig ab.
        Genau da liegt der Kern: Führung ist kein „Mechanik-Spiel“, sondern immer ein Zusammenspiel von physischen, mentalen und emotionalen Kanälen. Wer nur einen davon benutzt – ob „push & pull“ oder bloße Körperspannung –, reduziert die Vielfalt dessen, was Tango eigentlich ausmacht.

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      > Du machst hier ein Negativ-Beispiel zum Gegenargument, nur um eine allgemeine Aussage zu widerlegen?

      Yep, so weit ich weiß nennt man das ARGUMENTIEREN. Wie so oft gehst du auf meine konkreten Einwand nicht ein. Aus deiner beleidigten Antwort schließe ich allerdings, dass doch NICHT alles möglich sein sollte, was der „Verständigung“ dient.

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        Deine Negativauslegung funktioniert etwas so – übertragen auf Autoverkehr:
        Aussage: „Man sollte es Autofahrern nicht ermöglichen ihre Rennfahrer-Fantasie auf der Autobahn auszuleben, sie sollten sich an die allgemeine Richtgeschwindigkeit anpassen.“
        Negativ-Auslegung: „Du willst also überall Tempo 30 einführen?“
        Das ist zwar argumentieren, aber dient nicht der Verständigung.

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      Eine Ergänzung zu Deinem Punkt 5: „Führen durch Klarheit, nicht durch Kraft“:
      Eine Übung, die ich gerne nutze, ist, völlig ohne Körperkontakt zu tanzen. Man steht sich in einem Meter Abstand gegenüber und tanzt trotzdem zusammen. Ganz ohne Umarmung gibt es kein Schieben oder Ziehen. Dieses „Push & Pull“ hält der von dir erwähnte Münchner Blogger zwar für den Kern der Führung und weigert sich bis heute, die Übung mal mit seinen Schülern auszuprobieren.
      Aber ich habe das schon mehrfach mit Erfolg eingesetzt. Bei einigen Tänzern ist regelrecht die Kinnlade heruntergefallen : „Wie jetzt? So wenig muss ich machen?“ Ja, richtig: Die Folgende kann selber stehen und gehen. Die muss man nicht mit physischer Kraft durch die Gegend schieben.

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        Übrigens demonstrieren gelegentlich Gustavo Naveira & Gisell-Ann das, was Du meinst, indem sie ohne körperlichen Kontakt vortanzen.
        Ich habe jetzt nicht genau bei ihm nachgelesen, ob Jochen Lüders wirklich Führung per „push & pull“ bevorzugt, aber ich glaube er denkt schon, dass er sich für alle Bewegungen der Frau verantwortlich fühlen möchte.

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          Siehe diese Diskussion, die ich mit ihm hatte:

