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In eigener Sache und Sonstiges

In eigener Sache und Sonstiges

Zuerst einmal wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein gutes, erfolgreiches – und vor allem friedliches – neues Jahr!

Meine Reihe „Gedanken über Tango-Unterricht“ werde ich demnächst fortsetzen. Allerdings nicht mehr in so engem Takt: Das Thema ist weit, aber nicht unendlich, und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem man nichts mehr ergänzt, sondern nur noch wiederholt.
Auch meine Beiträge zur Tango-Szene und zu allgemeinen Entwicklungen werde ich etwas reduzieren – schlicht deshalb, weil ich nicht mehr so oft unterwegs bin und daher weniger unmittelbare Beobachtungen habe.

Was bleibt dann noch?
Ganz ehrlich: Das weiß ich selbst noch nicht.
Eines steht jedoch fest: Ich werde mir keine künstlichen Themen aus dem Ärmel schütteln, nur um diesen Blog zu befüllen. Es gibt hier ohnehin mehr als genug zu lesen. Manche Leser haben sich sogar beschwert, sie kämen mit dem Lesen nicht mehr hinterher. Und ja: Viele meiner Artikel sind lang, dicht und technisch – nicht unbedingt leichte Kost für zwischendurch.

Wie sich die politischen Unsicherheiten auf die Tanzlust auswirken werden, ist schwer abzuschätzen. Menschen tanzen gern, um sich von der überfordernden Wirklichkeit abzulenken – kein Wunder. Die Weltlage zerlegt sich aktuell täglich wie ein junger Hund das Sofa, sobald man nur kurz den Raum verlässt. Und jeden Morgen fragt man sich: „Was hat die Orange heute wieder angestellt?“

Viele fühlen sich von der rasenden Komplexität überfordert und greifen nach den einfachen Versprechen der Populisten. Die Demokratie wirkt träge, fixiert auf die nächste Umfrage, nicht auf die nächsten Jahrzehnte. Dass die aktuelle Regierung theoretisch noch etwa drei Jahre vor sich hätte, blendet man gern aus – stattdessen Panik, Untergangsszenarien und ein ständiges Schielen auf die AfD, die von dieser Nervosität glänzend lebt.

Interessant ist: In Krisenzeiten steigt der Wunsch nach Tango oft sogar. 2008, mitten in der Finanzkrise, kamen auffallend viele neue Paare in die Kurse. Offenbar sucht man kulturellen Halt, wenn wirtschaftlich alles wackelt.


Ein gewisser Blogger…

Ein Blogger, der für seine sehr speziellen Ansichten bekannt ist, wittert bereits „Denunziation“, sobald man seine Texte satirisch auf ihre eigentliche Substanz eindampft. Eine erstaunliche Begriffsverwirrung – aber offenbar unvermeidlich.
Auch sonst das übliche Muster: Man fabuliert von „Sekten“, „Lagern“ und dunklen Kräften, die aber hauptsächlich in seinem eigenen Kopf existieren. Lagerbildung also auch in der Tango-Bloggerwelt. 
In der realen Tango-Welt herrscht dagegen bemerkenswerter Frieden. Jede Gruppe hat ihre Vorlieben und lebt gut damit. Die Kriegsführung findet ausschließlich in seinem Fantasiegebäude statt.

Sein jüngstes Ausweichmanöver ins Pädagogische: Er möchte nun auch noch die Eltern der in Crans Montana verunglückten Jugendlichen nachträglich erziehen – offenbar, weil er bei der Tango-Szene nicht weiterkommt. So auch hier: Nach jedem Unglück läuft dasselbe Theater ab: Kaum sind die Flammen gelöscht, werden die Säue, die angeblich alles vermasselt haben, im Eiltempo durchs Dorf gejagt.

Die Eltern, die angeblich „zu nachgiebig“ waren, weil sie ihre Jugendlichen an Silvester nicht in den heimischen Panic Room gesperrt haben. Als würden diese Eltern sich nicht ohnehin selbst schon mit Schuldgefühlen zerfleischen.

