
Das Märchen vom geldgierigen Tango-Veranstalter/Lehrer
Oder: Woher stammt eigentlich die Idee, dass beim Tango jede Dienstleistung verschenkt werden soll?
1. Teil von Tango Veranstaltungen gestern & heute
Es hält sich in der Tangowelt ein erstaunlich zähes Märchen: der Veranstalter sei geldgierig, der Lehrer ein Abkassierer, der Organisator iin erster Hinsicht ein Profiteur, der die „Leidenschaft anderer“ finanziell ausnutzt. Diese Sätze kommen meistens von Menschen, die noch nie auch nur eine Sekunde lang auf der anderen Seite standen oder nur Wohnzimmer-Milongas für Veranstaltungen halten. Denn wer einmal erlebt hat, was es bedeutet, eine Milonga, einen Ball, einen Workshop oder auch nur einen regelmäßigen Unterricht zu organisieren, weiß sehr genau: Tango ist kein Selbstläufer und schon gar keine Wohlfahrt. Es ist Arbeit, Verantwortung, Zeitaufwand, Material, Risiko und Organisation – und zwar weit mehr, als man von außen ahnt.
Unser Leben kostet nun mal Geld: Lebensmittel, Miete, Auto, Werkstatt, Strom, Gas, Parkplätze, Bankgebühren, Steuern usw.
Dass man ausgerechnet nur den Tango-Dienstleistern vorwirft, Bezahlung für ihre Leistung verlangen, könnte ein schlechter Witz sein.
Es ist noch nicht einmal ein Witz, es ist schlichte Dummheit und eine Frechheit!
Rückblick: Als Tango noch echte Handarbeit war
Zu Beginn meiner Tätigkeit als Tangolehrer, zu Beginn bis Ende der 90er Jahre im Dortmunder Piano Theater Café (siehe Titel-Foto), organisierte ich jedes Jahr einen großen Tango-Ball – immer am letzten Samstag vor den Sommerferien, ein aufwendiges Jahresabschlussfest, das wir schlicht „Asado, Mate y Milonga“ nannten. Der Ort war ein atmosphärisches Schmuckstück aus der Zeit um 1900, mit Jugendstil-Elementen, alten Thonet-Stühlen, einem Biergarten unter riesigen Kastanien und einer Mischung aus verwittertem Charme und veralteten Bausünden wie Glasbausteinen, die man heute lieber nicht mehr sehen möchte. Trotzdem war dieser Ort wie geschaffen für Tango: warm, authentisch, ein bisschen schief, aber voller Seele.
Doch dieser Zauber entstand nicht von selbst. Alles musste aufgebaut, organisiert, finanziert und zusammengehalten werden. Der Vorverkauf begann Monate vorher, und das bedeutete Einkaufen mit meinem Koch Antoine, das Erstellen von Einladungen per Hand, handadressierte Umschläge, selbst gezeichnete Flyer, Fotokopien, ausgeschnittene Werbezettel, handschriftliche Adresslisten, stundenlanges Sortieren, Kleben, Kuvertieren und Verteilen – eine Arbeit, die heute kein Teilnehmer im Traum auf dem Schirm hätte. Internet spielte damals kaum eine Rolle, E-Mail war ein Exotenthema, und Facebook-Gruppen, Newsletter, Online-Events oder das berühmte „Ich poste mal eben die Milonga“ existierten schlicht nicht. Jede Information musste körperlich, händisch, stundenlang verteilt werden.
Parallel kaufte ich Teller, Besteck, Tischdecken, Kerzenständer, Küchenutensilien, Pavillons für den Außenbereich (nicht zuletzt, damit die Vögel das Essen nicht versauten), Blumen für die Tische, einen Blumenstrauß für das Showpaar und sogar Whiskey für den Tänzer, weil man solche Details kannte und ernst nahm. Einen riesigen Grill ließ ich bei einem Schmied herstellen – ein massives Metallungetüm, das mehr wie ein monumentaler Altartisch wirkte als wie ein Grill. Dazu kam die technische Ausstattung mit DJ-Anlage und natürlich DJ Carsten Heveling, der später das Wuppertaler Tango-Festival organisierte.