          https://jochenlueders.de/?p=16200

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            Hallo Helge,
            ja, ein langer Disput – und wie so oft in solchen Diskussionen reden alle ein Stück weit aneinander vorbei. Muss dir aber zu deiner Enttäuschung sagen: Du hast vor zwei Jahren selbst noch nicht allzu tief im Thema gesteckt und ziemlich viel Unverständliches geschrieben. Insofern hatte Jochen in einigen Punkten durchaus recht.
            Was mich bei Jochen allerdings stört, ist sein schnelles Abqualifizieren von Dingen, die er nicht versteht – mit „Quatsch“. (Das darf eigentlich nur über G.R.s Tango-Technik-Geschwurbel schreiben.)
            Schaut man sich das am Anfang des Artikels verlinkte Video mit Adam Cornett genauer an, wird auch klar, dass „Push & Pull“ eben nicht bedeutet, dass Jochen seine Partnerin „durch die Gegend schiebt“. Es ist vielmehr ein kleines Absprachen-Signal: die Hände auf der offenen Seite reagieren gegenseitig auf minimalen Druck oder Zug, also auf Impulse. Diese betreffen direkt die Beckendrehung der Frau, sind fast unsichtbar und funktionieren mit sehr wenig Kraft. Eine wunderbare Ergänzung zur Palette der Führung – aber leider nicht nicht universell tauglich, weil viele Frauen es nicht kennen. Außerdem ist sie in der geschlossenen Umarmung nicht so hilfreich. Ich habe allerdings damit in leicht geöffneter Umarmung sehr gute Erfahrungen gemacht. Bin aber statt „pull“ zu einer Variante umgestiegen, die sich auch in der geschlossenen Umarmung eignet. Trotzdem: Führung ist nie universell, sondern von vielen Faktoren abhängig. Und genau deshalb halte ich mich mit tieferen schriftlichen Beschreibungen zurück – Missverständnisse sind da vorprogrammiert, wie man im Kommentar-Wust deines Links sieht. Jeder versteht in diesem sogenannten Fachjargon etwas anderes.
            Zur Führung ohne Körperkontakt: Natürlich deutet die Partnerin auch Gestik, Blick oder Raumöffnung. Führung lässt sich mit allen Sinnesorganen lesen – nicht nur über den Körper. Und hier der Grund Eures „Aneinandervorbeiredens“: Manche Tänzer, viellicht auch Jochen, setzen ausschließlich auf mechanische, körperlich spürbare Signale, andere auf Umarmung, wieder andere auf visuelle Impulse. Alles ist möglich, solange es der Verständigung dient. Wichtig ist nur, die Partnerin nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen – das gilt mittlerweile als verpönt.
            Und ehrlich gesagt: Diese Streits über die „richtige“ Führung verstehe ich nicht mehr. Führung lässt sich nicht normieren. In Argentinien spricht man von „marcación“ – und für mich bleibt das letztlich Magie. Ich lerne ständig dazu. Wirklich gute Tänzer:innen diskutieren darüber ausführlich, feilen gemeinsam – aber das Ganze lässt sich nicht in Blogartikeln endgültig festschreiben.
            Sehr lesenswert war übrigens ein Artikel in der Tangodanza Nr. 85 (Jan./Feb./März 2021): „Danza – Der Blick der Frau“ von Maike Christen, über den Unterricht von Giselle Anne & Diana Cruz. Darin erklären die beiden sehr klar, welche Führungssignale sie wirklich brauchen – und ihre Botschaft war eindeutig: Viele Männer sollen endlich aufhören, ihre Partnerinnen wie Tanz-Blödies zu behandeln. Leider wurde der Artikel auf Facebook völlig missverstanden und endete in endlosen Diskussionen darüber, ob man das Einkreuzen der Frau „führen“ müsse. Dabei offenbarte sich vor allem eines: wie viele seltsame Vorstellungen über die Rolle der Frau im Umlauf sind.
            Und genau das ist die gleiche Aussage, die ich auch in meinem Artikel getroffen habe: Tänzerische Kenntnisse und Eigenverantwortung gehören auf beide Seiten.

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              > wieder andere auf visuelle Impulse. Alles ist möglich, solange es der Verständigung dient.

              Echt jetzt? Auch wenn die Frau ständig auf die Füße des Mannes schaut, um seine Bewegungen zu „interpretieren“?

            • Author gravatar

              Echt jetzt? Du machst hier ein Negativ-Beispiel zum Gegenargument, nur um eine allgemeine Aussage zu widerlegen? Das ist zwar ziemlich polemisch, aber das kenne ich von Dir: Immer voll rein! Ich empfinde Dich mittlerweile als Gesprächspartner sehr resolut und aggressiv: Immer die Aussagen des anderen möglichst negativ auslegen, anstatt zuzuhören und zu versuchen, den anderen erstmal zu verstehen. Das kenne ich aus Social Media und führt nur zu Streit.
              „Im Strassenverkehr: Immer Augen auf und umsichtig sein!“ Jochen Lüders: „Echt jetzt? Also auch beim Fahren auf das Gaspedal, Kupplung und die Bremse starren?“

            • Author gravatar

              > G.R.s Tango-Technik-Geschwurbel

              Dir ist schon klar, dass „Freiraum“, „kreative Optionen“, „eigener Impuls“ und „eigene Interpretation“ wortwörtlich von G.R. stammen könnten? Nur ist er konsequent und „führt so wenig wie möglich“ um der Frau all das zu ermöglichen, während du ihre Eigeninitiative trotzdem mit einer präzisen Führung kombinieren möchtest.
              Auch mit deiner Kritik am Cabeceo, dem Tanzen auf überfüllter Piste und der „vorsintflutlichen“ Base (vgl. https://milongafuehrer.blogspot.com/2015/04/das-kreuz-mit-der-basse.html) bist du sehr nah an seinen Positionen. Also wäre ich ein bisschen zurückhaltender mit „Geschwurbel“.

