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Sachlich kritisiert – oder: Wenn der Beleidigte sein Lieblingsvideo wieder aus dem Keller holt

Sachlich kritisiert – oder: Wenn der Beleidigte sein Lieblingsvideo wieder aus dem Keller holt

Gerhard Riedl hat also wieder sein altes Biagi-Video hervorgeholt. Und nein, ich werde es hier nicht wieder zeigen, genug ist genug. Denn das macht er selbst ungefähr so zuverlässig wie andere Leute den Weihnachtsbaum aus dem Keller holen. Nur mit weniger Lametta und mehr Selbstmitleid.

Der neue Vorwurf lautet nun sinngemäß: Ich hätte seinen Tanz unsachlich, gehässig und viel zu hart kritisiert.

Das kann man so sehen. Man kann aber auch den Zusammenhang nicht absichtlich weglassen.

Es ging bei meiner Kritik nicht darum, irgendeinen harmlosen Privattänzer auf einer Milonga öffentlich zu zerlegen. Das wäre billig, und das mache ich nicht. Es ging um jemanden, der seit Jahren über Tango, Musik, Tanzpaare, Unterricht, Milongas, Regeln, Ronda und angebliche Konformisten schreibt, als säße er auf dem Hochsitz der Tango-Erkenntnis.

Er widmet in seinem Buch „Der große Milongaführer“ ein ganzes Kapitel der Frage, wie man angeblich „richtig“ Tango zu tanzen habe. Dazu schreibt er Beiträge mit Titeln wie „Was Ihnen Ihr Tangolehrer nicht erzählt …“. Das ist Besserwisserei im Dozentenmantel: große Behauptungen, wenig Belege, keine belastbaren Quellen.

Wer öffentlich als Kritiker auftritt, darf natürlich kritisieren. Aber dann darf man auch fragen, ob seine fachliche Grundlage trägt.

Und genau da beginnt das Problem.

Riedl möchte gerne über Tango urteilen, ohne sich selbst an Tango messen lassen zu wollen. Seine eigenen Urteile über andere nennt er Meinung, Satire, Beobachtung oder Kunst. Kritik an ihm nennt er dann Gegeifer, Angriff, Unsachlichkeit oder persönliche Gemeinheit.

Das ist bequem.

Riedls übliche Verdrehungen

Interessant ist auch seine Empörung über meine Formulierung, viele Idioten liefen Tango-Halbwissen hinterher. Daraus macht er dann gleich eine „nette Einschätzung der Tango-Kundschaft“.

Nein, Gerhard. Das ist wieder so eine deiner hübschen Verdrehungen. Gemeint waren nicht „die Tango-Kundschaft“ und schon gar nicht normale Tänzerinnen und Tänzer. Gemeint war die leider bekannte Sorte Mensch, die jede laut genug vorgetragene Halbbildung für Expertise hält, solange sie nur gegen die richtigen Leute geht.

Davon gibt es in jeder Szene welche. Auch im Tango. Überraschung.

Der Kern bleibt also derselbe:

Wer öffentlich urteilt, muss Widerspruch aushalten. Wer andere mit spitzer Feder beurteilt, kann nicht beleidigt den Schutzhelm aufsetzen, sobald die spitze Feder einmal in die andere Richtung zeigt.

Riedl darf sein Video behalten. Er darf stolz darauf sein. Er darf auch weiterhin glauben, dass man damit Biagi musikalisch interpretiert habe. Das Publikum darf sich dazu seine eigene Meinung bilden.

Ich bilde mir meine.

Und ja: Meine Kritik war hart. Aber in der Sache bleibt sie stehen: Zwischen Meinung, Geschmack und fachlicher Kompetenz gibt es einen Unterschied. Genau dieser Unterschied wird von Riedl regelmäßig zugeschüttet – mit Ironie, Opferpose, Klickzahlen und der immergleichen Behauptung, eigentlich nur Kunst anbieten zu wollen.

Das kann er gerne tun.

Nur sollte er dann nicht jedes Mal beleidigt sein, wenn jemand sagt: Kunst darf kritisiert werden.

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