Der Aufwand war gigantisch, und das jedes Jahr aufs Neue. Und am Abend selbst standen bis zu zweihundert Gäste aus Hamburg, Bremen, Hannover, Brüssel und vielen anderen Städten in diesem Jugendstil-Saal, tanzten, feierten, aßen argentinische Steaks, lauschten Livemusik und hatten das Gefühl, an etwas Besonderem teilzunehmen. Und das war es auch. Nur: bezahlt hat kaum jemand wirklich, was diese Besonderheit kostete.
Denn verdient haben damals vor allem die Gastlehrer, die Musiker, der DJ, der Asador und sein Team, also diejenigen, die für ihre Leistung völlig zu Recht eine Gage erhielten. Für mich selbst blieb am Ende eine Nullrechnung, kein Gewinn, nur die Gewissheit, dass ich alles für meine Schüler, für die Szene und für das Renommee der Tangoschule investiert hatte. Ich tat es nicht, weil Tango eine romantische „Gratis-Kultur“ gewesen wäre, sondern weil es kaum Milongas gab und jemand diese Arbeit übernehmen musste.
Die psychologische Wurzel der Gratis-Mentalität
Die Idee, Tango müsse möglichst billig oder am besten kostenlos sein, entsteht nicht aus moralischem Idealismus, sondern aus schlichter Bequemlichkeit. Viele Tänzer haben sich daran gewöhnt, dass irgendjemand im Hintergrund für sie arbeitet, dekoriert, einkauft, plant, organisiert, bezahlt, vorbereitet, sauber macht und haften muss, damit sie selbst am Abend einfach nur tanzen können. Wer etwas nicht bezahlen möchte, wertet es ideologisch ab – und Tango eignet sich dafür hervorragend, weil er in einem romantischen Nebel daherkommt, der gerne suggeriert, alles sei ein „Geschenk der Gemeinschaft“.
Die unsichtbaren Kosten einer Milonga
Die meisten sehen nur eine Tanzfläche, Kerzen, Musik, Atmosphäre, vielleicht etwas Dekoration. Was sie nicht sehen, sind Raummiete, Reinigung, GEMA, Technik, Reparaturen, Ersatzkabel, Lampen, Transport, Materiallagerung, Dekoration, Werbung, kurzfristige Ausfälle, Konkurrenzveranstaltungen, Risiken bei schlechtem Wetter, medizinische Haftung bei Stürzen, die komplette Organisation im Vorfeld und am Abend selbst, und all die unzähligen Kleinigkeiten, die niemand wahrnimmt, aber alle bezahlt werden müssen. Die entscheidende Frage lautet daher: Wer trägt diese Kosten? Und die Antwort ist: meistens der Veranstalter, nicht die Tänzer, die sich über fünf oder acht Euro Eintritt schon echauffieren.
Qualitativ guter Tango entsteht nicht aus Luft und Liebe, sondern aus Erfahrung, Investition, Verlässlichkeit, Wissen, Kontinuität, Rekrutierung guter DJs, Musiker und Gastlehrer, zuverlässiger Technik, Verantwortung und realer Arbeit. Wer glaubt, Tango könne ohne Kosten funktionieren, bekommt genau das, was man bekommt, wenn niemand investiert: schlechte Musik, schlechte Räume, schlechte Technik, schlechte Atmosphäre und sinkendes Niveau. „Gratis-Tango“ ist kein Ideal – es ist der Anfang vom Ende.
Der harte Block: Unterricht
Auch beim Unterricht gibt es dieselbe Illusion: Tango-Unterricht sei eine Art Hobbykasse, ein Nebenjob ohne Aufwand, ein bisschen „Figuren zeigen“, ein bisschen Musik anmachen und fertig. Die Realität sieht anders aus. Eine Stunde Unterricht bedeutet zuerst Raummiete, und zwar zu Preisen, die sich zwischen 25 und 80 Euro pro Stunde bewegen können, oft mit Mindestabnahmen, Nebenkosten, Heizung, Strom, Versicherung, Reinigung und Vertragsverpflichtungen. Wenn dann acht Paare erscheinen, rechnen viele Tänzer reflexartig sofort aus, was der Lehrer „einnehmen“ müsste – aber kaum jemand überlegt, was übrig bleibt, wenn man die Fixkosten abzieht.