Dann der Inhaber, selbstverständlich, der allerdings wirklich nicht gerade eine unbefleckte Vergangenheit bezüglich Gastronomie (Vermittlung von Prostitution) vorweisen kann. Und natürlich die Behörden, die – wie immer – „viel strenger“ hätten kontrollieren müssen. Hinterher. Vorher hätte man jede Form von Kontrolle als diktatorische Bevormundung, Angriff auf die Freiheit und Unterwanderung der abendländischen Zivilisation betrachtet. Vorsorge ist eben nur dann beliebt, wenn es zu spät ist.

Die Empörungskette funktioniert zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk – nur leider erst, wenn die Uhr bereits abgebrannt ist, und da möchte natürlich auch der Blogger im Empörungs-Chor einstimmen.

Zu guter Letzt möchte man auch noch die Allgemeinheit zu weniger Smartphone-Nutzung verdonnern.

Das Ironische daran: Der Mann profitiert selbst davon, dass ein Großteil seiner Leserschaft seine Texte auf dem Smartphone liest.
Oder glaubt er ernsthaft, dass sich nach Feierabend jemand an den Rechner setzt, um seine endlosen Beiträge zu studieren?
Die meisten Erwachsenen starren selbst den ganzen Tag aufs Handy – was seinem Traffic fraglos sehr entgegenkommt.
Aber ein differenzierter Blick aufs Ganze, auf die Hintergründe, sind nicht mehr die Stärke des heutigen Journalismus und auch nie die Eigenschaft dieses Bloggers gewesen. 


Und Facebook? Ohne mich.

Ich bereue keine Sekunde, dass ich Facebook verlassen habe.
Vielleicht überlegt der eine oder andere von euch ja ebenfalls, ob ihr den Laden wirklich noch braucht – oder ob ihr Mark Zuckerboy weiterhin jeden Tag euer gesamtes Profil auf einem Tablett serviert.


Auf denn… bis zum nächsten Artikel.

1 thought on “In eigener Sache und Sonstiges

    • Author gravatar

      Die Ehefrau unseres geliebten Bloggers hat mir auf seinem Blog einen Kommentar gewidmet:
      Liebe Frau Law Robinson-Riedl,
      ich bin verwundert über Ihren Kommentar – und, ich gestehe, nicht nur verwundert, sondern durchaus amüsiert. Selten habe ich eine derart vollständige Verkennung der Lage und der tatsächlichen Vorgänge rund um den Blog Ihres Mannes gelesen.
      Es drängt sich der Eindruck auf, dass Ihnen die jahrelangen Hintergründe und die kontinuierlichen Schmähungen vieler Kritiker Ihres Ehemannes nicht wirklich bekannt sind. Mein „Radio Riedl-Wahn“ ist keine Laune, kein Angriff aus dem Nichts, sondern eine Konsequenz aus zahlreichen Versuchen, Ihrem Mann zu vermitteln, was seit Jahren Kern der Kritik ist: Nicht seine angebliche Aufdeckung von Missständen, die, wohlgemerkt, fast ausschließlich in Ihrem gemeinsamen Weltbild eine dramatische Größe besitzen, sondern sein Umgangston und sein Verhalten gegenüber anderen Menschen.
      Sie schreiben, ich würde die „Substanz“ seiner Texte übersehen. Dazu nur eines: Die „Substanz“ wurde in der Tango-Szene längst und vielfach diskutiert – vor allem in den frühen Jahren seines Bloggens. Jedes Thema, jede angebliche „Missstandsbeschreibung“, wurde gefühlt zwei Dutzend Male durchgekaut. Ihr Mann beharrte stets auf denselben, unverrückbaren Positionen. Das ist sein gutes Recht; wir leben glücklicherweise in einem Land mit Meinungsfreiheit.
      Aber: Widerspruch gegen seinen Tonfall ist ebenso Teil dieser Meinungsfreiheit.
      Denn kritisiert wird nicht seine Meinung, sondern seine Form. Seine Angriffe. Seine Lust am Abwerten. Und die – nennen wir es beim Namen – persönliche Verächtlichmachung derjenigen, die nicht in sein Schema passen. Was Sie „Satire“ nennen, wird von den Betroffenen völlig zu Recht als Beleidigung empfunden.
      Damit Sie verstehen, worüber wir überhaupt sprechen, erlaube ich mir eine kleine Auswahl jener Formulierungen, die Ihr Mann seit Jahren für völlig legitim hält:
      „Er hat zur Sprache das Verhältnis wie der Zuhälter zur Dirne.“
      „… was ihm schwerfällt, da er nicht zu den Meistern sprachlicher Gewandtheit zählt.“
      „Wenn das Herrn Wendel geistig überfordert, ist das sein Problem.“
      „Seine Tragik ist …“
      „ins Proll-Deutsch verfallen“ und das war nur ein Bruchteil der harmlosesten Sorte an Schmähungen dessen, was man in den vielen Kommentaren Ihres Mannes finden kann.
      Das ist kein Tonfall einer gesellschaftskritischen Stimme. Das ist reine Herablassung.
      Hinzu kommt: Ihr Mann belässt es nicht bei einer Auseinandersetzung über Tango oder über Missstände. Er durchforstet das Netz nach fremden Kommentaren, sammelt Namen, zitiert aus dem Zusammenhang gerissen und macht sich dann über Menschen lustig – oft über deren Sprache, Ausdruck oder schlicht über deren Existenz. Das hat nichts mit Satire zu tun. Das ist ein persönliches Herabwürdigen anderer, die sich nicht wehren können oder wollen.