            • Author gravatar

              Jochen,
              du drehst die Logik um: Nicht ich lehne mich an G.R. an – G.R. greift Passagen aus meinen Texten auf, um seine Thesen zu bestätigen. Daraus dann zu schließen, wir „schwurbelten“ ähnlich, ist eine glatte Fehlzuordnung.
              Ja, wir benutzen zum Teil dieselben Wörter („Freiraum“, „kreative Optionen“, „eigener Impuls“). Inhaltlich liegen wir jedoch weit auseinander:
              Ich kombiniere präzise, vorausschauende Führung mit aktiver Eigeninitiative der Folgenden.
              Er propagiert „so wenig wie möglich führen“ und lehnt Cabeceo, volle Piste und die Base ab – weil er es nicht umsetzt. Ich kritisiere Aspekte obwohl ich sie kann, und zwar aus anderen Gründen (Rahmen, Kontext, Qualität).
              Bevor du mir Nähe zu G.R. unterstellst, lies bitte mein Original – z. B. hier zur Base:
              👉 https://www.tangocompas.co/gedanken-ueber-tango-unterricht-5-teil/
              Kurz: Zitiere mich im Original oder lass die Gleichsetzung. Und das „Geschwurbel“-Etikett passt woanders, nicht hier. Und ich empfinde diese Gleichsetzung als falsch und als eine bodenlose Frechheit.

              PS: Ich habe da mal eine Frage: Wann hast du eigentlich zuletzt wirklich guten Unterricht bei wirklich guten Tänzern mit hohem Unterrichtsniveau genommen? (Und nein, ich meine nicht deine misslungene Schose bei Pablo Verón, der sich wohl köstlich amüsiert, wenn er eine selbsternannte „Masterclass“ vor sich sieht.) Eine Supervision als Tangolehrer würde auch dir nicht schaden – statt dich im eigenen bias auszuruhen und deine Meinung für absolutes Wissen zu halten.
              Denn genau das spiegelt sich in deinem Auftreten: Du bewegst dich auf ziemlich hohem Ross, degradierst andere vorschnell und hörst oft nicht aufmerksam genug zu. Fazit: Du legst dich in allen Punkten zu früh fest – nach dem Motto: So ist es und nicht anders. Und das widerspricht dem Tango in seiner Essenz: einem dynamischen, sich ständig weiterentwickelnden Prozess.

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        > und weigert sich bis heute, die Übung mal mit seinen Schülern auszuprobieren.

        Deine „Übung“ hat einfach nichts mit „führen“ zu tun, sondern trainiert Abschauen und Nachmachen. Deswegen „weigere“ ich mich nicht, sondern halte sie schlichtweg für nicht zielführend.

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          Schon bei der einfachen Base mache ich als Führender normale Schritte und die Folgende geht ins Kreuz. Das ist für Dich also „nachmachen“ und nicht „führen“? Interessante Ansicht.
          Mal im Ernst: Klaus hat mit „Spiegeln + Antizipieren“ genau den Mechanismus beschrieben, wie das Ganze funktioniert. Mit „Abschauen und Nachmachen“ wäre die Reaktion im Übrigen auch viel zu langsam.

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        > Ganz ohne Umarmung […]

        Wenn es wirklich um (subtile) Kommunikation im Paar MIT Körperkontakt gehen soll, empfehle bzw. mache ich z.B. https://www.youtube.com/watch?v=jqbgRYyaeag
        Aber auch das geht natürlich nicht ohne „a little bit of pressure“ (9:30). 😉

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          Auch hier wieder Deine sehr selektive Wahrnehmung, denn wenn Du schon auf YouTube-Videos zurückgreifst, dann auch auf alternative Videos des selben Lehrers, das auf „Mirroring“, auf Spiegelung per Sichtkontakt hinweist. Wahrscheinlich ist es genau die, die Helge meint. Und wenn ich mir die Gesamtauswahl an Videos von diesem Lehrer anschaue, belegen diese meine Herangehensweise: „Nicht: entweder > oder, sondern: sowohl > als auch!“