Dazu kommen Steuern, sowohl Einkommensteuer als auch gegebenenfalls Umsatzsteuer, die Künstlersozialkasse, die gesamte Buchführung mit Kassenbuch, Betriebsausgabenverwaltung, Rechnungsstellung, Belegsortierung, GEMA-Meldungen und die regelmäßige Zusammenarbeit mit einem Steuerberater. Tango-Unterricht ist kein Schwarzmarkt, sondern ein Arbeitsfeld, in dem man komplett transparent abgeben muss. Unter dem Strich investiert ein Lehrer nicht nur Zeit in Unterricht, sondern in Vorbereitung, Didaktik, Methodik, Pädagogik, Körperarbeit, Analyse von Bewegungsabläufen, Korrekturen, Musikverständnis, Gruppendynamik, Konfliktmanagement und gelegentlich auch Seelsorge. Gute Lehrer investieren jedes Jahr viel Geld in ihre eigene Ausbildung: Workshops, Privatstunden, Seminare, Fortbildungen, Kongresse, Reisen, Technik, Training, Literatur und Musik. All das zahlt niemand außer dem Lehrer selbst, und all das fließt direkt in die Qualität des Unterrichts ein.
Parallel dazu stehen Veranstaltungen, Gastlehrerabende, Workshops, Sommerfeste, Kommunikation mit Schülern, Pflege von Kanälen, Verwaltung von Kursplänen und Reservierungen, die Koordination mit DJs, das Erstellen von Lehrplänen, das Betreuen von Anfängergruppen, der Aufbau einer Community und das Bereitstellen einer Infrastruktur, die viele einfach voraussetzen, ohne jemals darüber nachzudenken, wie viel Arbeit dahinter steckt.
Fazit: Tango ist keine Wohlfahrt – sondern eine Kultur, die getragen werden muss
Wer Tango liebt, muss begreifen, dass diese Kultur nur existiert, weil Menschen ihre Zeit, ihr Geld, ihre Energie und ihr persönliches Risiko hineinwerfen. Nicht, weil sie gierig sind, sondern weil sie wissen, dass Tango sonst schlicht nicht stattfindet. Tango kostet etwas, und wer nichts beitragen will, bekommt am Ende genau das: nichts. Das mussten selbst die ehrenamtlichen Veranstalter einsehen und Eintritt nehmen oder Spenden sammeln. Ohne Moos nix los. Selbst diejenigen die anfangs kostenfrei unterrichteten, gehen dann irgendwann zu bezahltem Unterricht über. Keine Milongas, keine guten DJs, keine Workshops, keine Lehrer, keine Festivals, keine Szene. Alles hängt an denen, die es tun – nicht an denen, die es kritisieren.
Wer also weiterhin von „geldgierigen Veranstaltern“ spricht, sollte genau eine einzige Sache tun:
Eine Milonga organisieren. Eine einzige.
Danach reden wir weiter.
PS:
Vielleicht ist dies noch ein Beleg für die „Gnade der späten (Tango)-Geburt“, also dafür, dass früher nicht alles besser war und zumindest, was den Aufwand an Werbung angeht, es etwas leichter geworden ist.
5 thoughts on “Das Märchen vom geldgierigen Tango-Veranstalter/Lehrer”
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Dass Riedl auf diese Vorlage reagieren musste, war absehbar. Seit Jahren wiederholt sich dasselbe Muster: Statt auf Inhalte einzugehen, wird ausgewichen, relativiert und moralisch abgewertet. Meine Veranstaltungen hat er mehrfach so dargestellt, als würde ich Gästen „das Geld aus der Tasche ziehen“. Ebenso oft fiel der Vorwurf, ich würde nur dort auftauchen, „wo sich Milongas lohnen“ und nur das machen, „wo der Rubel rollt“. Das ist keine Kritik, das ist Unterstellung.