      Und nun kommen Sie, Jahre später, und stilisieren ausgerechnet mein kleines satirisches „Radio Riedl-Wahn“ zum eigentlichen Problem. Dabei ist es, im Vergleich zur Wucht der Ausfälle Ihres Mannes, ein milder, humoristischer Reflex – eine Art Entspannungstechnik für Leserinnen und Leser, die das Grobianische seines Stils satt haben.
      Sie fragen, wo bei mir „der differenzierte Blick aufs Ganze“ bleibe. Ich darf zurückfragen:
      Wo bleibt dieser differenzierte Blick, wenn man ausschließlich dann Empörung zeigt, wenn endlich einmal jemand auf die gleiche Weise zurückschreibt?

      Und nun zu Ihrem Versuch, „Radio Eriwan“ in eine problematische Ecke zu rücken:
      Einen unangenehmen Beigeschmack hat in Wahrheit nur der Versuch, ausgerechnet „Radio Eriwan“ in eine propagandistische Richtung umzudeuten. Sie wissen ebenso gut wie ich, dass damit selbstverständlich die bekannten Dissidenten-Witze gemeint sind – systemkritische Satire, die sich über staatliche Doppelsprache lustig macht. Die historische Verdrehung, diese Tradition plötzlich mit späteren Medien wie „Sputnik“ zu vermengen, wirkt daher eher wie ein Ausweichmanöver, das mir eine fragwürdige Nähe andichten soll. Wer sich je mit diesen Witzen beschäftigt hat, weiß genau, worauf sie sich beziehen.
      Dass Sie diesen Punkt ins Feld führen, zeigt eher, wie dünn die Argumentationslage auf Ihrer Seite inzwischen geworden ist.

      Dass Sie sich nun schützend vor Ihren Mann stellen – geschenkt. Loyalität ist ehrenwert. Aber Loyalität ersetzt keine Analyse, und sie ändert nichts daran, dass Herr Riedl seit Jahren austeilt und sich erst dann verletzt gibt, wenn einmal jemand reagiert.
      Ich werde weiterhin schreiben, was ich für angemessen halte. Und ich werde weiterhin Satire nutzen, um auf Absurditäten hinzuweisen – so, wie Ihr Mann es für sich ja permanent reklamiert.
      Mit freundlichen Grüßen
      Klaus Wendel

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