Was wir wirklich wollen
Am Ende wollen fast alle dasselbe: einen schönen Abend. Musik, Begegnung, Verbindung.
Niemand geht zur Milonga mit dem Ziel, anderen das Leben schwer zu machen. Aber wenn wir anfangen, jede Spannung ideologisch aufzuladen, machen wir es uns selbst schwer.
Vielleicht ist die größere gesellschaftliche Schieflage genau das: dass Diskussionen sofort in moralische Lager kippen. Dass Zuspitzung attraktiver ist als Verständnis. Dass man lieber Recht behält, als gemeinsam klüger zu werden.
Wenn wir im Tango – in einem so sensiblen sozialen Gefüge – nicht mehr fähig sind, differenziert zu diskutieren, wie wollen wir es dann anderswo schaffen?
Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit Boykott oder Spott.
Sondern mit der Bereitschaft, genauer hinzusehen, bevor man zuschlägt.
Und vielleicht ist das die eigentliche Synthese: nicht die Freiheit abzuschaffen, nicht Verantwortung zur Pflicht zu machen – sondern beides im Bewusstsein zu halten, ohne daraus ein Schlachtfeld zu machen.