Auffällig ist: Auch diesmal geht Riedl konsequent an Zahlen und Fakten vorbei. Keine Kalkulation, keine Angebote, keine Kostenaufstellung. Stattdessen Erinnerungen an private Tanztreffs, Wohnzimmer-Milongas und Anekdoten aus einer Zeit, in der „alles schon da war“. Ein bisschen Deko, die offenbar von Weihnachten oder Ostern übrig blieb, ersetzt jedoch keine realen Rahmenbedingungen professioneller Veranstaltungen.
Wer ernsthaft über internationale Events urteilen will, muss über Mieten, Technik, Personal, Auflagen, Versicherungen, Steuern und Künstlerhonorare sprechen. Genau das unterlässt Riedl. Er verschiebt das Thema, beantwortet keine der konkret gestellten Fragen und erklärt stattdessen, warum ihm große Veranstaltungen persönlich nicht gefallen. Das ist legitim – aber es widerlegt nichts.
Was bleibt, ist fehlende Kompetenz in genau dem Bereich, über den er urteilt. Und genau darin zeigt sich das, was er selbst gerne anderen vorhält: Nicht mangelnde Meinung, sondern mangelnde Einordnung der eigenen Grenzen. Wer glaubt, mit Abneigung, Erinnerungen und moralischen Etiketten reale Kalkulationen ersetzen zu können, illustriert sehr anschaulich den Dunning-Kruger-Effekt, der hier so offensichtlich auf ihn zutrifft.
Kurz gesagt: Thema verfehlt, Aufgabe nicht gelöst.
https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/01/die-muhen-des-tango-geschafts.html?m=1
In meiner aktiven Zeit war ich Unternehmer, 25 Mitarbeiter, 30 Jahre stabil und in den schwarzen Zahlen. Wenn ich auf eine Tango-Veranstaltung gehe, läuft das kaufmännische Denken im Hintergrund, quasi aus dem Muskelgedächtnis ab. Über das sozialromantische Geschwätz von Leuten wie Riedl ärgere ich mich noch nicht mal (okay, manchmal schon), ich finde es einfach nur peinlich.
Naja, bei Deiner Erfahrung könntest Du ja eigentlich über unser Tango-Veranstalter-Gejammer eigentlich nur lächeln.
Aber peinlich ist, dass Riedl heuchelt, den Tango-Dienstleistern ihren Verdienst (im wahrsten Sinne des Wortes) „sogar“ zu gönnen, denn letztens noch kam dieser Spruch in einem seiner Beiträge (ich suche aber jetzt nicht in seinem Chaos nach einem Quellen-Link, um seine Korinthen-Kackerei zu befriedigen.): „[…]Und genau das nervt Leute, die mit dem Tango Geld verdienen wollen, wie die Sau.“ oder: „…Und ich würde mich freuen, damit (und mit meinen Artikeln) solchen Leuten auch weiterhin das Geschäft zu versauen…“ Und wenn er sich jetzt beschwert, diese Zitate wären aus dem Kontext… na, Ihr wisst schon!
Lächeln tue ich wie gesagt höchstens über Leute wie Riedl, die es kaum schaffen, Fertigessen in der Mikrowelle warmzumachen, sich aber Werturteile über Sternelokale erlauben.
Veranstalten ist kein Fantasieprojekt – eine konkrete Aufgabe an Riedl
Wann immer Klaus Wendel über Tango-Unterricht, Strukturen oder Realität schreibt, folgt bei Gerhard Riedl zuverlässig derselbe Reflex: Relativierung, Ablehnung, Abwertung. Kosten seien übertrieben, Veranstaltungen auch ohne großen Aufwand machbar, Ehrenamt reiche aus – und überhaupt werde hier künstlich dramatisiert. Statt sich jedoch einmal ernsthaft auf Zahlen, Angebote und Rahmenbedingungen einzulassen, bleibt es bei Behauptungen.
Deshalb folgt hier keine weitere Grundsatzdiskussion, sondern eine konkrete Aufgabe. Eine, die sich nicht mit Meinung lösen lässt, sondern nur mit Anfragen, Kalkulationen und Verantwortung. Wer Klaus Wendels Beiträge kritisiert, weil angeblich alles viel günstiger gehe, möge dies bitte einmal realistisch durchrechnen – jenseits von Wohnzimmer-Milongas und theoretischen Annahmen.