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          Doch, es geht auch auch ohne „a litte bit of pressure“.
          Hier nochmal wissenschaftliche Aussagen zum „Mirroring“, dem Spiegeln von Bewegungen:
          Mirroring in Bewegung & Tanz
          Wenn zwei Menschen sich gegenüberstehen und sich ihre Bewegungen angleichen (z. B. in Tanz, Gesprächsgestik oder Körpersprache), kommen mehrere Mechanismen zusammen:
          Spiegelneuronen-System
          – Es ermöglicht das automatische „Lesen“ von Bewegungen und Intentionen.
          – Man nimmt die Bewegung des Gegenübers nicht nur wahr, sondern auch innerlich „nach“.
          Motorische Resonanz & sensorisches Feedback
          – Das Gehirn koppelt visuelle Wahrnehmung mit eigenen Bewegungsprogrammen.
          – Schon beim Zusehen werden motorische Netzwerke aktiviert, die den Körper vorbereiten.
          Soziale und emotionale Faktoren
          – Mirroring ist auch ein Zeichen von Empathie, Rapport und Synchronisation.
          – Man gleicht unbewusst Haltung, Atemrhythmus oder Gestik an, um Verbindung herzustellen.
          Prädiktive Kodierung
          – Neuere Neurowissenschaft betont, dass wir Bewegungen nicht nur spiegeln, sondern auch vorhersehen (Vorhersagemodelle im Gehirn).
          – Das ist z. B. im Tango hochrelevant: Die Folgende „liest“ die Führung im Ansatz und antizipiert, bevor sie selbst bewegt.

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      Ich möchte hier einen Gedanken einbringen, den ich bei einem sehr guten argentinischen Paar gelernt habe: der Mann initiert eine Bewegung (z.B. Giro) und stoppt eine Bewegung. Dazwischen wechseln die Rollen. Die Frau hört auf die Musik und ist dazwischen in der Verantwortung für die Interpretation und frei in der Wahl des Tempos und der Ausführung. Der Mann begleitet – bis er den Stoppimpuls bzw. den Impuls für die nächste Bewegung gibt. Gibt der Führende beispielsweise bei einem Giro keinen neuen Impuls, geht die Drehung weiter (was dem Mann wunderbare Freiheit für Verzierungen gibt).

      Genau dies ist der so oft genannte Dialog. Im modernen Argentinien können das recht viele, ohne dass das explizit gelehrt wird. Es ist einfach Praxis. In Deutschland geht das, wie im Artikel beschrieben, nicht. Da bleibt die Frau im Zweifelsfall einfach hilflos stehen. Schade.

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        Gute Idee, das könnte ich als zusätzliche Übung noch nachträglich einfügen, also Danke für den Tip. Auch unter Gefahr, dass dann ein Münchner Blogger energisch widerspricht, er nennt das „Wenn der Mann nix macht und die Frau selbständig rumkaspern soll.“ Wenn eine Frau mal eigenständig tanzt, ist das für ihn nur „rumkaspern“ – prima Einstellung: „It Takes Only One For A Tango: The Man!“

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          Nun, wie jener, dessen Namen wir nicht nennen wollen, reagiert, lässt sich kaum vorhersagen. Er könnte ja auch begeistert sein, weil hier eine größere Gleichberechtigung der Rollen propagiert wird.

          Ich möchte das Ganze noch mit einer kleinen Geschichte aus einem Workshop des genannten Paars ergänzen. Wir Männer wurden von ihm in einen separaten Raum für eine Standpauke gebeten. Seine Partnerin hatte am Vorabend auf einer Milonga (auf der ich zu meiner Entlastung nicht war) normal mitgetanzt. Sie war aber „not amused“. Die eitlen Männer wollten zeigen wie toll sie Tango tanzen können und hatten sie mit mit wilden (nicht beherrschten) Figuren und Zwangsführung „missbraucht“. Er erzählte dann aus seiner eigenen Geschichte. Als er, während seiner Lehrzeit, das erste Mal die Gelegenheit hatte mit einer der besten Tänzerinnen in BA zu tanzen, hatte er sich hinterher nicht wirklich wohl gefühlt. Etwas hatte nicht gestimmt. Als er das mit seinem Lehrer besprach gab der ihm eine Weisheit mit: wenn du mit einer wirklich guten Tänzerin tanzt, dann lass sie tanzen. Gib ihr die Freiheit. Die kann das. Als der das dann bei der nächsten Gelegenheit beherzigte, lief es wesentlich besser – alle fühlten sich wohl und konnten den Tanz geniessen.

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