Journalistische Aufgabe für Riedl: Realitätsprüfung statt Meinung
Plane ein internationales Tango-Wochenende realistisch durch.
Keine Polemik, keine Theorie – Anfragen, Angebote, Zahlen.
1. Location & Infrastruktur
– Neuhaussaal, Theater Regensburg
– Saalgröße: 300–400 qm
– Veranstaltungsdauer: Freitag bis Sonntag, jeweils bis 00:00 Uhr
– Auf- und Abbau: Donnerstag und Montag, zusätzliche Miete und Personalkosten
– Saalmiete inkl. aller Nebenkosten
– Zusatzkosten für Hausauflagen, Nutzungseinschränkungen, Sicherheits- und Lärmschutzvorgaben
– Auflage des Vermieters: Ausgabe von Leitungswasser nicht erlaubt; eigene Getränke dürfen nicht mitgebracht werden
2. Technik & Technikpersonal
– Technikpersonal über die gesamte Veranstaltungsdauer anwesend
– Externe Tonanlage: 6 Lautsprecher, 2 Subwoofer, Mischpult, 2 Funkmikrofone, komplette Verkabelung (XLR etc.)
– Lichttechnik: Bühne und Saal, ca. 40 Licht-Elemente, Traversen, Dimmer, Steuerung
– Separate Kosten für Auf- und Abbauzeiten
3. Künstler / DJs
– 6 internationale DJs
– Pro DJ: An- und Abreise, Transfers, 4 Hotelübernachtungen (DJ + Partner:in), Frühstück und Abendessen, DJ-Gage
– Künstlersozialabgabe, falls relevant
4. Getränke & Verbrauch
– 300 Gäste
– Wasser (still & spritzig): realistische Flaschenmenge für 30 Stunden / 6 Milongas (kein Leitungswasser; vom Vermieter untersagt)
– Saftschorlen
– Kaffee & Tee: 2 Mietmaschinen (falls erlaubt), Bohnen/Tee/Milch/Zucker/Filter, Bargeld-/Kassenbestand für Nachkauf während des Wochenendes
5. Essen (einfache, realistische Versorgung (Basics))
– Kuchen (Mindestmenge), Obst, Käseplatten, Brote & Dips
– Einfache Suppen am Abend (z. B. Zucchini- oder Tomatensuppe)
– Zur Einordnung: 5 Kilo Lachs und 18 Flaschen Prosecco – marginal im Gesamtbudget, kein Kostentreiber
6. Catering- & Küchenequipment
– Teller, Besteck, Gläser für 300 Personen; Servierplatten
– Küchenteam-Bedarf: Messer, Schneidbretter, Schüsseln, Einsätze/GN-Behälter, Töpfe, Kellen/Zangen/Schneebesen
– Küchen- und Reinigungsbedarf: Papierrollen, Spülmittel, Reinigungsmaterial, Kühlmöglichkeiten
– ggf. externe Spültechnik
7. Personal
– 1 Mietkoch, 4 Servicekräfte, 2 Spüler, zusätzliche Läufer
– 15 Tänzer:innen mit freiem Eintritt: je 10 Arbeitsstunden, die zu vergüten sind
– Nacht- und Wochenendzuschläge
8. Hygiene, Sanitär & Reinigung
– Toilettenpapier (Großrollen), Papierhandtücher, Seife, Desinfektionsmittel, Müllbeutel
– Regelmäßige Nachfüllung und zusätzliche Reinigungsintervalle
– Zwischen- und Endreinigung; Toilettenservice
9. Versicherungen, Sicherheit & Brandschutz (inkl. Behördenkosten)
– Veranstalterhaftpflichtversicherung
– Technik-/Equipmentversicherung; ggf. Ausfall-/Stornoversicherung
– Sicherheitsdienst / Einlasskontrolle
– Brandschutz- und Nachtaufsicht (theaterüblich)
– Kostenpflichtige Brandschutzauflagen: Bestuhlungsplan mit Fluchtwegen + behördliche Genehmigung/Abnahme
10. Logistik, Anlieferung & Ausstattung
– Transporter-Miete (Mittwoch bis Montag)
– Anlieferung und Rücktransport (Technik, Möbel, Catering, Deko), ggf. mehrere Fahrten + Zeitfenster-Koordination
– Lounge-Möbel: 30 Lounge-Tische, 2 Sitzgruppen (Sofas, Sessel, Tische)
– Dekoration: 15 große Pflanzen, 50 Tischgestecke + Dekoartikel (z. B. Kerzen/LED-Kerzen, Windlichter, Tischläufer)
– Müllentsorgung (Container, Sondermüll)
11. Mietwäsche & Textilien
– Tischdecken, Stoffservietten, ggf. Hussen
– Mindestens 30 % Mehrmenge (Wechselwäsche)
– Reinigung der Mietwäsche
– Liefer-, Abhol- und Transportkosten
12. Mobilität der Gäste
– Kostenloses RVV-Busticket für alle Teilnehmenden über das Wochenende (Organisation, Ausgabe, Abrechnung)
13. Rechte, Werbung, Verwaltung & Steuern
– GEMA: 300 Teilnehmer, Raumgröße bis 400 qm; ggf. weitere Verwertungsgesellschaften
– Werbung: Grafik, Druck, Online-Werbung, Ticketplattform- und Zahlungsgebühren
– Verwaltung: Steuerberater (Buchhaltung, Abschluss)
– Steuern: Umsatzsteuer (gewerblich), ggf. Vorsteuerabzug, Rücklagen für Nachzahlungen
– Risiko- und Ausfallpuffer
Ziel der Aufgabe
Gesamtkosten brutto ermitteln, Kosten pro Gast bei 200–300 Teilnehmenden berechnen und daraus einen realistischen Eintrittspreis ableiten.
Es ist schlicht Realität, dass bei einer Veranstaltung mit rund 200 Gästen – inklusive aller realen Kosten für Raum, Technik, Personal, Equipment, Künstler/DJs, Logistik, Versicherungen, Brandschutz und Steuern – sehr schnell größere Summen zusammenkommen. Reich wird davon kein Veranstalter.
Wer danach noch behauptet, Veranstalten sei vor allem eine Frage von Sekt, Lachs und guter Gesinnung, hat nicht gerechnet – sondern fantasiert. Veranstalten ist kein Fantasieprojekt. Kritik ohne Kalkulation bleibt eine Behauptung.
Wer sich auf „Journalismus“ beruft, kann nicht ernsthaft behaupten, dass stündliches Durchforsten von Wendels Blog bereits Kompetenz ersetzt. Mitreden setzt voraus, den eigenen Hintern hochzubekommen, reale Expertise zu erwerben und die Themen auch praktisch zu verstehen. Dauerbeobachtung ohne Einordnung, Recherche und eigene Erfahrung ist kein Journalismus, sondern bloße Reaktion. Ohne reale Kenntnisse und Erfahrung ist das nichts als dummes Geschwätz mit journalistischem Etikett.
Ich bin gespannt, ob Riedl tatsächlich eine fundierte Kalkulation vorlegen wird – ohne Ausweichen, ohne Rückgriff auf frühere Behauptungen, man habe ja schon einmal gezeigt, dass es „auch billig geht“, und ohne den Verweis darauf, die Arbeit nicht für andere machen zu wollen. Er kann sich sicher sein: Ich verfüge über die nötige Erfahrung und Kompetenz, um reale Kosten einschätzen zu können, und zweifle begründet daran, dass er diese Kenntnisse besitzt. Wer ernsthaft glaubt, ein Event werde durch Lachs und Sekt maßgeblich verteuert, offenbart ein fundamentales Missverständnis von Eventmanagement – erst recht dann, wenn über 50 % der Gäste aus dem Ausland anreisen. Ein Wohnzimmer ist eben eine andere Dimension.
Ironisch bleibt am Ende, dass ausgerechnet ein Text, der vor Selbstüberschätzung warnt, so mustergültig zeigt, wie der Dunning-Kruger-Effekt funktioniert: große Gewissheit, geringe Selbstprüfung – und der feste Glaube, Kompetenz bestehe vor allem darin, sie anderen abzusprechen.
https://milongafuehrer.blogspot.com/2026/01/dunning-kruger-und-wendel.html